- 16.12.2005, 08:33:00
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Vizebürgermeisterin Laska übergab Pflegepreis Wien 2005 an Slobodanka Nikolic
Wien (OTS) - Ein Alptraum für alle Eltern: der 15-jährige Sohn
verunglückt beim Schwimmunterricht. Dragan treibt zehn Minuten unter
Wasser. Er kann wiederbelebt werden, befindet sich fast ein halbes
Jahr im Koma und lebt derzeit in einer Art Wachkoma. Seit Februar
2003 steht die Sorge um Dragan im Mittelpunkt des Lebens von
Slobodanka Nikolic und ihrer Familie. Die intensive Pflege trägt
Früchte: Dragan reagiert immer stärker auf seine Umwelt und versucht,
sich zu artikulieren. Wie weit er sich erholen kann, ist fraglich.
Der Weg für Familie Nikolic ist lang, anstrengend und von
persönlichen Opfern begleitet.
Als Dank und als Ermutigung wurde Slobodanka Nikolic der
Pflegepreis Wien 2005 zuerkannt. Die Ehrung und Preisübergabe durch
Vizebürgermeisterin Grete Laska, Direktor Ing. Johann Kaiser,
AUVA-Landesstelle Wien, und Karl Ziegler, Stellvertretender
Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz, fand am Donnerstag, dem
15. Dezember, um 15 Uhr im Steinsaal 1, im Wiener Rathaus statt. Es
gratulieren Familienmitglieder und Freunde, Gewerkschaftssekretär
Karl Demler, Gewerkschaft Agrar, Nahrung u. Genuss, Mag. Pia-Maria
Rosner-Scheibengraf, Wirtschaftskammer, Kammerrat Rudolf Silvan,
Gewerkschaft Bau - Holz, Jurymitglieder, die Betreuer und Direktoren
der AUVA-Landesstelle Wien.
Slobodanka Nikolic (45 Jahre) kam im Jahre 1971 mit ihren Eltern
aus Belgrad nach Wien. Nach zwei Jahren Schulbesuch arbeitete sie
drei Jahre als Stubenmädchen im Hotel Sacher und dann bei einer
Reinigungsfirma. Seit dem Unfall ihres Sohnes pflegt sie ihn rund um
die Uhr. Das einzige Vergnügen, das sie sich als Ausgleich gönnt, ist
ein Spaziergang am Nachmittag mit ein paar Minuten auf einer
Parkbank. Im Sommer nimmt sie Dragan mit. Jetzt fürchtet sie eine
Verkühlung, die für ihren Sohn böse Folgen haben kann. Damit sie die
paar Schritte ums Haus wagen kann, übernimmt ihr Mann Ljubomir (48
Jahre) nach seinem Arbeitstag als Reinigungskraft die Pflege. Aber
auch die 19-jährige Tochter Lela schaut untertags vorbei und hilft
mit; sie erwartet ein Kind und ist als Frisörin in Karenz.
Anfang Dezember 2005 wurde Dragan (18 Jahre) an den Armen
operiert. Als Folge des Unfalls waren die Sehnen stark verkrümmt; sie
wurden verlängert. Familie Nikolic hofft, dass der Eingriff ein
Erfolg wird und die gewünschte Erleichterung bringt.
"Wie der Unfall passiert ist, kann niemand sagen," schüttelt
Slobodanka Nikolic den Kopf. Dragan war im Polytechnikum und mit der
Klasse bei einem Schwimmkurs im Stadthallenbad. Er konnte bereits
Schwimmen. "Seit dem kämpfen wir jeden Tag. Dragan ist sehr brav, nur
ins Spital will er nicht. Er war immer ein lebhaftes Kind". Dragan
lächelt und nickt wie zur Verstärkung. Ein Jahr nach dem Unfall
konnte Familie Nikolic in eine weitestgehend behindertengerechte und
geräumige Wohnung in der Koppstraße in Wien-Ottakring ziehen. "Unsere
alte Wohnung war viel zu klein und hätte nicht umgebaut werden
können," sagt Nikolic. Jetzt hat sie Dragan immer im Blick. Vom
Wohnzimmer und von der Küche aus, verstellt nichts die Sicht auf
ihren Sohn, wenn er noch im Bett liegt. Untertags sitzt er im
Rollstuhl und zwar mit Vorliebe vor dem Fernseher. Die Mutter hofft,
dass sich sein Zustand weiter verbessert. Als Apalliker ist er
derzeit zu 100 Prozent auf fremde Hilfe angewiesen. Zwei Mal pro
Woche arbeitet Dragan mit einem Logopäden und dem Physiotherapeuten.
Dragan erhält eine Versehrten- und eine Zusatzrente sowie das
Pflegegeld der Stufe 7 (1.562,10 Euro). Die AUVA hat bisher Zuschüsse
für ein Behindertenfahrzeug und die Wohnungsadaptierung in Höhe von
rund 28.500 Euro bezahlt sowie Hilfsmittel (Zimmerfahrstuhl,
Patientenlifter, Duschrollstuhl, Pflege- und Stehbett,
Bewegungstrainer etc.) im Gegenwert von rund 15.000 Euro zur
Verfügung gestellt.
Der AUVA-Pflegepreis
Der Pflegepreis entstand 1998 auf Initiative der zuständigen
Landesstelle der AUVA (Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt). Er
steht unter der Patronanz des Bürgermeisters und wird von der
Gewerkschaft Bau-Holz unterstützt. Im Jahre 2005 wird er zum achten
Mal für aufopfernde Pflege im Familienverband vergeben.
Voraussetzung für den Pflegepreises ist die Betreuung eines
schwerstversehrten Angehörigen nach einem Arbeitsunfall oder einer
Berufskrankheit zu Hause über einen bestimmten Zeitraum und zwar:
Versehrte mit Pflegestufe 7: Pflege mehr als 3 Jahre
Versehrte mit Pflegestufe 6: Pflege mehr als 5 Jahre
Versehrte mit Pflegestufe 5: Pflege mehr als 10 Jahre.
Diese Kriterien trafen im Vorjahr in Wien auf keinen Fall der AUVA
zu, 2005 auf eine Kandidatin. Viele Unfallopfer werden in Wien nicht
zu Hause sondern in Heimen versorgt.
Die Auswahl der Pflegerin des Jahres erfolgt in einem mehrstufigen
Bewertungsprozess. Gemeinsam mit den regionalen Sozialarbeitern
werden vom Rehabilitationsteam der AUVA-Landesstelle Wien alle
Betreuer, die einen schwerstversehrten Angehörigen nach einem
Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit aufopfernd und lange Jahre
zu Hause pflegen, nominiert.
Dr. Djawad Lessan, Chefarzt der AUVA-Landesstelle, Hermine Ebner,
Pflegedienstleitung des AUVA-Unfallkrankenhauses und des
Rehabilitationszentrums Wien-Meidling, und Werner Vogl,
Leistungsabteilung, besuchen die Kandidaten und wählen - so vorhanden
- zwei Pflegepersonen aus. Ausschlaggebend neben der Anzahl der
Pflegejahre sind die Pflegeintensität, der gesundheitliche Zustand,
die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Entbehrungen, die
die Kandidaten auf sich nehmen. Die Auswahl trifft dann eine Jury,
der in Wien Dr. Wolfgang Exel, Gesundheitsexperte der "Kronen
Zeitung", Karl Ziegler, Stellvertretender Bundesvorsitzender der
Gewerkschaft Bau-Holz, Ing. Johann Kaiser, Direktor der AUVA
Landesstelle Wien, angehören.
Neben einer Urkunde und dem Relief "Sonnenstiege" von Prof. Horst
Aschermann besteht der Preis aus einem Erholungsurlaub in einem
behindertengerechten Hotel, der von der Gewerkschaft Bau-Holz zur
Verfügung gestellt wird.
Helga Kuhn, Pflegepreisträgerin 2003, hat den von der Gewerkschaft
Bau-Holz gestifteten Urlaubsaufenthalt in Kirchberg in Tirol im
Jänner 2004 konsumiert.
In Österreich leben rund 7.300 nach einem Arbeitsunfall
Schwerstversehrte und rund 3.000 davon in Niederösterreich,
Burgenland und Wien. In Wien befinden sich derzeit sieben
AUVA-Versehrte in Pflegestufe 7, fünf in Stufe 6 sowie dreizehn in
Pflegestufe 5.
Die AUVA-Landesstelle Wien finden Sie im Internet unter
www.auva.at/wien.
Rückfragehinweis:
Gabriela Würth, GWK,
Tel.: (02242) 38300, (0676) 33 24 879
E-Mail: [email protected]
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