• 04.01.2006, 11:55:59
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Österreichs Neurologen: Klare Absage an den Additiv-Facharzt für Geriatrie

Linz (OTS) - Experten warnen vor Verschlechterung der Versorgung
alter Menschen durch Geriatrie-Mediziner. Neurologen-Gesellschaft:
Additiv-Fachärzte für Geriatrie könnten medizinischer Spezialisierung
nicht gerecht werden.

Der Empfehlung des Obersten Sanitätsrates (OSR) in Österreich
einen Additiv-Facharzt für Geriatrie einzurichten, erteilt jetzt die
Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) eine klare Absage.
Angesichts der steigenden Zahl alter und sehr alter Menschen sei
spezielles Wissen um die Behandlung dieser Patientengruppe in Zukunft
sicherlich wichtiger denn je, betont ÖGN-Präsident Univ.-Prof. Dr.
Franz Aichner: "Das kann aber nur komplementär zum Fachwissen über
die jeweils spezifische Erkrankung vermittelt werden. Ein 70-jähriger
Mensch hat keinen anderen Schlaganfall als ein 60-Jähriger, und er
verdient genau so eine optimale Versorgung durch
Schlaganfall-Spezialisten."

Das Alter könne kein Kriterium für die Auswahl des geeigneten
Behandlers sein, betont der ÖGN-Präsident, sondern nur die jeweilige
Erkrankung. Die Etablierung einer "Allgemeinmedizin für alte
Menschen" berge massive Gefahren für die Versorgung der älteren
Bevölkerung. "Ein Facharzt für Geriatrie könnte mit den rasanten
Entwicklungen in den verschiedenen Spezialgebieten wie zum Beispiel
der Neurologie, der Psychiatrie, der Onkologie, der Orthopädie oder
der Rheumatologie, die für ältere Menschen relevant sind, niemals
Schritt halten", warnt Prof. Aichner. "Die gesamte Ärzteschaft von
der Allgemeinmedizin beginnend bis zu nahezu allen Sonderfächern muss
sich der Herausforderung der geriatrischen Medizin der Zukunft
stellen. Ein Additivfacharzt für Geriatrie würde nur ein schmales
Segment der ärztlichen Versorgung abdecken können, letztlich an der
Realität vorbeigehen, und sogar zu einer ungenügenden fachärztlichen
Versorgung alter Menschen führen."

Kritisch sieht er auch die Intention mancher Befürworter einer
geriatrischen Spezialversorgung, dadurch Kosten einzusparen. "Das
ginge zu Lasten der betroffenen Patienten", so der ÖGN-Präsident.
"Die durch so eine Entwicklung drohende Gefahr wird uns in
Großbritannien vorgezeigt, wo durch das Alter von Patienten
begründete Rationierungsentscheidungen dazu führen, dass ältere
Menschen keinen Zugang mehr zu einem Facharzt haben."

Statt einer scheinbaren Spezialisierung auf Kosten der optimalen
Patientenversorgung fordern Österreichs Neurologen eine ausreichende
Verankerung geriatrischer Gesichtspunkte in allen einschlägigen
Sonderfächern. "Um der steigenden Zahl alter Patienten und ihren
besonderen Bedürfnisse gerecht zu werden, brauchen wir keinen
Facharzt für Geriatrie, sondern eine entsprechende Ausrichtung aller
Fächer der Medizin", sagt Prof. Aichner. "Das gilt für den
niedergelassenen Bereich ebenso wie für die Planung der notwendigen
Versorgungs-Einrichtungen."

Rückfragehinweis:

Univ.-Prof. Prim. Dr. Franz Aichner
   Neurologische Abteilung der Oö Landesnervenklinik Wagner-Jauregg
   Tel.: 050 / 554 62 - 25701    
   Fax: 050 / 554 62 - 25704
   mailto: franz.aichner@gespag.at
   B&K Medien- und Kommunikationsberatung GmbH
   Mag. Roland Bettschart 
   Tel.: 0676/ 63 56 775

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