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"Kleine Zeitung" Kommentar:"Ohne Sharon wird es lange keinen Frieden geben können" (Von Charles Landsmann)
Ausgabe vom 06.01.2005
Graz (OTS) - Das von ihm mit dem Rückzug aus dem Gazastreifen und
dem Austritt aus dem Likud geschaffene Zeitfenster wird in absehbarer
Zukunft nicht ausgenützt werden. Wer hofft, dass der amtierende
Regierungschef Ehud Olmert oder irgendein anderer Nachfolger im Amt
des Ministerpräsidenten die von Sharon anvisierten Schritte in
Richtung Konfliktlösung machen kann, macht sich Illusionen.
Ohne Sharon, ob handlungsunfähig oder gar tot, fehlt in Israel der
starke Mann, nach dem sich die Massen sehnten und der erforderlich
war und ist, um unpopuläre "schmerzliche Verzichte" durchzusetzen.
"Schmerzliche Verzichte ohne Gegenleistung zugunsten der
Palästinenser", sagen Sharons Gegner.
"Schmerzliche Verzichte zugunsten der israelischen Sicherheit", sagte
der altersweise gewordene Sharon, der aus dem gleichen Grund auch den
Palästinensern ihren eigenen Staat zugestand. Ohne Sharon scheint
auch dieser für die Palästinenser in fast hoffnungslose Entfernung
gerückt zu sein.
Ariel Sharon hat einen erstaunlichen Sinnungswandel durchgemacht: vom
Kriegstreiber und Palästinenserjäger zum klugen Pragmatiker. Das
Ausland, allen voran die internationalen Medien, sind ihm dabei
bestenfalls misstrauisch gefolgt, haben ihn bis zuletzt mehr
kritisiert als gelobt.
Im Inland stieß er auf den erbitterten Widerstand derjenigen, deren
"nationales Lager" er jahrelang angeführt hatte. Doch gleichzeitig
folgten ihm die Massen.
Der Vorwurf aus der nationalistischen Ecke, Sharon habe "das Volk
Israel gespalten", ist abwegig. In Wirklichkeit haben die Siedler und
ihre militanten Sympathisanten sich als das Volk missverstanden und
sich lauthals als solches erklärt. Während sie sich vom Volk
abgesetzt haben. Sie waren es, die Israel spalteten. Sharons Politik
hat nur den Abgrund sichtbar gemacht, der die Nationalisten von der
großen Bevölkerungsmehrheit trennt.
Mit Sharons Ausscheiden sind auch die Israelis praktisch führungslos
geworden, wie die Palästinenser, bei denen Mahmud Abbas nach
anfänglichen Erfolgen längst die Kontrolle verloren hat. Ehud Olmert
wird im Falle eines Wahlerfolges zwar Sharons pragmatischen Kurs
weiterführen wollen. Doch er wird ihn selbst mit amerikanischer Hilfe
kaum in die nahöstliche Wirklichkeit umsetzen können. Es fehlen ihm
dazu Sharons Charisma, Killerinstinkt, Durchsetzungsvermögen und
Sturheit. Ohne diese ist im Heiligen Land kein Staat zu machen, weder
in Israel noch bei den Palästinensern.****
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