Hannes Androsch: Lieber Herr Kollege Grasser, lernen Sie Finanzgeschichte!

Wien (OTS) - Im heutigen Mittagsjournal haben Sie der SPÖ ausrichten lassen: In dreißig Jahren hätte die SPÖ nur einmal ein Defizit von 1,7 % erreicht. Sonst lag es immer darüber.

Diese Feststellung entspricht nicht den Tatsachen. In den Jahren 1970 - 1973 gab es in Österreich im Bundeshaushalt nahezu jeweils Nulldefizite und im Staatshaushalt, d. h. alle öffentlichen Haushalte zusammen genommen, in den Jahren 1970 - 1974 jeweils einen Überschuss. Und dies, obwohl es damals eine wesentlich geringere Gesamtsteuerbelastungsquote, anteilsmäßig wesentlich höhere Ausgaben für die Infrastruktur, also für Zukunftsaufgaben gab, und die Arbeitslosigkeit mit etwa 50.000 Beschäftigungslosen nur ein Siebentel der heutigen Rekordarbeitslosigkeit betrug.

Es ist ein ökonomischer Irrweg, sich angesichts von Rekordarbeitslosigkeit, Rekordpleiten und Vernachlässigung der Zukunftsaufgaben, einer vermeintlich geringeren Defizitquote zu berühmen. Wir haben eine hohe Ersparnisquote und trotz der Impulse der Ostöffnung und der Osterweiterung eine Nachfragelücke und ein realwirtschaftliches Leistungsdefizit. Unsere Rekordarbeitslosigkeit ist eine der Folgen. Es fehlt an einer steuernden statt re-aktiven Wirtschaftspolitik.

Ich fordere Sie auf, Finanzgeschichte zu lernen und nach sechs Jahren endlich eine aktive Wirtschaftspolitik zu betreiben.

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Dr. Hannes Androsch,
AIC Androsch International Management Consulting GmbH,
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