• 18.11.2005, 16:03:01
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AK-Dinkhauser: Tirol muss Gas geben!

AK-Vollversammlung im Zeichen erschreckend hoher Tiroler Arbeitslosenzahlen

Innsbruck (OTS) - Ganz im Zeichen der erschreckend hohen
Arbeitslosenzahlen stand die 145. Vollversammlung der AK Tirol. In
seiner Rede vor dem 70köpfigen Parlament der Arbeitnehmer wies
Arbeiterkammer-Präsident Fritz Dinkhauser auf die bedenkliche
Entwicklung in Tirol hin: Mit Stand Ende Oktober gab es in Tirol
21.512 vorgemerkte Arbeitslose, was einer Quote von 7,3 Prozent
entspricht. Dazu kommen noch knapp 2.000 Personen, die sich in
Umschulung befinden.

Tirol braucht Mutmacher
Ich appelliere vor allem an die verantwortungsvollen Unternehmer und
Wirtschaftsverantwortlichen. Wir müssen den Menschen im Land wieder
Mut machen, statt sie permanent niederzumachen. Das sind die
schlimmsten Signale, wenn die Beschäftigten nur noch als Kostenfaktor
gesehen werden, nur von Lohnnebenkosten, Rationalisierungsprogrammen
und Abwanderungsplänen die Rede ist, so der AK-Präsident. "Tirol muss
jetzt Gas geben! Brauchen jetzt eine Offensive für mehr Innovation
und für mehr Beschäftigung!"
Tirol braucht eine Wirtschaftspolitik, die den Arbeitsmarkt
ankurbelt, eine Steuerpolitik, die die Kaufkraft stärkt, eine
Arbeitsmarktpolitik, die den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
wieder mehr Chancen gibt. Und was wir alle brauchen ist mehr
Menschlichkeit und soziales Empfinden. Wir müssen unserer Bevölkerung
Schutz und Heimat bieten, denn ihr Einsatz und ihre Leistung sind das
eigentliche Kapital des Landes.

Arbeitslos darf nicht hoffnungslos sein
Aufgrund besorgniserregender Arbeitsplatzdaten fordert die AK Tirol
das Land auf, im Rahmen einer Beschäftigungsoffensive neue
Prioritäten im Landesbudget zu setzen. Insbesondere verlangt die AK
Tirol: Die Einrichtung einer Landesarbeitsstiftung, in dem das Land
gemeinsam mit den Sozialpartnern konzentrierte Hilfe für diejenigen
anbieten kann, die ohne Arbeit sind, damit sie beruflich wieder Fuß
fassen können. Eingerichtet sollte diese Stiftung bei der
Arbeitsmarktgesellschaft Tirol werden. Ein
Betriebsansiedelungskonzept für die einzelnen Bezirke und Regionen
des Landes. Neue Ausbildungsmodelle für die Jungen. Die Erarbeitung
eines "Zukunftskonzepts Tirol" mit der Positionierung, Fokussierung
und Verstärkung eines neuen Profils als Handwerks- und
Kunsthandwerksland in Europa, ergänzt mit technischen Innovationen.
Damit verbunden soll auch eine Clusterbildung wichtiger
Handwerksbetriebe in Tirol stehen, um die Konkurrenzfähigkeit im
EU-Raum zu stärken. Eine stärkere Vernetzung mit Bayern,
Baden-Württemberg, Lombardei, dem Trentino und Südtirol, um
wirtschaftliche Synergien stärker zu nutzen.
Wir müssen neue Prioritäten im Landesbudget setzen, um diese
Betroffenen möglichst rasch wieder in Beschäftigung zu bringen. Wir
brauchen dringend neue Leitbetriebe, vor allem in den
strukturschwachen Regionen. Dazu wäre eine
Betriebsansiedelungsgesellschaft ein ideales Instrument, um aktiv
neue Firmen ins Land zu holen. Vom Zuwarten auf eine bessere
Konjunktur, einen plötzlichen Wirtschaftsaufschwung oder auf einen
weißen Winter werden unsere Arbeitsplatz-sorgen nicht gelöst.
Modell Gemeinwohlarbeit für Tirol
Unverschuldete Arbeitslosigkeit bedeutet die größte
volkswirtschaftliche Verschwendung und bedeutet für die Betroffenen
schleichenden gesellschaftlichen Tod, sagte Dinkhauser. Deshalb
erarbeitet die AK derzeit das Modell einer Gemeinwohlarbeit für Tirol
nach dem Motto: Es darf niemand ohne Beschäftigung sein, es geht um
die rechtzeitige Integration in die Arbeitswelt durch
Brückenarbeitsplätze, die niemand die Arbeit wegnehmen, jedoch
derzeit für die Gesellschaft nicht ausreichend erbracht werden.
Dinkhauser: "Wir brauchen solche ergänzenden arbeitsmarktpolitischen
Instrumente. Jene Region, die diesen so genannten zweiten
Arbeitsmarkt am raschesten zu mobilisieren imstande ist, wird die
Nase vorne haben."

Angst vor der Zukunft
Ein immer ernsteres Problem ortete der AK-Präsident auch in der stark
zunehmenden Zukunftsangst der Tiroler Beschäftigten. Drei von vier
Personen trauen bereits dem System der staatlichen Vorsorge nicht
mehr. Auch die gesicherte Zukunft der Kinder und die
Gesundheitsvorsorge beschäftigen die Bevölkerung.
Die Junge fürchten sich vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und wie
sie mit ihrem Geld auskommen. Frauen beschäftigt vor allem die
Gesundheitsvorsorge, die eventuelle Erhöhung des Pensionsalters und
die Sicherung des Wohlstandes. Gravierende Zukunftssorgen sind ein
schlechtes wirtschaftspolitisches Signal. Der private Konsum ist
einer der wesentlichen Wirtschaftsmotoren. 60 Prozent der Konjunktur
entfällt auf den Privatkonsum. Angstsparen, die zweitniedrigsten
Einkommen und hohe Lebenshaltungskosten sowie Angst vor
Arbeitsplatzverlust und die Pension schlagen negativ zu Buche.
Nicht billiger sondern besser werden
Nicht über den Preis können wir konkurrenzfähig werden, sondern über
die Qualität der Mitarbeiter und damit der Produkte. Wer niedrige
Arbeitskosten von Billiglohnländern nachahmenswert findet, wird schon
bald auch deren niedrigeren Lebensstandard in Kauf nehmen müssen. Wer
sich über die Arbeitskosten Vorteile erwartet, denkt in gefährlicher
Weise kurzsichtig. Schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne
schwächen die Kaufkraft und damit den Konsum. So wird ein tödlicher
Kreislauf in Gang gesetzt, der die Betriebe noch mehr schwächt und
noch mehr Arbeitslose produziert.
Als weitere Schwerpunkte einer zukunftsorientierten Landespolitik für
die Menschen in Tirol nannte der AK-Präsident vor allem die Bereiche
Bildung, Wohnen, Pendeln und Kinderbetreuung.

Rückfragehinweis:
Kammer für Arbeiter und Angestellte für Tirol
Pressestelle
Dr. Elmar Schiffkorn
Tel: 0512/5340 - 1280
mailto:[email protected]

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