Österreichs Neurologen: Klare Absage an den Additiv-Facharzt für Geriatrie

Linz (OTS) - Experten warnen vor Verschlechterung der Versorgung alter Menschen durch Geriatrie-Mediziner. Neurologen-Gesellschaft:
Additiv-Fachärzte für Geriatrie könnten medizinischer Spezialisierung nicht gerecht werden.

Der Empfehlung des Obersten Sanitätsrates (OSR) in Österreich einen Additiv-Facharzt für Geriatrie einzurichten, erteilt jetzt die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) eine klare Absage. Angesichts der steigenden Zahl alter und sehr alter Menschen sei spezielles Wissen um die Behandlung dieser Patientengruppe in Zukunft sicherlich wichtiger denn je, betont ÖGN-Präsident Univ.-Prof. Dr. Franz Aichner: "Das kann aber nur komplementär zum Fachwissen über die jeweils spezifische Erkrankung vermittelt werden. Ein 70-jähriger Mensch hat keinen anderen Schlaganfall als ein 60-Jähriger, und er verdient genau so eine optimale Versorgung durch Schlaganfall-Spezialisten."

Das Alter könne kein Kriterium für die Auswahl des geeigneten Behandlers sein, betont der ÖGN-Präsident, sondern nur die jeweilige Erkrankung. Die Etablierung einer "Allgemeinmedizin für alte Menschen" berge massive Gefahren für die Versorgung der älteren Bevölkerung. "Ein Facharzt für Geriatrie könnte mit den rasanten Entwicklungen in den verschiedenen Spezialgebieten wie zum Beispiel der Neurologie, der Psychiatrie, der Onkologie, der Orthopädie oder der Rheumatologie, die für ältere Menschen relevant sind, niemals Schritt halten", warnt Prof. Aichner. "Die gesamte Ärzteschaft von der Allgemeinmedizin beginnend bis zu nahezu allen Sonderfächern muss sich der Herausforderung der geriatrischen Medizin der Zukunft stellen. Ein Additivfacharzt für Geriatrie würde nur ein schmales Segment der ärztlichen Versorgung abdecken können, letztlich an der Realität vorbeigehen, und sogar zu einer ungenügenden fachärztlichen Versorgung alter Menschen führen."

Kritisch sieht er auch die Intention mancher Befürworter einer geriatrischen Spezialversorgung, dadurch Kosten einzusparen. "Das ginge zu Lasten der betroffenen Patienten", so der ÖGN-Präsident. "Die durch so eine Entwicklung drohende Gefahr wird uns in Großbritannien vorgezeigt, wo durch das Alter von Patienten begründete Rationierungsentscheidungen dazu führen, dass ältere Menschen keinen Zugang mehr zu einem Facharzt haben."

Statt einer scheinbaren Spezialisierung auf Kosten der optimalen Patientenversorgung fordern Österreichs Neurologen eine ausreichende Verankerung geriatrischer Gesichtspunkte in allen einschlägigen Sonderfächern. "Um der steigenden Zahl alter Patienten und ihren besonderen Bedürfnisse gerecht zu werden, brauchen wir keinen Facharzt für Geriatrie, sondern eine entsprechende Ausrichtung aller Fächer der Medizin", sagt Prof. Aichner. "Das gilt für den niedergelassenen Bereich ebenso wie für die Planung der notwendigen Versorgungs-Einrichtungen."

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