• 21.11.2005, 11:38:53
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Tumpel warnt vor "weniger Staat" bei der Bildung

Eröffnung des Alfred-Dallinger-Symposiums in der AK Wien - Tumpel verlangt mehr öffentliche Investitionen in Bildung und Ausbildung

Wien (OTS) - Vor dem Rückzug des Staates aus Bildung und
Ausbildung warnt AK Präsident Herbert Tumpel beim
Alfred-Dallinger-Symposium in der AK Wien. Thema des Symposiums ist
"Bildung zwischen Staat und Markt". Tumpel beobachtet eine
"schleichende Privatisierung" von Bildungsleistungen in Österreich:
Die Kürzungen im Bildungsbudget haben weniger Förderunterricht
gebracht, quer durch alle Schultypen muss fast die Hälfte der Eltern
nach der Schule zu Hause mit den Kindern lernen, die Kosten für
private Nachhilfe explodieren. "Steigende private Leistungen und
Ausgaben für Bildung benachteiligen gerade jene, die weniger
verdienen", sagt Tumpel, "und sinkende Chancen bei der Bildung
bedeuten wiederum, dass Österreich international ins Hintertreffen
gerät." Tumpel verlangt mehr öffentliche Investitionen in Bildung und
Ausbildung: "Das wäre auch klug. Wir wissen aus Studien, dass die
Steuerleistungen eines Menschen umso höher sind, je besser er oder
sie ausgebildet wurde."

"Noch ist Bildung in Österreich eine öffentliche Grundleistung",
sagt Tumpel, "ich halte es für gefährlich für die Menschen und für
die Wirtschaft, wenn Bildung von einer öffentlichen Aufgabe in eine
Privatsache umgewandelt wird." Schon jetzt trage unser Bildungssystem
zu wenig dazu bei, auf vorhandene Stärken einzugehen, sie auszubauen
und dringend benötigte Innovationskräfte zu entwickeln. Derzeit gibt
es in Österreich in der Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren um
100.000 Menschen weniger als noch vor 20 Jahren - trotzdem hat gleich
ein Fünftel dieser jungen Menschen nur die Pflichtschule
abgeschlossen. Und der internationale Schulvergleich PISA ergab, dass
ein Fünftel der 15- bis 16-Jährigen nur sehr schlecht bis gar nicht
lesen und rechnen kann. "Da können wir uns weniger Staat in der
Bildung gar nicht leisten", sagt Tumpel.

Tumpel kritisiert die Folgen des "schleichenden Rückzugs" des
Staates aus der Bildung in Österreich. Eine Folge der Kürzungen im
Bildungsbereich ist, dass Kinder von Eltern mit geringerem Einkommen
nach der Volksschule häufiger in die Hauptschule gehen, als es ihrem
Anteil an der jeweiligen Altersgruppe entspricht. "Alle brauchen
gleich gute Chancen auf Bildung", sagt Tumpel, "dafür muss der Staat
sorgen, dafür verlange ich endlich mehr öffentliche Investitionen in
Bildung und Ausbildung." Das wäre letztlich auch klug: Pro
zusätzlichem Jahr Bildung können SchülerInnen und StudentInnen in
Österreich im Durchschnitt mit 6 bis 8 Prozent mehr Nettolohn
rechnen, zeigen Studien. Noch höher ist allerdings der "Gewinn" für
den Staat: Jedes zusätzliche Ausbildungsjahr bringt pro Person 7 bis
9 Prozent mehr Steuerleistung.

Rückfragehinweis:
Peter Mitterhuber
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43-1) 501 65-2347
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at

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