ÖPNV: Beim Bus sind Fahrgaststeigerungen bis zu 30 Prozent möglich

Bringen Vergabeverfahren das, was sie kosten?

Wien (OTS) - Öffentlicher Verkehr soll attraktiv, kostengünstig und möglichst für alle verfügbar sein. Neben höheren Finanzmitteln wird oft auch verstärkter Wettbewerb als Schlüssel zum Erfolg gesehen. Dr. Axel Sondermann (Deutsche Bahn) und André Burri (Postauto Schweiz) sprachen auf Einladung des Postbus in Wien über ihre Erfahrungen mit Ausschreibungsverfahren in unseren Nachbarländern.

Die beste Möglichkeit, mehr Autofahrer zum Umstieg auf Bus und Schiene zu bewegen ist, den Öffentlichen Personenverkehr laufend attraktiver zu gestalten. Darin waren sich die ÖPNV-Vertreter aus Deutschland, der Schweiz und Österreich anlässlich eines gestrigen Pressegesprächs in Wien einig. Die von Verbünden und Verkehrsunternehmen laufend geplanten Verbesserungsmaßnahmen benötigen jedoch auch zusätzliche Mittel, um realisiert werden zu können. Postbus-Geschäftsführer Paul Frey begrüßt daher die von Staatssekretär Kukacka für das Jahr 2006 in Aussicht gestellte Erhöhung der Bestellerförderung auf 30 Millionen Euro. Annähernd 100 Projekte lägen laut Frey bereits fertig in der Schublade und würden auch eine optimale Abstimmung zwischen Schiene und Bus beinhalten -darunter wichtige Ausbaumaßnahmen im Süden Wiens. Frey erwartet bei erfolgreicher Realisierung eine Steigerung der Fahrgastzahlen im Busverkehr von bis zu 30 Prozent.

Kein Licht ohne Schatten

Laut Frey sei die Erhöhung der Bestellerförderung umso wichtiger, als die bereits im Parlament eingebrachte KflG-Novelle eine drastische Verschärfung des Wettbewerbs für den Postbus mit sich bringe. Diese sieht neben der Verkürzung der Laufzeiten für Konzessionen auf maximal acht Jahre auch verpflichtende Vergaberechtsverfahren im gemeinwirtschaftlichen Bereich vor. Die ÖBB-Postbus GmbH hätte jedoch auf Grund ihrer Personalstruktur bei der Erbringung von Verkehrsleistungen nicht die gleichen Chancen wie Private.

Vergabeverfahren erfordern Zeit und erhöhen die Kosten

In der Schweiz besteht bereits jetzt in manchen Kantonen die Verpflichtung zur Ausschreibung von Konzessionen. Wie André Burri eindrucksvoll belegte, steigen jedoch dadurch die Gesamtkosten beträchtlich - sowohl für Besteller, als auch für Bieter. Das Vergabeverfahren im Wiggertal (11 Linien, 17 Fahrzeuge) dauerte dreieinhalb Jahre und verursachte auf Bestellerseite Kosten zwischen 130.000 und 180.000 Euro. Die Ausgaben für PostAuto beliefen sich auf ca. 50.000 Euro. Geht man davon aus, dass sich im Schnitt drei Bieter an einem Vergabeverfahren beteiligen, kommt man auf Gesamtkosten von 300.000 Euro. Geld, das für die Erbringung von Verkehrsdienstleistungen fehlt. Gegen "Lohnkutscher-Ausschreibungen" spricht sich auch Axel Sondermann aus. Er befürwortet jedoch offene, wettbewerbliche und nicht diskriminierende Vergabeverfahren im gemeinwirtschaftlichen Bereich.

Wachstumschancen in Mittel- und Osteuropa

Frey sieht Wachstumschancen für den Postbus vor allem durch Unternehmenszukäufe und hier vor allem in Mittel- und Osteuropa. Mit der Übernahme des tschechischen Busunternehmens CSAD Budweis etwa gäbe es nicht nur eine erste erfolgreiche Auslandsbeteiligung, sondern auch erfolgreiche grenzüberschreitende Linienverkehre zwischen Oberösterreich und Tschechien. Neben Pendlern profitiert auch der wachsende Tourismusverkehr von zwölf neuen Busverbindungen. Weitere Akquisitionen im In- und Ausland würden derzeit geprüft, seien aber noch nicht spruchreif, so Frey abschließend.

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