- 18.11.2005, 09:27:18
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PWM-Wissensgespräch Osteuropa: Wissenstransfer in Konzernen
Einbahnstraße oder Gegenverkehr?
Wien (OTS) - Die Plattform Wissensmanagement veranstaltete vor
wenigen Tagen das zweite PWM-Wissensgespräch zum Thema "Osteuropa:
Wissenstransfer in Konzernen. Einbahnstraße oder Gegenverkehr?" in
der Hauptbücherei der Stadt Wien. Karin Brunnmayr-Grüneis, Managing
Director der OMV Solutions, Klaus Stadlbauer, stellvertretender
Geschäftsführer der mobilkom austria group services GmbH und Richard
Pircher vom Zentrum für Wissens- und Informationsmanagement der
Donau-Universität Krems und Leiter des Master-Studiengangs
Wissensmanagement, diskutierten vor über 50 Interessierten über
Wissensaustausch bei Unternehmenserweiterungen in den zentral- und
denosteuropäischen Raum. Dabei ging es auch um die Frage, inwieweit
konzernweite Wissenssynergien als neue Herausforderung wahrgenommen
und genutzt werden.
Die Plattform Wissensmanagement (PWM), die vom
Wissenschaftszentrum Wien, der Stadt Wien und dem Softwareentwickler
moresophy als Partner unterstützt wird, hatte am 14. November 2005
zum PWM-Wissensgespräch in die Hauptbücherei der Stadt Wien
eingeladen.
Einigkeit herrscht an diesem Abend bezüglich vieler
Voraussetzungen im Human Resource Bereich und im Wissensmanagement,
die für eine erfolgreiche Ost-Expansion von Unternehmen gelten.
Für Brunnmayr-Grüneis ist die Haltung der entsandten
Mitarbeiter/innen zentral: "Wir müssen bei den Tiefenstrukturen
ansetzen und z.B. Führungskräfte vorbereiten, mit der richtigen
Attitüde ins Ausland zu gehen." Wissen werde nur auf Basis von
persönlicher Begegnung und Vertrauen weiter gegeben und
Überheblichkeit verhindere jegliche Kommunikation. Die OMV habe
bezüglich persönlicher Einstellung der Mitarbeiter/innen und
Bewusstseinbildung für kulturelle Unterschiede schon viel getan, aber
man müsse weiter dran bleiben.
Stadlbauer betonte, dass es bei Unternehmensgründungen oder
-übernahmen für die mobilkom austria wesentlich sei, Wissenssynergien
zu nutzen: "Es gibt hier einen sehr starken Gegenverkehr,". Als
Paradebeispiel für den funktionierenden Wissensrückfluss nennt er
mobile parking - die Parkscheinverwaltung per SMS - das 2001 in
Zagreb eingeführt und bereits ein Jahr später in Österreich etabliert
wurde.
Pircher berichtete von den Erfahrungen, die Unternehmen im Laufe
der vergangenen 20 Jahre in Osteuropa gemacht haben. Diese
Erfahrungen hatte er in einer Studie zu Wissensmanagement-Maßnahmen
in Konzernen gesammelt. Diese seien bei den Pionieren, die in den
80er Jahren den Osten als Wachstumsgebiet erkundeten, ganz andere
gewesen als zehn Jahre später. "Damals waren die Kontakte zu
Zulieferern wegen der niedrigeren Lohnkosten Thema Nummer Eins.
Aussichtsreiche Märkte gab es keine." Mitarbeiter/innen seien auf
Factfinding-Missionen zu Infrastruktur, Personalressourcen und
Zustand der Fabriken geschickt worden.
Nach dem Wissensaufbau über die betreffenden Länder stand der
Transfer des prozessorientierten Wissens aus Österreich im
Vordergrund, wodurch die Produktivität teilweise enorm gesteigert
wurde. Systematische Wissensmanagement-Maßnahmen sind für Pircher
potentielle Erfolgsfaktoren, die von Managern häufig noch nicht wahr
genommen werden.
Brunnmayr wies darauf hin, dass Wissensmanagement (WM) am
Explorationsort z.B. bei der Petrom in Rumänien gelebt wird: "Man
kann den Austausch impliziten Wissens am Bohrloch gar nicht
verhindern." Im Gegensatz zu diesen konzernweit eng vernetzten
communities of practice fließt Wissen aber dort, wo es abstrakter
wird, "weiter weg von unserem eigentlichen Business der OMV" und
nicht so leicht. Für sie ist klar: "Wenn bei minus 25 Grad Celsius
ein Problem zu lösen ist, funktioniert der Austausch. Im kuscheligen
Besprechungsraum müssen dafür Parallelsysteme geschaffen werden."
Stadlbauer bestätigt dies: "Wissen freiwillig preis zu geben,
ist nach wie vor die Barriere." Wissensmanagement-Systeme wie
Datenbanken funktionierten hier nicht, sondern nur die persönliche
Begegnung: "Das Wichtigste ist, die richtigen Leute zusammen zu
bringen und dazu zu bewegen sich auszutauschen."
Für einen weltweit funktionierenden Knowhowtransfer erachten es
die WM-Experten als sinnvoll, Communities zu "bauen". Brunnmayr
relativiert aber die Machbarkeit: "Das wäre wünschenswert, aber die
Unternehmenskultur muss dazu reif sein." Problem beim internationalen
Austausch mache auch die Sprachbarriere, weswegen teilweise sogar
e-mails unbeantwortet geblieben seien.
Beziehungsprobleme im Konzern
Um die Beziehung der ausländischen Mitarbeiter/innen in einem
speziellen Bereich zum österreichischen Headquarter zu erforschen,
hat die OMV ein Unternehmenstheater in Auftrag gegeben. Das habe
nicht nur die überhebliche Haltung mancher österreichischer
Mitarbeiter/innen gegenüber ihren ausländischen Kolleg/innen
widergespiegelt, sondern auch das sehr ambivalente Verhältnis zur
österreichischen Mutterfirma. Brunnmayr über Theaterstück und
Wirklichkeit: "Die Kolleg/innen wünschen sich mehr und weniger
Unterstützung von uns: Weniger Richtlinien, dafür aber gemeinsame,
gelebte Werte."
Auch mobilkom austria hat Ähnliches erlebt, erzählt Stadlbauer:
"Die bestimmende Haltung aus Wien war anfangs eine klassische
"Headquarter-Attitude". Die Synergien innerhalb der mobilkom austria
group werden mittlerweile von einer eigenen Service-Unit koordiniert.
Die einzelnen Unternehmen der Gruppe agieren damit auf gleicher
Ebene." Lokale Bedürfnisse und Mentalitäten sind akzeptiert. Projekte
werden wenn möglich von einer anderen group company übernommen, aber
nicht immer kann ein Erfolgsrezept beispielsweise aus Kroatien von
den slowenischen Kollegen übernommen werden.
Karrieremarkt Osteuropa?
Als Kriterium für eine rasche Integration übernommener Firmen
hat sich bei der OMV eine ausgewogene Anzahl österreichischer und
ortsansässiger Mitarbeiter/innen erwiesen. Mindestens 50 Prozent des
Managementboards besteht aus Österreicher/innen, lokale Angestellte
garantieren u.a. den Erhalt von Beziehungen im Land. 115 Österreicher
(darunter aber auch einige Kollegen aus OMV Ventures in Ungarn,
Bulgarien oder Pakistan) sind für die OMV in Rumänien tätig. Laut
Brunnmayr werde nach gefestigten, reifen Persönlichkeiten mit sehr
guter Expertise gesucht. Wichtig seien absolute Mobilität und
Sprachkenntnis. Für die Niederlassung in Rumänien wurde unter den
bestehenden Mitarbeitern rekrutiert und die entstandenen Lücken vom
österreichischen Markt nachbesetzt. Wichtig sei aber auch die
Förderung der Reintegration zurückgekehrter Mitarbeiter, die bisher
bei ihren dagebliebenen Kolleg/innen auf wenig Interesse an ihren
Erfahrungen gestoßen sind. Hier besteht für Brunnmayr akuter
Handlungsbedarf, um nicht wertvolles Wissen zu verlieren. "Eine
Plattform ist sinnvoll, um die Heimkehrer zu feiern, sonst finden wir
in Zukunft keine Crew zum Entsenden."
Für Stadlbauer geht das Recruiting über Fach- und Methodenwissen
hinaus. Essentiell für das Profil künftiger Mitarbeiter/innen seien
soziale Fähigkeiten, Belastbarkeit, Konfliktmanagement und
interkulturelle Management-Kompetenzen. Während die Hälfte der
befragten Mitarbeiter von mobilkom austria grundsätzliches Interesse
an einer Auslandstätigkeit zeigen, ist die Bereitschaft für
längerfristige internationale Entsendungen bei weitem noch keine
Selbstverständlichkeit und noch ausbaufähig, auch wenn sie schon
steigt. Zur Gegensteuerung werde versucht, ständigen Kontakt zu den
Mitarbeitern im Ausland zu halten und durch Feedback-Schleifen
rückkehrende Expatriates zu integrieren und Prozessverbesserungen
herauszufiltern. "Wir müssen deren gewaltiges Potential nutzen!"
Im Vergleich konnten die osteuropäischen Kollegen mit
österreichischen Arbeitskräften mithalten: Pircher zeigt sich vom
Fachwissen der osteuropäischen Manager positiv überrascht und
relativiert den vermeintlichen Wissensvorsprung des Westens. Nach dem
Fall des eisernen Vorhangs sei bei den Arbeitskräften zuerst
fehlendes betriebswirtschaftliches Know-how aufgebaut worden.
Mittlerweile seien Leistungsbereitschaft und Karrierebewusstsein
groß. Stadlbauer bestätigte dies. Er stellte nach dem Bürgerkrieg im
ehemaligen Jugoslawien einen Generationensprung fest: Im Unterschied
zu obrigkeitshörigen Älteren ohne Eigeninitiative hätten viele Junge
mit unternehmerischem Denken Kleinunternehmen gegründet. So entstand
ein Pool an dynamischen, jungen Fachkräften. "Die Jungen sind aber
oft weniger loyal zu ihren Unternehmen und lassen sich bei besseren
Gehaltsaussichten viel schneller abwerben," analysiert Brunnmayr den
Unterschied zu oft Jahrzehnte langen Dienstverträgen in Österreich.
Die PWM
Die PWM-Wissensgespräche sollen Interessierten die Möglichkeit
geben, von den Erfahrungen der Experten aus Wissenschaft und Praxis
zu lernen und sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Wissensmanager
der verschiedensten Bereiche profitieren vom gegenseitigen Austausch.
PWM-Veranstaltungen bilden die reale Ebene der Plattform
Wissensmanagement, der mit über 850 Mitgliedern, größten
deutschsprachigen WM-Community. Die PWM wurde 2001 mit dem Ziel
gegründet, das Thema Wissensmanagement in Österreich und dem
angrenzenden deutschsprachigen Raum zu fördern, Interessierten
Überblick zu bieten, Erfahrungsaustausch insbesondere zwischen
Praxis, Wissenschaft und Beratung zu ermöglichen und Impulse zu
setzen. Informationen unter: http://www.pwm.at (Schluss) pwm
Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/ Mag. Andrea Kirschbichler Wissenschaftszentrum Wien Strozzigasse 10/16 1080 Wien Tel.: 01-405 55 38-13 Fax: 01-405 55 38-25 mailto:[email protected] Mag. Daniela Martos, Science Communications Tel +43 1 585 60 69-23, Fax +43 1 585 60 69-12 mailto:[email protected]
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