Tumpel warnt vor "weniger Staat" bei der Bildung

Eröffnung des Alfred-Dallinger-Symposiums in der AK Wien - Tumpel verlangt mehr öffentliche Investitionen in Bildung und Ausbildung

Wien (OTS) - Vor dem Rückzug des Staates aus Bildung und
Ausbildung warnt AK Präsident Herbert Tumpel beim Alfred-Dallinger-Symposium in der AK Wien. Thema des Symposiums ist "Bildung zwischen Staat und Markt". Tumpel beobachtet eine "schleichende Privatisierung" von Bildungsleistungen in Österreich:
Die Kürzungen im Bildungsbudget haben weniger Förderunterricht gebracht, quer durch alle Schultypen muss fast die Hälfte der Eltern nach der Schule zu Hause mit den Kindern lernen, die Kosten für private Nachhilfe explodieren. "Steigende private Leistungen und Ausgaben für Bildung benachteiligen gerade jene, die weniger verdienen", sagt Tumpel, "und sinkende Chancen bei der Bildung bedeuten wiederum, dass Österreich international ins Hintertreffen gerät." Tumpel verlangt mehr öffentliche Investitionen in Bildung und Ausbildung: "Das wäre auch klug. Wir wissen aus Studien, dass die Steuerleistungen eines Menschen umso höher sind, je besser er oder sie ausgebildet wurde."

"Noch ist Bildung in Österreich eine öffentliche Grundleistung", sagt Tumpel, "ich halte es für gefährlich für die Menschen und für die Wirtschaft, wenn Bildung von einer öffentlichen Aufgabe in eine Privatsache umgewandelt wird." Schon jetzt trage unser Bildungssystem zu wenig dazu bei, auf vorhandene Stärken einzugehen, sie auszubauen und dringend benötigte Innovationskräfte zu entwickeln. Derzeit gibt es in Österreich in der Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren um 100.000 Menschen weniger als noch vor 20 Jahren - trotzdem hat gleich ein Fünftel dieser jungen Menschen nur die Pflichtschule abgeschlossen. Und der internationale Schulvergleich PISA ergab, dass ein Fünftel der 15- bis 16-Jährigen nur sehr schlecht bis gar nicht lesen und rechnen kann. "Da können wir uns weniger Staat in der Bildung gar nicht leisten", sagt Tumpel.

Tumpel kritisiert die Folgen des "schleichenden Rückzugs" des Staates aus der Bildung in Österreich. Eine Folge der Kürzungen im Bildungsbereich ist, dass Kinder von Eltern mit geringerem Einkommen nach der Volksschule häufiger in die Hauptschule gehen, als es ihrem Anteil an der jeweiligen Altersgruppe entspricht. "Alle brauchen gleich gute Chancen auf Bildung", sagt Tumpel, "dafür muss der Staat sorgen, dafür verlange ich endlich mehr öffentliche Investitionen in Bildung und Ausbildung." Das wäre letztlich auch klug: Pro zusätzlichem Jahr Bildung können SchülerInnen und StudentInnen in Österreich im Durchschnitt mit 6 bis 8 Prozent mehr Nettolohn rechnen, zeigen Studien. Noch höher ist allerdings der "Gewinn" für den Staat: Jedes zusätzliche Ausbildungsjahr bringt pro Person 7 bis 9 Prozent mehr Steuerleistung.

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