"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Neidgenossen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 24.11.2005

Wien (OTS) - Knapp 165.000 Euro sind viel Geld: Es ist gut das Siebenfache eines österreichischen Durchschnittseinkommens und das Jahresgehalt von Jörg Schörghofer, Spitzenmanager in der Sozialversicherung und Geschäftsführer der Gesellschaft, die die e-Card in Österreich eingeführt hat.
Das just die Wiener Ärztekammer in diesem Zusammenhang "Millionenverträge" anprangert (man rechnet dort offenbar noch in Schilling) und von Pfründen sowie Gagenrittern spricht, ist pikant. Unter ihren Mitgliedern dürften etliche deutlich mehr verdienen als die Spitzenmanager der Sozialversicherung. Aber Neid und Missgunst sind nun einmal zutiefst österreichische Eigenschaften.
Bedenklich ist allerdings das Zustandekommen der Topgage: Da wurde mit Vordienstzeiten und Prämien jongliert und das Einkommen zwischen Hauptverband und e-Card-Gesellschaft gesplittet, um eine günstigere Optik - sprich: ein scheinbar niedrigeres Gehalt - zu erreichen. Misstrauisch stimmt auch, dass der Generalsekretär des VP-Wirtschaftsbundes blitzartig zur Verteidigung Schörghofers ausgeritten ist. Das spricht für eine politische Besetzung. Trotzdem gilt: Entweder ist ein Manager tüchtig, dann soll man ihn auch gut bezahlen. Oder er ist sein Geld nicht wert. Dann gehört er schleunigst ausgetauscht.

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