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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Willkommen in Kärnten - im Testlabor für Bleifußpiloten" (Von Reinhold Dottolo)
Ausgabe vom 01.12.2005
Graz (OTS) - Es gibt Tage, da bleibt selbst einem durch die
Wendungen des politischen Lebens hartgesottenen Berichterstatter der
Mund offen: Nach dem Willen von Verkehrsminister Hubert Gorbach soll
also auf der Tauernautobahn, zwischen Spittal an der Drau und
Paternion in Kärnten, ab Mai das ominöse Tempo 160 getestet werden.
Man merke: Nicht wie vorher angekündigt, auf einer dreispurig
ausgebauten Autobahn, sondern auf einer nur zweispurigen Strecke. Auf
einer dicht befahrenen europäischen Fernroute noch dazu, auf der
neben dem "normalen" Verkehr im Sommer auch tausende Autos mit
angehängten Wohnwagen in Richtung Adria zuckeln. Und auf einem
Teilabschnitt, auf dem notwendige Sicherheitsausstattungen erst um
teures Geld gebaut werden müssen - eine Section Control etwa, oder
eine flexible Geschwindigkeitsvorschreibung.
"Kärnten is a Wahnsinn" - mit diesem Slogan warb Österreichs
südlichstes Bundesland seinerzeit. Man sollte den Spruch nach
Gorbachs Vorstoß wieder hervorholen. Denn, dass offiziell erlaubtes
Schnellfahren die Drautalautobahn sicherer machen und die Umwelt
weniger belasten wird, kann niemand ernstlich behaupten.
Warum das Exklusivrecht, in Österreich als Testlabor für
Bleifußpiloten herhalten zu müssen, angesichts der objektiven
Begleitumstände gerade Kärnten getroffen hat, darüber darf gerätselt
werden. Es wird ja wohl nicht daran gelegen sein, dass ein
BZÖ-Minister bei einem BZÖ-Landeshauptmann den wenigsten Widerstand
für seine Pläne erwartet hat?
Rätselhaft bleibt auch, warum der für Tempo 160 eingesetzte Aufwand
an Mitteln und Gehirnschmalz nicht verwendet wird, um dem permanenten
Rechtsbruch auf den Straßen endlich Einhalt zu gebieten. Auf diesen
kann gerast werden, es kann gedrängelt werden, es können
Geschwindigkeitsbeschränkungen negiert werden. Kurzum: Es herrscht
nahezu gesetzesfreier Raum, weil die Exekutive personell und
materiell nicht in der Lage ist, möglichen Tätern zu vermitteln, dass
sie mit Konsequenzen für ihr Tun zu rechnen haben.
Die Polizei für ihre notwendige Kontrolltätigkeit besser auszustatten
wäre allemal sinnvoller und verantwortungsbewusster, als mit
scheinbar populären Maßnahmen auf ein paar Stimmprozente zu hoffen.
Angesichts dessen ist Hubert Gorbach zu empfehlen, mit Tempo 160
abzufahren. Möge er den Rausch der Geschwindigkeit doch bei der
Bodensee-Schifffahrt ausprobieren, für die er nach seinem politischen
Leben ohnehin tätig sein möchte.****
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