• 01.12.2005, 12:17:35
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Brandsteidl zur Sprach-Integration an Wiens Schulen

Begleitlehrer und muttersprachliche Lehrer

Wien (OTS) - "In Wien gibt es zahlreiche Modelle zur Unterstützung
von Kindern mit Sprachdefiziten - seit langem und in der Praxis
bewährt. Welche? Konkret sind es die Begleit- und muttersprachlichen
LehrerInnen, denen es durch ihre Arbeit gelingt, so genannte
'außerordentliche SchülerInnen' (in Wien insgesamt 9.908 Kinder in
der Volksschule und 2.148 in Hauptschulen/Kooperativen Mittelschulen)
durch gezielte Förderung innerhalb von 2 Jahren zu 'ordentlichen'
SchülerInnen, die dem Unterricht folgen können, zu machen. Ohne diese
LehrerInnen wäre das hinter der gesetzlichen Regelung des
'außerordentlichen Schülerstatus' liegende pädagogische Ziel zumeist
nicht erreichbar", stellte Wiens Amtsführende
Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl am Donnerstag in einer
Pressekonferenz heute fest.

Fördermaßnahmen im Bereich der Wiener Pflichtschulen im Detail

BegleitlehrerInnen - Ganz allgemein ist die Aufgabe der
BegleitlehrerInnen (insgesamt 501 Dienstposten wendet Wien hierfür
auf) die Steuerung und Förderung der Sprachentwicklung für Kinder,
deren Zweitsprache Deutsch ist. Konkret fungieren BegleitlehrerInnen
als ZweitlehrerInnen im Klassenverband mit der besonderen Aufgabe,
Kinder mit erheblichen Defiziten in der deutschen Sprache während des
Unterrichts, aber auch mit zusätzlicher Sprachförderung zu
unterstützen. Der Gedanke dahinter: Kinder nicht-deutscher
Muttersprache, die dem Unterricht nur schwer folgen können, werden am
besten dadurch gefördert, dass sie einerseits im Klassenverband sind
und so durch die tagtägliche Begegnung mit jenen, die Deutsch als
Muttersprache sprechen, ihre eigene Sprachkompetenz verbessern.
Andererseits eben sind es die BegleitlehrerInnen, die sich zusätzlich
intensiv um den erfolgreichen Spracherwerb bemühen, indem sie
beispielsweise 'SeiteneinsteigerInnen' betreuen, die Alphabetisierung
unterstützen, gemeinsam mit dem/der KlassenlehrerIn Methoden und
Unterrichtsmaterialien aussuchen, aber auch individualisierte
Förderkonzepte zur Integration von SchülerInnen im Klassenverband
erarbeiten.

Muttersprachliche LehrerInnen - Ausgehend von Erkenntnissen der
neueren Bilingualismusforschung soll durch zusätzliche
muttersprachliche Bildung von Kindern nicht-deutscher Muttersprache
die Fähigkeit, "Deutsch als Zweitsprache" zu erlernen, verbessert
werden. Der Hintergedanke wird durch die Wissenschaft wie folgt
definiert: "...dass Nichtförderung der Muttersprache in der Schule
bei Minderheiten zu unzulänglicher Zweitsprachenbeherrschung führt."
(Fthenakis et al. 1985) Oder stark simplifiziert gesprochen: Wie soll
man eine andere Sprache (im konkreten Fall Deutsch) erlernen, wenn
man seine eigene Muttersprache nicht beherrscht? Überdies führen
Sprachwisenschaftler als Zusatzargument an, dass durch
muttersprachliche Förderung die Spracherwerbskompetenz, die
sprachliche Intelligenz sowie generell die gesamte verbale und
nonverbale Intelligenzleistung von Kindern gefördert werden.

Konkret wird an Wiens Schulen - neben den "prestigeträchtigen"
Sprachen (v.a. Englisch) in insgesamt 12 Sprachen (Albanisch,
Arabisch, Bosnisch, Chinesisch, Farsi, Kroatisch, Polnisch, Romanes,
Rumänisch, Serbisch, Türkisch, Ungarisch) Unterricht in der
Muttersprache angeboten. Dass dieses Angebot ein wesentliches Element
für den erfolgreichen Erwerb der deutschen Sprache ist, ist nur ein
Erfolg der insgesamt 149 muttersprachlichen LehrerInnen. Ebenfalls
große Bedeutung haben muttersprachliche LehrerInnen als Mittler bei
allfälligen Differenzen im schulischen Alltag - diese Aufgabe kommt
nicht nur bilingualen Kindern, sondern in letzter Konsequenz allen
"an Schule Beteiligten" zugute.

Brandsteidl: "Die Arbeit dieser 'pädagogischen SpezialistInnen'
bringt jedoch noch weitere Vorteile. So ist sie ein wesentlicher
Bestandteil der an Wiens Schulen gelebten interkulturellen Erziehung.
Diese zusätzlichen Lehrkräfte stellen dabei einen wesentlichen
Baustein der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, aber
auch des positiven Miteinanders aller SchülerInnen - egal welcher
Nationalität oder Muttersprache - dar. Sie unterstützen durch die
Vermittlung sprachlichen Verstehens das hierüber hinausreichende
Einander-Begreifen, das gemeinsame Erleben und Mitgestalten."

"So positiv die Arbeit unserer Begleit-LehrerInnen und
muttersprachlichen LehrerInnen zu beurteilen ist, ändert dies nichts
daran, dass das eigentliche Problem nicht die 'Kenntnis des richtigen
Weges', sondern die massiven Einschränkungen durch die
Ressourcenkürzungen des Bundes in den vergangenen Jahren ist. Hier
muss endlich klar sein, dass wer sich zur sprachlichen und
allgemeinen Integration von Kindern mit Migrationshintergrund
bekennt, den Schulen auch die nötigen Personalressourcen hiefür zur
Verfügung zu stellen hat. Der Bund ist gefordert und es bleibt zu
wünschen, dass auch jene politischen Kräfte in Wien, deren
Parteifreunde in der Bundesregierung sitzen, endlich den Ernst der
Lage erkennen und sich für die Interessen der Kinder in Wien
einsetzen. Mehr Sensibilität und bessere Sachkenntnis in dieser Frage
wären zweifelsohne eine ebenfalls wünschenswerte Vorableistung."
(Schluss) ssr

Rückfragehinweis:

PID-Rathauskorrespondenz:
   http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
   Medien- und Pressereferat des Stadtschulrates
   Matias Meißner
   Tel.: 525 25/77014
   mailto:matias.meissner@ssr-wien.gv.at

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