- 20.11.2005, 09:00:00
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"trend": Abkehr von Eliteuniversität
Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa spricht sich gegen das aktuelle Konzept eines Spitzenforschungsinstituts aus, Forschungs-Staatssekretär Mainoni ebenfalls "skeptisch"
Wien (OTS) - Der Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa (ÖVP)
spricht sich in einem Interview mit dem am Dienstag erscheinenden
Wirtschaftsmagazin "trend" gegen den Bau einer Eliteuniversität bzw.
eines Eliteinstituts aus. "Ich bin für eine Eliteuniversität, aber in
Form einer virtuellen Universität. Man sollte alle Institute, die
Exzellenz aufweisen, zusammenfassen, eine eigene Organisation
aufbauen, aber kein eigenes Gebäude bauen."
Van Staa widerspricht damit direkt dem von Bildungsministerin
Elisabeth Gehrer (ÖVP bzw. dem Quantenphysiker Anton Zeilinger
forcierten Projekt des "Austrian Institute of Advanced Science and
Technology".
Gegen dieses Konzept spreche "das Kosten- und auch das
Kapazitätsargument. Es geht doch darum, nicht eine neue Einrichtung
zu bauen, die dann in Konkurrenz zu den bestehenden Universitäten
steht", sagt der Tiroler Landeshauptmann, der davor warnt, einen
"Gebäudekomplex" zu errichten, denn: "man sollte nicht alle
verfügbaren Ressourcen in die Hardware hineinstecken."
Laut "trend" ist die Finanzierung des Projekts bislang ungeklärt,
Mäzene sind außer Sichtweite. Die Industriellenvereinigung (IV) als
potenzieller Mitträger steht dem Konzept skeptisch gegenüber. Der
zuständige Sprecher der IV, Gerhard Riemer, verlangt, dass "die Ziele
und die inhaltliche Gestaltung des Instituts noch zu präzisieren"
seien, "so wie es sich jetzt darstellt, wird’s nicht reichen."
Vorstellbar sei bestenfalls eine "Anschubfinanzierung", so Riemer,
der Zeitpunkt sei aber derzeit "nicht optimal, da die budgetäre Lage
die Sache nicht erleichtert."
Ungenannten Quellen zufolge wolle der grundsätzlich interessierte
Wiener Bürgermeister Michael Häupl auch nicht die Unterschrift unter
das Projekt leisten, da er die vom Ministerium für die Sanierung der
Universitäten zugesagten Gelder für nicht ausreichend hält.
Auch der Koalitionspartner BZÖ rückt vom geplanten Starttermin am
1. Oktober 2006, noch vor den Nationalratswahlen, deutlich ab.
Eduard Mainoni, für Forschung zuständiger Staatssekretär im
Infrastrukturministerium: "Was den Eröffnungszeitpunkt 1. Oktober
2006 betrifft, bin ich skeptisch", sagt er im "trend". "Man sollte
sich nicht drängeln lassen. Ein zu kleines Institut kostet auch viel
Geld und der Erfolg ist unsicher. Man hat nichts davon, ein Institut
zu errichten, das international nicht akzeptiert wird und nur Geld
kostet."
Rückfragehinweis:
trend Redaktion
Tel.: (01) 534 70/3402
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