• 03.01.2006, 09:29:44
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Wiener Geschichtsblätter: Geschichte des Tröpferlbades

Wien (OTS) - Was heute vielfach belächelt bzw. als kuriose
Erscheinung abgetan wird, spielte zwischen 1890 und 1960 eine
tragende Rolle für die Hygiene zigtausender Wienerinnen und Wiener:
das Tröpferlbad bzw. Volksbad im eigenen Wohnbezirk. Dem Historiker
Stefan Winterstein ist nun zu danken, dass die Wiener
Hygiene-Geschichte, die heute längst in der "Oase Bad" angekommen zu
sein scheint, um ihre Anfänge im zu Ende gehenden 19. Jahrhundert
genauer Bescheid weiß.

Erstes Volksbad Europas stand in der Mondscheingasse 9

"Die Gewöhnung einer Stadt ans Baden. Zur Geschichte des Wiener
Volksbad-Programms" nennt sich Wintersteins genau recherchierter
Beitrag in der aktuellen Ausgabe der "Wiener Geschichtsblätter"
(4/2005), dessen Nachlesen sich nicht nur in technikhistorischer
Hinsicht, sondern auch mentalitätsgeschichtlich lohnt. Im Jahr 1887,
kurz vor Weihnachten, eröffnete die Stadt Wien in der Mondscheingasse
9 im Wien-Neubau das auch europaweit erste Volksbad, welchem in
weitere Folge in fast allen Bezirken Wiens ähnliche öffentliche
Brausebäder folgten. Einzig die Innere Stadt und Döbling verfügten
nicht über diese Einrichtung, die insbesondere von ärmeren
Gesellschaftsschichten massiv in Anspruch genommen wurde. Zuerst
schlicht getrennt zwischen Männern und Frauen boten die Volksbäder
kaum eine Annehmlichkeit. Begründet wurde dieser hygienischer
Purismus anfangs mit dem Argument, dass man die bestehenden
Privatbäder nicht konkurrenzieren wolle. In späterer Folge kam noch
die Unterscheidung zwischen Knaben und Mädchen hinzu, auch die zuerst
als Luxus zurückgewiesenen Einbauten von Einzelkabinen kam hinzu. Das
Personal eines solchen Brausebades bestand zuerst aus einem
Bademeister plus zwei Dienern bzw. Dienerinnen, die auch für das
Heizen zuständig waren. Der am häufigsten frequentierte Wochentag der
Bäder war übrigens der Samstag, wo statistisch 30,9 Prozent des
Wochenpublikums zum Duschen kam. Lange Zeit wurde seitens des
Personals auch auf eine entsprechende Bekleidung der Duschenden
geachtet. Erst in den 40er Jahren - mitten in den Kriegsjahren -
verzichtete man auch offiziell auf das Bekleidungsgebot.

Leistbare Wohnungen mit Duschen leiteten Besucher-Rückgang ein

Der Zuspruch der Volksbäder ließ ab Ende der 50er Jahre merklich
nach. Zählte man 1955 noch 4,713.190 Brausebäder waren es zehn Jahre
später "nur" mehr 2,777.962 Bäder. 1975 weist die Statistik 1,218.683
Bäder aus, im Jahr 1995 waren es 194.241 Bäder.

Weitere Aufsätze über Wiener Kaffeekultur und Angelo Soliman

Weitere Aufsätze der Geschichtsblätter widmen sich den
"Katasterkarten und Ansichten der Stadt Wien " (Ferdinand Oppl), dem
"Gewerke Angelo Soliman"(Walter Sauer) und dem Leben des "Hieronymus
Lorm (1821-1902)" (Fritz Keller), wie auch der Wiener Kaffeekultur
("Wie Kol(t)schitzky unabsichtlich zum Kaffee kam") von Ricard A.
Zahnhausen.

Die "Wiener Geschichtsblätter" kosten pro Ausgabe Euro 7 im
Buchhandel. Mitglieder des Vereins für Geschichte der Stadt Wien
erhalten das Periodikum neben anderen Publikationen gegen einen
Jahresbeitrag von 35 Euro kostenlos. Verlegt wird die renommierte
Zeitschrift, die vierteljährlich erscheint, im LIT Verlag (
mailto:wien@lit-verlag.at ). (Schluss) hch

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Hans-Christian Heintschel
Tel.: 4000/81 082
mailto:hch@m53.magwien.gv.at

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