Geschichtsaufarbeitung der Kirche im Gedankenjahr

Frais: "Positionierung gegen Dollfuß und Austrofaschismus-Diktatur ist wichtiges Signal"

Linz (OTS) - Im Zuge der Diskussion um die Dollfuß-Würdigung in der Linzer Domtür wurde vom Kirchenhistoriker Dr. Helmut Wagner bekannt gegeben, dass auch in zahlreichen anderen katholischen Kirchen und Gebäuden derartige Gedenktafeln angebracht wurden. "Weil die Kirchen als offene Gebäude und Orte der Begegnung auch eine sehr wichtige gesellschaftliche Funktion ausüben, bedarf die offen zugängliche Dollfuß-Würdigung mehr als einer beschreibenden geschichtlichen Erklärung", so Dr. Karl Frais.
"Das Gedankenjahr 2005 wäre der passende Rahmen für den Beginn einer kritischen Geschichtsaufarbeitung der Rolle der katholischen Kirche in der Zeit während der austrofaschistischen Diktatur in Österreich", so der SP-Klubobmann. Davon würde sich auch der Umgang mit Gedenktafeln zu Ehren von Dollfuß ableiten. Als Einstieg in diese Diskussion schlägt Frais ein Treffen zwischen Vertretern der Kirche, der politischen Parteien, der Opfergemeinschaften und Historikern vor. Bis zum 12. Februar 2006, dem Jahrestag des österreichischen Widerstands gegen den Austrofaschismus am 12.02.1934, sollte jedenfalls ein Ergebnis vorliegen, wie mit Gedenktafeln politischer Wertung in der demokratischen Gegenwart seitens der Kirche umgegangen wird.

"Dollfuß war nicht nur Opfer der Nationalsozialisten, sondern auch der Gestalter der austrofaschistischen Diktatur in Österreich und verantwortlich für die schrecklichen Konsequenzen. Unter Bedachtnahme auf den 12.02.1934 und die Verbote von Parteien und Organisationen ist es daher gerade in Linz nicht angemessen, einen Diktator zu würdigen, der für standrechtliche Erschießungen und Morde in dieser Stadt verantwortlich war", betont Frais. In Bezug auf die Dollfuß-Gedenktafel gehe es nicht nur um die Distanzierung, sondern auch um eine aktive Positionierung der heutigen Kirche gegen Diktaturen wie den Austrofaschismus.

Ein wesentlicher Meilenstein in der Aufarbeitung historischer Irrtümer ist bereits durch Kardinal König mit der Schaffung der Äquidistanz der Kirche zu politischen Parteien gesetzt worden. "Im Gedankenjahr 2005 könnte durch die Aufarbeitung der Rolle der Kirche in der Zeit des Austrofaschismus ein weiterer wichtiger Beitrag zur neueren Kirchengeschichte erfolgen. Ich ersuche die verantwortlichen Vertreter der Kirche daher, sich mit dieser Zeit intensiver auseinander zu setzen und eine klare Positionierung zum Austrofaschismus sowie zur Person Dollfuß und zu seiner politischen Verantwortung zu finden. Als respektvolle Geste gegenüber den Opfern des 12.02.1934 sollte diese Positionierung zeitgerecht vor dem nächstjährigen Gedenktag erfolgen", stellt Frais fest.

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SPÖ-Landtagsklub
Mag. Andreas Ortner

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