- 26.12.2005, 19:16:14
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"Kleine Zeitung" Kommentar "Über vergessene Katastrophen und menschliche Geldanlagen" (von Elisabeth Peutz)
Ausgabe vom 27.12.2005
Graz (OTS) - Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut, das
Weihnachtsfest. Zwar haben sich die wenigsten Tische unter der Last
der Gaben gebogen, da wir ohnehin nicht mehr wissen, was wir noch
schenken sollen. Aber die Kuverts mit den Scheinchen helfen ja auch,
den Schein zu wahren.
Ein Problem haben viele jetzt, nach Weihnachten: Sie haben wieder zu
viel gegessen und getrunken. Die Linie ist in Gefahr. Das, obwohl
manchen zwischendurch fast der Appetit vergangen wäre, beim
Fernsehen, beim Zeitunglesen. Denn ein Jahr nach der
Tsunami-Katastrophe in Südasien gingen sie wieder um die Welt, die
Bilder des Todes, der Zerstörung.
Ein Jahr nach der Tsunami-Katastrophe ist das Elend in vielen der
betroffenen Regionen noch unbeschreiblich - auch unvorstellbar -
groß. Unermesslich ist die Trauer um 230.000 Tote. Zwischen Ruinen
leben die Menschen abseits der Traumstände immer noch in Zelten und
Wellblechhütten.
Nur jene gestrandeten Gegenden, in denen man auf eine neue Flut der
Touristen hofft, waren bereits wenige Monate nach dem verheerenden
26. Dezember 2004 wieder herausgeputzt und aufgemöbelt.
Die Mitarbeiter von rund 40 Hilfsorganisationen aus aller Welt
bemühen sich auch dort, wo sich kein Urlauber die Finger schmutzig
machen will, zu helfen. Sie versuchen, sich einzufühlen in die fremde
Kultur. Mit den Einheimischen bauen sie einfache Häuser, kümmern sich
um Waisen, Witwen, um andere Traumatisierte.
Private Zahler finanzieren diese Hilfeleistung. Weltweit hat der
Tsunami eine Spendenwelle ausgelöst. Und anders als viele Regierungen
stellen private Spender nicht nur Geld in Aussicht. Sie überweisen
es.
Dennoch werden die Mittel bald knapp. - Aber die Flut der Spenden ist
längst abgeebbt -und nach dem Jahrestag wird sie wohl ganz versiegen.
Tragisch für Millionen Tsunami-Opfer, denen es damit ähnlich geht wie
zehntausenden Erdbebenopfern, die jetzt in Pakistan in Zelten
frieren. Die leiden, wie Millionen Menschen in Darfur, Somalia, in
Niger, Malawi oder Simbabwe, wo ihnen der Hungertod droht.
Viele von uns haben wieder ein Mal zu viel gegessen und getrunken zu
Weihnachten. Und viele von uns wissen gar nicht, was sie mit dem Geld
tun sollen, das in den Kuverts steckt, die unterm Christbaum lagen.
Vielleicht empfiehlt sich ein kleiner Transfer auf ein Spendenkonto.
Manchmal nützt es übrigens auch, wenn man nicht immer nur nach oben
oder geradeaus sondern ausnahmsweise zur Seite blickt: Auch so
mancher Nachbar ist in Not. ****
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