So steht es um Salzburgs Luft

Raus: Belastung mit Feinstaub und Stickstoff geht geringfügig zurück / Umwelt-Bilanz über aktuelle Veränderungen

Salzburg (OTS) - Die Belastung der Luft mit Feinstaub und
Stickstoff geht im Land Salzburg geringfügig zurück. Gleichzeitig sinken die gesetzlichen Grenzwerte. 800 Salzburger haben ihr mit Diesel betriebenes Auto mit Hilfe des Landes umgerüstet, entlang der neuen 100-km/h-Strecke der Autobahn misst man bessere Luft. Diese Daten legte heute, Freitag, 11. November, Umweltreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Othmar Raus in einem Informationsgespräch vor.

Bereits im April des heurigen Jahres hat die Landesregierung ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Luftqualität, das alle Verursacher einbezieht, beschlossen. Dieses Paket enthält knapp 20 Punkte, mit denen die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Belastung im Land Salzburg verringert werden soll und setzt bei den Hauptverursachern - wie Wärmeenergie-Versorgung, Betriebe und Verkehr - an.

Seit Juni heurigen Jahres wird der Einbau eines Partikel-Katalysators bei privaten Diesel-Pkw mit 300 Euro gefördert. 800 Besitzer von Diesel-Fahrzeugen nahmen die Förderung des Landes bis jetzt in Anspruch und ließen ihre Gebrauchtwagen nachrüsten. Kein anderes Bundesland, in dem es vergleichbare Förderungen gibt, erreichte einen so hohen Anteil. Diese Förderung wird im Jahr 2006 fortgesetzt. Auch der Bund fördert seit Juli 2005 über ein Bonus-Malus-System bei der Normverbrauchsabgabe (NOVA) Partikelfilter bei Neuwagen.

Weiters gibt es Verhandlungen mit der Stadt Salzburg, um die öffentliche Diesel-Busflotte mit Partikelfiltern auszurüsten. Derartige Reinigungssysteme sind relativ teuer, die Kosten liegen bei etwa 10.000 Euro pro Bus. Durch eine gemeinsame Förderung von Land und Stadt soll ein Teil dieser Busflotte umgerüstet werden. Das Land wäre bereit, bis zu 3.000 Euro zu fördern.

Die Anfang April 2005 eingeführte Geschwindigkeits-Beschränkung auf 100 Stundenkilometer auf einem Teilstück der Tauernautobahn zeigt erste Erfolge. Gegenüber dem Vergleichs-Zeitraum 2004 wurde eine achtprozentige Reduktion bei den Stickstoffoxiden erreicht. Dieser Wert liegt im prognostizierten Bereich der Modellrechnung, der mit sieben Prozent angegeben wurde. Eine Reduktion der Stickstoffoxide um sieben Prozent entspricht einer 25-tägigen Gesamtsperre der A10. Mit keiner anderen Einzelmaßnahme kann eine derart große Reduktion erreicht werden. Um auch ausländische Autofahrer besser über das Tempolimit zu informieren, werden zusätzliche Tafeln aufgestellt werden. Landeshauptmann-Stellvertreter Raus kritisiert in diesem Zusammenhang die Bestrebungen, Tempo-160-Strecken auszuweisen, und die jüngsten Beschränkungen im Immissionsgesetz Luft.

Salzburg im europäischen Vergleich

Aus lufthygienischer Sicht stellt die Feinstaub-Belastung europaweit derzeit das größte Problem dar. Die Europäische Kommission hat im Projekt CAFE (Clean Air For Europe) diesen Sach-verhalt in den Mittelpunkt ihrer Umweltstrategie gestellt. Berechnungen zeigen, dass die am höchsten belasteten Regionen die Industriegebiete der oberitalienischen Poebene, Deutschlands, der Niederlande sowie der neuen EU-Länder sind. Auf Grund dieser Überschreitungen der Grenzwerte sind in den Gebieten rigorose Maßnahmen verordnet worden. So gibt es in einigen Städten - wie Mailand, Bozen, Mainz -Fahrverbote für gewisse Fahrzeugkategorien.

Zum Vergleich wurden zum Beispiel in Lissabon 222, in Mailand 177, in Brüssel 153 Tage mit PM10-Überschreitungen registriert (Jahr 2002). Feinstaub wird in der Sprache der Wissenschafter "PM10" genannt, weil die Partikel einen Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer (0,01 mm) haben. Im heurigen Jahr sind im benachbarten München schon 90 Tage mit Überschreitungen gemessen worden. In Salzburg sind es heuer bisher an der am stärksten belasteten Mess-Stelle (Rudolfsplatz) 28.

Die Belastungs-Schwerpunkte in Österreich sind vor allem das Grazer Becken, das Inntal sowie der Osten Österreichs. Diese Gebiete sind einerseits auf Grund der meteorologischen Situation - mit geringem Niederschlag und Inversionen - benachteiligt, andererseits durch Ferntransporte aus den östlichen Nachbarländern beeinflusst.

Belastung in den Salzburger Gebirgsgauen geringer

Im Gegensatz zu den flächenhaften Überschreitungen in den österreichischen Belastungs-Gebieten treten in unserem Land Überschreitungen der Grenzwerte punktuell an verkehrsbelasteten Standorten auf. In Wohngebieten sowie in den Gebirgsgauen ist die Belastung mit Feinstaub deutlich geringer, es wurden auch dort bisher alle Grenzwerte eingehalten. Für dieses relativ niedrige Niveau der Feinstaub-Belastung in Salzburg ist der Salzburger Schnürlregen verantwortlich. In Österreich weisen auch heuer die Grazer Mess-Stellen die höchsten Feinstaub-Konzentrationen auf. So wurden in Graz schon weit mehr als 90 Tage mit Überschreitungen registriert. Auch in Wien wurden ähnlich hohe Belastungen gemessen. In 27 anderen Städten - zum Beispiel Linz, Innsbruck, Klagenfurt, Amstetten, Lienz, Feldkirch - wurde heuer der Grenzwert schon überschritten. Unter diesen 27 Städten ist kein Ort aus Salzburg.

In der EU müssen alle beim Klimaschutz mitwirken

Landeshauptmann-Stellvertreter Raus ist realistisch. Das europaweite Problem der Luftbelastung könne ein Land allein nicht in den Griff bekommen. "Die Kompetenzen des Landes werden nicht ausreichen, um die strengen gesetzlichen Vorgaben in Zukunft einhalten zu können. Vor allem in der Europäischen Union besteht dringender Handlungsbedarf, um nachhaltig die Luftqualität zu verbessern", so Raus. Als Beispiele nannte Raus eine emissions-abhängige Wegekosten-Richtlinie und dem neuesten Stand der Technik entsprechende Abgasnormen für Lkw, Pkw und dem off-road Bereich (Traktoren und Baumaschinen).

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