- 18.12.2005, 19:39:26
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Kampf gegen Wettbewerb ist das Gift für jede Freiheit" (von Johannes Kübeck)
Ausgabe vom 19.12.2005
Graz (OTS) - Die WTO-Konferenz in Hongkong ist unter den
gewalttätigen Protesten einer Hundertschaft von Berufsdemonstranten
fast zusammengebrochen. Nur der harte, aber nicht brutale Einsatz der
Polizei verhinderte, dass eine Einrichtung der friedlichen
Völkergemeinschaft vor dem perfiden Gewalteinsatz einer kleinen und
nicht legitimierten Gruppe vorübergehend kapitulieren musste.
Dabei rechtfertigt das Ergebnis der Konferenz den Einsatz der Polizei
kaum. Nach sechs Konferenztagen brachte die Welthandelsorganisation
nur ein Mini-Ergebnis zustande. Das liegt nicht am Prinzip des
Freihandels, sondern an den Strukturen der WTO. Gerade das kleine
Hongkong - flächenmäßig zwei Mal so groß wie Wien, aber unter den Top
Ten des Welthandels - zeigt, dass die WTO trotz aller Anfeindungen
eine Erfolgsgeschichte ist.
Die Menschen von Hongkong haben den Wert der Freiheit im Handel als
die große Chance erkannt, trotz des Mangels an natürlichen
Voraussetzungen zu Wohlstand zu kommen. Sie haben nicht mit ihren
Nachteilen gehadert - und auch die Ursache dafür nicht bei anderen
gesucht -, sondern ihre Vorteile gesucht. Für sie ist Freiheit nicht
ein erworbenes Recht, sondern eine Errungenschaft, von der sie
wissen, dass darum ständig neu gerungen werden muss.
Es kann es auch nicht das einzige Los der österreichischen Bergbauern
sein, den Reichtum ihres Bodens, ihres Umfeldes im Herzen Europas und
ihres Könnens und ihrer Tradition hauptsächlich dazu zu nützen, Milch
an eine Molkerei zu liefern. Solche Voraussetzungen geben die
Freiheit auch für andere existenzielle Möglichkeiten.
Voraussetzung dafür ist die Erkenntnis, dass das Werkzeug für das
Erringen und Verteidigen jeder Freiheit der Wettbewerb ist.
Protektionismus ist Gift für jede Freiheit, weil er sich den Regeln
des Wettbewerbs entzieht. Wettbewerb in der Politik bewahrt die
Gesellschaft vor Diktatur, Wettbewerb der Medien sichert die Freiheit
der Meinungen und Wettbewerb in der Wirtschaft verhindert den Sieg
von Monopolen. Freiheit im Handel ist deshalb auch eine Bedingung für
Demokratie.
Der Kampf der Globalisierungsgegner hinterlässt einen fahlen
Nachgeschmack. Diese Gruppen stellen sich nicht dem Wettbewerb der
Ideen, sondern erklären fast alles in der Welt für schlecht. Die
Arbeiterbewegung war auch einmal in so einer Situation. Aber sie hat
den Wettbewerb angenommen und erst dadurch den Unselbstständigen die
Freiheit erkämpft. ****
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