100 NGOs fordern Andritz AG und Raiffeisen Zentralbank zum Rückzug aus Borneo auf

Weltweiter Widerstand gegen geplante Zellstofffabrik auf Borneo wächst

Wien/Washington/Jakarta (OTS) - Über 100 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus 25 Ländern fordern in einem offenen Brief die österreichischen Unternehmen Andritz AG und Raiffeisen Zentralbank dazu auf, ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Zellstoffkonzern "United Fiber System" (UFS) sofort zu beenden. Der Brief wurde von GLOBAL 2000, Environmental Defense (USA), CAPPA und Walhi (beide Indonesien) initiiert. UFS will mit österreichischer Hilfe eine neue Zellstofffabrik und ein Hackschnitzelwerk auf Borneo errichten.

Dabei droht die Zerstörung riesiger ökologisch wertvoller Regenwaldgebiete, neue Landrechtskonflikte werden entfacht. "Allein 37 indonesische Organisationen haben den Brief an die österreichischen Firmen unterzeichnet. Dies macht deutlich, wie vehement die indonesische Zivilgesellschaft die Errichtung neuer Zellstofffabriken auf Borneo ablehnt", erklärt Longgena Ginting von Friends of the Earth International. Für die Bevölkerung vor Ort bringen diese Fabriken kaum neue Jobs, dafür aber den Verlust ihres Landes, ihres Waldes und ihrer Gesundheit. Ginting leitete über viele Jahre die größte indonesische Umweltschutzorganisation WALHI.

Wie UFS in einer Studie selbst einräumt, würden durch die geplante Zellstofffabrik im Süden Borneos bis zu 1.200 Fischerfamilien ihre Existenz verlieren, bei nur 700 neu geschaffenen Jobs für die Region. "Die österreichischen Unternehmen müssen sich umgehend aus den Projekten auf Borneo zurückziehen, wenn sie ihre Verantwortung gegenüber den Menschen und der Umwelt in Indonesien Ernst nehmen", fordert Daniel Hausknost von GLOBAL 2000.
Die einzige bisher auf Borneo bestehende Zellstofffabrik "Kiani Kertas" wurde in den Neunziger Jahren mitten im unberührten Urwald gebaut und führte zur teilweise gewaltsamen Vertreibung tausender Ureinwohner der Region.

Dr. Stephanie Fried, wissenschaftliche Leiterin von "Environmental Defense" in den USA, lebte zwei Jahre lang in der betroffenen Region in Ostkalimantan in einem Dorf indigener Dayak. "Die Raiffeisen Zentralbank und die Andritz AG sollten sich über ihre bedeutende Rolle bei der Entwaldung und Zerstörung Kalimantans im Klaren sein. Die Errichtung der neuen Zellstofffabrik und der Hackschnitzelfabrik in Südkalimantan werden die Entwaldung Kalimantans weiter vorantreiben, die Küstengewässer verschmutzen und Landrechte indigener Gemeinschaften verletzen. Wir fragen uns, ob die Aktionäre und Kunden der Firmen diese Projekte unterstützen würden, wenn sie über die negativen Auswirkungen der Projekte Bescheid wüssten", so Dr. Fried. Durch die Kiani Kertas-Zellstofffabrik wurden bis heute rund 150.000 Hektar tropischer Urwälder zerstört. "Noch immer versorgen sich die Zellstoff- und Papierfabriken Indonesiens zu 70 Prozent mit Holz aus Urwäldern und nur zu 30 Prozent mit Holz aus Plantagen. Eine weitere Zellstofffabrik auf Borneo würde das Aus für viele indigene Kommunen der Insel bedeuten, weil den Menschen ihr Wald weggenommen wird", kritisiert Dr. Fried. "Auch die Orang Utans und viele andere endemische Säugetiere wie Elefanten und Tiger werden durch den Zellstoff-Boom auf Borneo weiter zurückgedrängt. Die Zahl der Orang Utans auf Borneo nimmt jährlich um etwa 10 Prozent ab. Das ist eine dramatische Entwicklung", so Dr. Fried abschließend.

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