Ein verlockendes Angebot, das keines war

AKNÖ warnte vor möglichen Änderungen der Zinsgleitklausel bei Bauspardarlehen der Raiffeisen-Bausparkasse (RBSK).

Wien (AKNÖ) - Am Beginn des vergangenen Jahres bot die Raiffeisen-Bausparkasse (RBSK) ihren Bauspardarlehenskunden die Möglichkeit, ihre Darlehenszinsen bei gleichzeitiger Kürzung der Zinsbindung zu senken. Die AKNÖ-Konsumentenschützer nahmen damals das Angebot unter die Lupe und warnten vor einem Umstieg. Ein Jahr später scheint sich die Warnung bestätigt zu haben: Kunden, die auf das Angebot der RBSK eingestiegen sind, werden in Zukunft mehr als jene bezahlen, die im alten Vertrag geblieben sind.

Ernst Hafrank, Bankexperte in der NÖ Arbeiterkammer, erklärt das damalige Angebot der Raiffeisen-Bausparkasse im Detail: "Konsumenten, die sich bei der RBSK ein Darlehen genommen haben, hatten die Gewissheit, dass sich auf Grund der vereinbarten Zinsgleitklausel der Darlehenszinssatz ausschließlich zwischen 4 und 6 Prozent bewegen kann. Die Bausparkasse machte ihren Kunden im Februar letzten Jahres das Angebot, mit dem Darlehenszinssatz unter 4 Prozent zu gehen und bot bei sofortigem Umstieg einen Zinssatz von 3,75 Prozent an. Aber nur mit einer Zinsbindung auf ein Jahr - statt wie bisher einer dreijährigen Zinsbindung."

Viele Konsumenten wandten sich damals an die AK-Experten. Diese rieten davon ab, auf das Angebot der RBSK einzugehen. Aber wieso, wo doch die Herabsenkung des Mindestzinssatzes von 4 auf 3 Prozent für den Konsumenten auf den ersten Blick nur Vorteile hätte? Dazu Ernst Hafrank: "Die Darlehensnehmer haben nur dann etwas von der neuen, einjährigen Zinsanpassungsklausel, wenn der EURIBOR* unter 2,45 Prozent bleibt. Denn nur dann würde sich auf Grund der Klauselregelung ein Darlehenszinssatz von unter 4 Prozent, das ist die Untergrenze der alten Regelung, ergeben!" Die AKNÖ-Finanzexperten gingen und gehen jedoch von einem steigenden Zinsniveau aus und das bedeutet, dass die Kreditzinsen jährlich neu berechnet und damit auch hinaufgesetzt werden. Außerdem ist nach Ansicht der Konsumentenschützer die Untergrenze von 3 Prozent ohnehin illusorisch. Denn dieser Spitzenwert könnte aufgrund des fixen Gewinnaufschlages nur dann erreicht werden, wenn der EURIBOR bei 1,5 Prozent stünde - wovon angesichts der aktuellen Zinsentwicklung nicht auszugehen ist.

Neues Jahr - neue Zinsgleitklausel = 0,45 Prozentpunkte mehr an Zinsen

Ein Jahr später haben sich die Befürchtungen der AK-Konsumentenschützer bestätigt. Kunden, die das Angebot der RBSK angenommen haben und der neuen einjährigen Bindung ausdrücklich zugestimmt haben, müssen damit rechnen nun um 0,45 Prozentpunkte mehr an Zinsen bezahlen zu müssen. Hafrank rechnet vor: "Der Monatsmittelwert des EURIBOR 12-Mon., dieser ist nach der neuen Klausel ausschlaggebend, lag im November 2005 bei 2,68 Prozent, zuzüglich dem Gewinnaufschlag von 1,5 Prozent kommt man auf gesamt 4,18 Prozent. Dieser Zinssatz wird auf den nächstliegenden vollen zehntel Prozentpunkt kaufmännisch gerundet - also wird der neue Zinssatz 4,2 Prozent für all jene betragen, die dem Aufruf der Bausparkasse gefolgt sind und von der 3-Jahres-Klausel auf die einjährige umgestiegen sind. All jene, die im alten Vertrag geblieben sind, zahlen je nach Abschlusszeitraum sogar bis zum Jänner 2008 nur 4 Prozent an Zinsen!"

Ernst Hafrank: "Dieser Fall zeigt erneut, dass man auf den ersten Blick lukrativ scheinende Angebote unbedingt auch hinsichtlich längerfristiger Auswirkungen kritisch prüfen und überdenken sollte."

* EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) = Interbankenzinssatz

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