• 01.12.2005, 10:15:00
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AUVA-Pflegepreis Niederösterreich 2005: LR Dr. Bohuslav ehrt Reinhilde Matous aus Mauerbach am 1.Dezember

Wien (OTS) - Das Schicksal hat das liebevolle Kämpferherz von
Reinhilde Matous nicht erst einmal auf die Probe gestellt. Wie sie
damit umgeht und wie sich die 53-jährige Niederösterreicherin um
ihren seit 13 Jahren gelähmten und auf ständige Hilfe angewiesenen
Sohn Michael kümmert, waren ausschlaggebend für die Zuerkennung des
Pflegepreises 2005. Die Ehrung und Preisübergabe durch Landesrätin
Dr. Petra Bohuslav, Direktor Ing. Johann Kaiser, AUVA-Landesstelle
Wien, und Kammerrat Marlene Pomberger, Vorstandsmitglied der AK NÖ,
findet am Donnerstag, dem 1. Dezember, um 10:30 Uhr im St.
Leopold-Saal des NÖ-Landhauses in St. Pölten statt. Zu den
Gratulanten zählen Gottfried Jelinek, Bürgermeister von Mauerbach, KR
Ing. Alfred Graf, Vizebürgermeister von Mauerbach, Rosa Bitterle,
Gemeinderätin von Mauerbach, Karl Ziegler, Vorsitzender der
AUVA-Landesstelle Wien und Stellvertretender Bundesvorsitzender der
Gewerkschaft Bau-Holz, Gewerkschaftssekretär Karl Demler,
Gewerkschaft Agrar, Nahrung u. Genuss, Direktor-Stv. Mag. Helmut
Glöckler, AUVA-Landesstelle Wien, Chefarzt MR Dr. Djawad Lessan,
AUVA-Landesstelle Wien und DGKS Hermine Ebner, Pflegedienstleiterin
des AUVA-Unfallkrankenhauses Meidling.

Reinhilde Matous zählt zu jenen besonderen Menschen, für die das
Wohl ihrer Familie, ihrer Freunde, völlig selbstverständlich im
Vordergrund steht. Und sie weiß auch, wie viel innere Ruhe und Kraft
sie selbst benötigt. Die vergangenen dreizehn Jahre warteten mit
einer Vielzahl erschütternder Ereignisse auf.

Das Überleben ihres damals 17-jährigen Sohnes Michael stand im
Juli 1992 nach einem Mopedunfall auf dem Weg zur Arbeit wochenlang
auf der Kippe. Von Anfang an war klar: überlebt er, bleibt er ein
100-prozentiger Pflegefall, da die Wirbelsäule vom 3. bis 5.
Halswirbel zum Teil zertrümmert war. Dazu noch schwere innere
Verletzungen sowie offene Knochenbrüche erforderten eine
Rehabilitationszeit von dreizehn Monaten. Um Michael zu Hause
bestmögliche Verhältnisse zu bieten, musste das erst elf Jahre alte
Fertigteilheim in Mauerbach abgerissen und durch ein neues,
rollstuhlgerechtes Haus ersetzt werden. Für die psychische und
physische Betreuung ihres Sohnes gab sie die Mitarbeit im
Familienunternehmen auf. Bis zur Fertigstellung des Neubaus lebte die
Familie in den Gästezimmern eines gepachteten Cafe-Restaurants in
Mauerbach.

Im Jänner 1995 - mitten in der Umbauphase - traf sie der nächste
Schock: Dietmar, der ältere Sohn, fand seinen Vater mit
unerträglichen Kopfschmerzen und Erbrechen im Neubau. Die Diagnose
lautete "Gehirnblutungen". Eine Operation erwies sich als sofort
nötig. "Als mir der Oberarzt Risken und Heilungschancen erklärte, war
ich verzweifelt. Eine Zukunft mit zwei rund um die Uhr
Pflegebedürftigen im Haus konnte ich mir nicht vorstellen. Zum Glück
ist es gut gegangen, mein Mann hat sich wieder erholt", erinnert sich
Reinhilde Matous mit leicht belegter Stimme.

Das relativ große Cafe-Restaurant in Mauerbach mit einem Imbiss im
14. Bezirk in Wien parallel zu führen, wäre für die Familie zu viel
gewesen. Die Pacht des Restaurants wurde damals aufgegeben. Den Kiosk
im 14. Bezirk hat Karl Matous vor drei Jahren geschlossen. Ehemann
Karl (55 Jahre) und Sohn Dietmar (35 Jahre) sind weiterhin in der
Gastronomie tätig.

Reinhilde Matous wurde 1952 in Wien geboren und war bis zur Heirat
als Industriegroßhandelskauffrau in einem großen Autohaus
beschäftigt. Als sie einer Freundin half, lernte sie deren Bruder
Karl kennen und lieben. Bis zur Karenz mit ihrem Zweitgeborenen
Michael blieb sie im Autohaus beschäftigt. Dann übernahm das Ehepaar
den Imbiss in Wien von den Schwiegereltern. Ab 1990 arbeiteten ihr
Mann und in der Folge die Söhne parallel im Pachtbetrieb in
Mauerbach.

Auf dem Weg in die Arbeit kam es 1992 zu dem Frontalzusammenstoß,
der Michael lange Zeit bewegungsunfähig machte.
"Schon in der Intensivstation im AUVA-Unfallkrankenhaus Meidling habe
ich mitgeholfen und viel über die Pflege gelernt", erzählt Reinhilde
Matous. Die Vielzahl medizinischer Fachliteratur im Bücherschrank
verrät, dass es dabei nicht geblieben ist. Um Michael besser helfen
und die Physiotherapie unterstützen zu können, setzte sie sich sechs
Monate wieder in St. Pölten auf die "Schulbank": "Ich war das Lernen
nach so vielen Jahren nicht mehr gewohnt. In diesem halben Jahr bin
ich nur einmal zum Fernsehen gekommen. Vor der Prüfung war ich
furchtbar nervös und als ich es dann - als weitaus Älteste -
geschafft hatte, war das ein tolles Gefühl. Steine sind mir vom
Herzen gefallen." Seit fünf Jahren ist sie staatlich geprüfter
Heilmasseur. In den Genuss ihrer einfühlsamen Hände kommen in erster
Linie Michael, aber auch Familienmitglieder und enge Freunde.

Michael Matous kann einen Arm eingeschränkt bewegen und hat
keinerlei Fingerfunktion. Ein spezielles Computersystem hilft ihm,
technische Geräte in seinem Zimmer zu bedienen. Die meiste Zeit
verbringt er ebenfalls mit Hilfe eines speziellen Systems an seinem
Computer. Unter anderem aktualisiert er die Homepage vom NÖ-Hilfswerk
Purkersdorf-Gablitz-Mauerbach als ehrenamtlicher Mitarbeiter. "Obwohl
er so selbstständig ist, bin ich ständig ‚Stand by’. Zum
Batteriewechsel bei der Maus oder zum Neustarten des Computers
braucht er mich doch," lächelt die Mutter.

Aber auch sonst ist Michael auf Hilfe angewiesen. Es beginnt
morgens um 6 Uhr mit der Unterstützung des Stoffwechsels. Es folgen
die Morgentoilette, der Wechsel vom Bett in den Rollstuhl, das
Frühstück. Mit dem vom Vater verlängerten und gebogenen Besteck nimmt
er feste Nahrung selbst zu sich. Trinken kann Michael nicht mehr
allein. An drei Tagen in der Woche kommt die Physiotherapeutin.

Zu ihren heimlichen Vergnügungen und Kraftquellen zählt Reinhilde
Matous so Unterschiedliches wie kalte Gesichtsduschen und die Arbeit
im rund 1.000 Quadratmeter großen Garten. Während der gemütliche
Rottweiler Rocky verwöhnt werden will, hat sich Katze Puppi zur
wertvollen Assistentin entwickelt. Sie schläft bei Michael im Bett,
schmiegt sich an Problemstellen und schleckt Schmerzenstränen auf,
wenn die Mutter die Rufe des Sohnes nicht schnell genug hört.

Die AUVA-Landesstelle Wien unterstützt Familie Matous mit
medizinischen Hilfsmitteln, Hygieneartikeln, Darlehen und Zuschüssen
zu behindertengerechten Umbauten und zum Fahrzeugkauf sowie
Kuraufenthalten in Rovinj. Michael Matous war zum Zeitpunkt des
Unfalls Kochlehrling am Ende des zweiten Lehrjahres und bezieht daher
eine Invaliditätspension der PVA, eine Versehrtenrente der AUVA sowie
Pflegegeld der Stufe 7.

Der Pflegepreis

Der Pflegepreis entstand 1998 auf Initiative der zuständigen
Landesstelle der AUVA (Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt). Er
steht unter der Patronanz des Landeshauptmanns und wird vom
Präsidenten der Arbeiterkammer Niederösterreich unterstützt. Im Jahre
2005 wird er zum achten Mal für aufopfernde Pflege im Familienverband
vergeben.

Die Auswahl der Pflegerin des Jahres erfolgt in einem mehrstufigen
Bewertungsprozess. Gemeinsam mit den regionalen Sozialarbeitern
werden vom Rehabilitationsteam der AUVA-Landesstelle Wien alle
Betreuer, die einen schwerstversehrten Angehörigen nach einem
Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit aufopfernd und lange Jahre
zu Hause pflegen, nominiert. Als Kriterium gilt eine Pflegedauer von
mehr als drei Jahren für Versehrte der höchsten Pflegestufe 7, von
mehr als fünf Jahren für Pflegestufe 6 und mehr als zehn Jahren für
Versicherte der Pflegestufe 5.

Dr. Djawad Lessan, Chefarzt der AUVA-Landesstelle, Hermine Ebner,
Pflegedienstleitung des AUVA-Unfallkrankenhauses und des
Rehabilitationszentrums Wien-Meidling, und Werner Vogl,
Leistungsabteilung, besuchen die Kandidaten und wählen zwei
Pflegepersonen aus. Ausschlaggebend neben der Anzahl der Pflegejahre
sind die Pflegeintensität, der gesundheitliche Zustand, die
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Entbehrungen, die die
Kandidaten auf sich nehmen.

Die endgültige Auswahl trifft eine Jury, der Dr. Christian
Haberle, Arbeiterkammer Niederösterreich, Mag. Barbara Hofstätter,
Neue NÖN, Direktor Ing. Johann Kaiser, Leiter der AUVA-Landesstelle
Wien angehörten. Der Beschluss, Reinhilde Matous zu wählen, erfolgte
bereits im Oktober 2004 und zwar einstimmig.

Neben einer Urkunde und dem Relief "Sonnenstiege" von Prof. Horst
Aschermann besteht der Preis aus einem Erholungsurlaub in einem
behindertengerechten Hotel, der von Präsident Josef Staudinger,
Arbeiterkammer Niederösterreich, zur Verfügung gestellt wird.

Christine Fichtinger, Pflegepreisträgerin 2004, hat den von
AKNÖ-Präsident Josef Staudinger gestifteten, einwöchigen
Urlaubsaufenthalt im Seminar-Park Hotel Hirschwang gemeinsam mit
ihrem Gatten im Juni 2005 verbracht.

In Österreich leben rund 7.300 nach einem Arbeitsunfall
Schwerstversehrte und rund 3.000 davon in Niederösterreich,
Burgenland und Wien. In Niederösterreich fallen derzeit vierzehn
Versicherte in die höchste Pflegestufe 7 (bis zu Wachkoma), sieben
Versicherte in Stufe 6 sowie 40 Versehrte in die Pflegestufe 5
(schwere Querschnittlähmungen). Erfreulicherweise werden in
Niederösterreich alle Versicherten der höchsten Pflegestufe zu Hause
gepflegt.

Rückfragehinweis:
Gabriela Würth, GWK
Tel.: (02242) 38300, Mobil:(0676) 33 24 879
E-Mail: [email protected]
www.auva.at/wien

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