• 24.11.2005, 10:00:00
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Fonds Gesundes Österreich: Alkohol ist Österreichs Volksdroge Nummer 1

Alkohol weltweit für ähnlich hohe Gesundheitsbelastungen verantwortlich wie Tabak oder Bluthochdruck - ExpertInnen beraten bei Wiener Tagung Präventionsstrategien

Wien (OTS) - "Mit dem Alkohol hat der Mensch eine Essenz gefunden,
die imstande ist, Körper und Geist zu beflügeln. Aber auch, ihn in
beängstigende Tiefen abstürzen zu lassen - und andere mit ihm zu
reißen", mit diesen treffenden Worten eröffnet Präsident Fredy Mayer,
erster stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums des Fonds
Gesundes Österreich die 7. Österreichische Präventionstagung.

"Alkohol gehört in Österreich zum gesellschaftlichen Alltag. Bier,
Wein und Schnäpse sind zwar Teil unserer Kultur, allerdings sind die
Grenzen zwischen Genuss, Missbrauch und Abhängigkeit oft fließend",
sagt der Geschäftsführer des Fonds Gesundes Österreich Dennis Beck.
"Problematischer Alkoholkonsum betrifft alle Lebensbereiche und kann
zu zahlreichen körperlichen, seelischen und sozialen
Beeinträchtigungen führen. Er zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren
für Morbidität und Mortalität und ist schon deshalb
gesundheitspolitisch höchst relevant". Grund genug für den Fonds
Gesundes Österreich, die heute in Wien startende Präventionstagung
dem Thema Alkohol zu widmen.

Denn auch hierzulande ist Alkohol neben Tabak die Volksdroge
Nummer 1: "Einen problematischen Alkoholkonsum haben 21 Prozent der
Männer und sieben Prozent der Frauen, also 870.000 Personen", rechnet
Univ.-Prof. Prim. Dr. Michael Musalek, Leiter des Anton Proksch
Instituts, vor. "Und rund fünf Prozent der Bevölkerung, also 330.000
Menschen, sind als alkoholabhängig einzustufen".

Häufig unterschätzt: Konsum mit Todesfolgen

Was häufig unterschätzt wird: Krügel, Achtel & Co sind nicht nur
eine Volks-, sondern auch eine regelrechte Todesdroge. Die
Lebenserwartung von Alkoholabhängigen ist gegenüber der
Durchschnittsbevölkerung um 20 Jahre reduziert. Bis zu 20 Prozent
aller Todesfälle gingen in manchen Ländern auf das Konto von mehr
oder weniger hochprozentigen Getränken, berichtete das britische
Wissenschaftsjournal "Nature". Alkohol löst, so eine andere
internationale Studie, weltweit ein ähnliches Maß an Todesfällen oder
gesundheitlichen Beeinträchtigungen aus wie Tabak oder Bluthochdruck
und wird mit 60 Krankheiten in einen direkten Zusammenhang gebracht,
darunter Brustkrebs und koronare Herzerkrankungen.

"Von allen PatientInnen, die in ein Allgemeinkrankenhaus
eingewiesen werden, weisen etwa 29 Prozent der Männer und neun
Prozent der Frauen eine alkoholassoziierte Erkrankung innerer Organe
auf", referiert Prof. Dr. Manfred Singer, Leiter der II.
Medizinischen Universitätsklinik in Mannheim, bei der Tagung des
Fonds Gesundes Österreich das Ergebnis internationaler Studien.

Mythos Gesunder Alkohol

Deshalb sei auch größte Vorsicht angebracht, was populäre
Meldungen über die angeblich gesundheitsfördernde Wirkung von Alkohol
angeht, warnen ExpertInnen bei der aktuellen Konferenz in Wien. "Es
ist immer zu bedenken, dass eine moderate Dosis von Alkohol zwar
allenfalls gut für die Kardioprotektion sein kann, zugleich aber
negative Auswirkungen auf andere Organe hat", so Prof. Singer.

"Fest steht, Alkohol ist viel schädlicher als früher angenommen",
so der Mannheimer Experte. "Für den Einzelnen kann daher nur die
Erkenntnis hilfreich sein: Das Trinken von Alkohol ist selbst in
moderaten Mengen mit einem Gesundheitsrisiko verbunden."

Hohe Preise schrecken ab - wenig Mut zu Prävention

"Insgesamt zeigt sich, dass in allen Regionen mit relativ hohem
Alkoholkonsum Besteuerung die kosteneffektivste Maßnahme zur
Verminderung alkoholbedingter Schäden ist", sagt Prof. Dr. Jürgen
Rehm, in Zürich und Toronto tätiger Suchtforscher und einer der
hochkarätigen ReferentInnen bei der Tagung des Fonds Gesundes
Österreich. In einer im Fachjournal Lancet veröffentlichten Studie
rechnete der Forscher gemeinsam mit Kollegen aus Schweden und Kanada
vor, dass eine zehnprozentige Verteuerung der britischen
Alkoholpreise die Sterblichkeit aufgrund von Zirrhose bei Männern um
sieben und bei Frauen um 8,3 Prozent senken würde. Andere Todesfälle,
die sich auf Alkohol zurückführen lassen, gehen sogar um knapp 19
Prozent bei Männern und mehr als 37,8 Prozent der Frauen zurück.

Allerdings würde die Politik trotz solcher Einsichten oft wenig
Mut beweisen, bedauert der Schweizer Experte. "Es scheint so, dass
alkoholpolitische Maßnahmen oft umso populärer sind, je weniger
wirksam sie sich für die Schadensreduktion erweisen." Aber nicht nur
Steuern und Verbote, sondern auch andere Aspekte halten ExpertInnen
für wichtig: "Es gilt nach alternativen Formen der
Gesundheitsförderung und Prävention Ausschau zu halten, nach Formen
die den, mit dem Alkoholkonsum verbundenen sozialen Bedürfnissen der
Einzelnen Rechnung tragen und damit gesundheitsfördernd wirken", so
Univ.-Prof. Dr. Irmgard Eisenbach-Stangl vom Europäischen Zentrum für
Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung in Wien.

Pressefotos der Veranstaltung stehen am 24. November ab ca. 12:00
auf www.fgoe.org zum download bereit.

Rückfragehinweis:

Dr. Birgit Kofler
   Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH
   Tel.: 01/3194378-0
   mailto:office@bkkommunikation.at 
   
   Mag. Markus Mikl
   Fonds Gesundes Österreich
   Tel.: 01/8950400-16
   mailto:Markus.mikl@fgoe.org
   www.fgoe.org

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