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"Kleine Zeitung" Kommentar: "In zwei Jahren weiß Treichl, ob sich die Milliarden gelohnt haben" (von Rainer Strunz)
Ausgabe vom 22.12.2005
Graz (OTS) - Billig ist die Sache ja nicht gerade. 3,75 Milliarden
Euro zahlt die Erste Bank für die Mehrheit an der rumänischen Banca
Comerciala Romana (BCR), ein Rekord im Poker um Macht und
Marktführerschaft unter den Banken des ehemaligen Ostblocks. Nicht
nur absolut, sondern auch relativ. Mit 3,75 Milliarden riskiert die
Erste den 5,8fachen Buchwert für die BCR, Raiffeisen bezahlte für die
ukrainische Aval-Bank nur den vierfachen Wert.
Ein erstaunlich hoher Preis auch in der Rückbetrachtung. Die erste
Ausschreibung der BCR vor drei Jahren war ein veritabler Flop,
niemand interessierte sich für Rumäniens führende Bank, das Verfahren
wurde eingestellt. Jetzt haben gleich sieben westliche Banken um die
BCR gerittert, ihr Interesse spiegelt den Aufschwung wider, der das
jahrzehntelang von Korruption gefesselte Land mittlerweile erfasst
hat.
Kräftige Wachstumsraten in einem mit Bankprodukten erst sehr spärlich
versorgten Land sind für die Erste natürlich noch lange keine
Garantie, dass sich das riesige Investment auch wirklich lohnt, der
wichtigste Meilenstein ist sicher der für 2007 ins Auge gefasste
EU-Beitritt Rumäniens. Sollte in zwei Jahren aber die blaue
Unionsfahne über Bukarest wehen, kann sich Andreas Treichl erstmals
wirklich entspannt im Chefsessel der Erste Bank zurücklehnen. Und
gegenüber der Konkurrenz die Vorteile eines Bankenimperiums
ausspielen, das die Slowakei, Tschechien, Ungarn, Kroatien, Serbien
und jetzt eben auch Rumänien umfasst.
An der Börse ist Treichls Mega-Coup nicht gerade goutiert worden. Der
Kurs der Ersten sackte leicht ab, der Preis für die BCR wurde
generell als sehr hoch bezeichnet. Das deckt sich indes mit früheren
Käufen. Praktisch alle Akquisitionen Treichls wie die ungarische
Postsparkasse oder die tschechische Sparkasse waren nicht gerade
Schnäppchen, gelten mittlerweile aber als lukrative Investitionen.
Sollte Treichl das Glück, auf das letztlich kein noch so tüchtiger
Manager ganz verzichten kann, nicht untreu werden, dürfte sich auch
die Banca Comerciala Romana für die Erste rechnen. Und läuft alles
nach Plan, fragt in drei, vier Jahren niemand mehr nach dem Preis.
Für Treichl ist der Deal jedenfalls die Krönung einer Karriere, die
mittlerweile die seines Vaters, des ehemaligen CA-Generaldirektors,
weit in den Schatten stellt. Er hat aus der Ersten das gemacht, was
man ohne den unseligen Einfluss der Politik aus der CA hätte machen
können: ein weit über die Grenzen hinausreichendes, österreichisches
Bankenimperium. ****
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