• 22.12.2005, 20:28:33
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Fan hat sein Recht auf Fußball im Fernsehen behalten" (von August Kuhn)

Ausgabe vom 23.12.2005

Graz (OTS) - Wer viel riskiert, kann viel verlieren. Georg Kofler,
Chef des Bezahl-TV-Senders Premiere könnte alles verlieren. Mit dem
Tag der Bekanntgabe, dass dem Kabelnetzbetreiber Arena ab August 2006
die Pay-TV-Rechte der deutschen Fußball-Bundesliga übertragen wurden,
fiel die im März 2005 an die Börse gegangene Premiere-Aktie ins
Bodenlose. 360 Millionen Euro betrug das Minus schon am ersten Tag.
Kofler selbst ist mit 13,9 Prozent der Aktien der größte
Einzelbesitzer. Was die Kofler-Aktien im März 2006 noch wert sind,
wenn Premiere keine Bundesliga mehr überträgt, weiß heute niemand.

Es war wohl ein unverzeihlicher Fehler des gebürtigen Südtirolers,
die Konkurrenz beim Pay-TV und vor allem das ARD unterschätzt zu
haben. Kofler handelte nach dem Motto "Alles oder nichts". Er bot für
Premiere eine Summe "nördlich von 300 Millionen Euro pro Saison" und
präsentierte damit das finanziell beste Angebot. Mit dem Haken, dass
es Fußball am Samstag im freien Fernsehen nicht vor 22 Uhr geben
darf.

Eine falsche Einschätzung von Kofler war, mit dem finanziell höchsten
Angebot bei den Klubs der Deutschen Fußball-Liga (DFL) locker landen
zu können. Doch die DFL, der Vorstand des Ligaverbandes und letztlich
die Liga-Vollversammlung ließen Premiere abblitzen.

Der Fußball wird weiter sehr rasch im freien Fernsehen zu konsumieren
sein. Nach den Live-Übertragungen, für die ab August 2006 Arena, eine
100-Prozent-Tochter von Unity Media, zuständig ist, wird es wie
bisher in ARD ab 18.30 Uhr eine Zusammenfassung aller sechs
Samstagsspiele geben. Auch das "Aktuelle Sportstudio" nach 22 Uhr in
ZDF wird über die deutsche Bundesliga berichten. Gespannt kann man
sein, wie der bis jetzt unbedeutende Pay-TV-Sender Arena mit
lediglich 100.000 Abonnenten alle Hürden bis zum Beginn der neuen
Bundesligasaison meistern wird.

Georg Kofler hat zum ganz großen Deal nur noch der letzte Schub
gefehlt. Letztlich aber hat er sich verzockt - davon geht man derzeit
in der Branche aus. Die Wahrheit ist, dass der Mann, der für den
Sport auf Premiere die Hälfte des gesamten Volumens bereit war
hinzublättern, niemals genug bieten hätte können, um abermals das
Rennen um die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga zu machen.

Dazu waren jene, denen klar geworden ist, dass der Volkssport Fußball
nicht endgültig zur Spielwiese von Geschäftemachern werden darf,
nicht mehr bereit. Der Fan hat sein Recht auf Fußball behalten. ****

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