- 01.11.2005, 08:00:00
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Geschichtsaufarbeitung der Kirche im Gedankenjahr
Frais: "Positionierung gegen Dollfuß und Austrofaschismus-Diktatur ist wichtiges Signal"
Linz (OTS) - Im Zuge der Diskussion um die Dollfuß-Würdigung in
der Linzer Domtür wurde vom Kirchenhistoriker Dr. Helmut Wagner
bekannt gegeben, dass auch in zahlreichen anderen katholischen
Kirchen und Gebäuden derartige Gedenktafeln angebracht wurden. "Weil
die Kirchen als offene Gebäude und Orte der Begegnung auch eine sehr
wichtige gesellschaftliche Funktion ausüben, bedarf die offen
zugängliche Dollfuß-Würdigung mehr als einer beschreibenden
geschichtlichen Erklärung", so Dr. Karl Frais.
"Das Gedankenjahr 2005 wäre der passende Rahmen für den Beginn einer
kritischen Geschichtsaufarbeitung der Rolle der katholischen Kirche
in der Zeit während der austrofaschistischen Diktatur in Österreich",
so der SP-Klubobmann. Davon würde sich auch der Umgang mit
Gedenktafeln zu Ehren von Dollfuß ableiten. Als Einstieg in diese
Diskussion schlägt Frais ein Treffen zwischen Vertretern der Kirche,
der politischen Parteien, der Opfergemeinschaften und Historikern
vor. Bis zum 12. Februar 2006, dem Jahrestag des österreichischen
Widerstands gegen den Austrofaschismus am 12.02.1934, sollte
jedenfalls ein Ergebnis vorliegen, wie mit Gedenktafeln politischer
Wertung in der demokratischen Gegenwart seitens der Kirche umgegangen
wird.
"Dollfuß war nicht nur Opfer der Nationalsozialisten, sondern auch
der Gestalter der austrofaschistischen Diktatur in Österreich und
verantwortlich für die schrecklichen Konsequenzen. Unter Bedachtnahme
auf den 12.02.1934 und die Verbote von Parteien und Organisationen
ist es daher gerade in Linz nicht angemessen, einen Diktator zu
würdigen, der für standrechtliche Erschießungen und Morde in dieser
Stadt verantwortlich war", betont Frais. In Bezug auf die
Dollfuß-Gedenktafel gehe es nicht nur um die Distanzierung, sondern
auch um eine aktive Positionierung der heutigen Kirche gegen
Diktaturen wie den Austrofaschismus.
Ein wesentlicher Meilenstein in der Aufarbeitung historischer
Irrtümer ist bereits durch Kardinal König mit der Schaffung der
Äquidistanz der Kirche zu politischen Parteien gesetzt worden. "Im
Gedankenjahr 2005 könnte durch die Aufarbeitung der Rolle der Kirche
in der Zeit des Austrofaschismus ein weiterer wichtiger Beitrag zur
neueren Kirchengeschichte erfolgen. Ich ersuche die verantwortlichen
Vertreter der Kirche daher, sich mit dieser Zeit intensiver
auseinander zu setzen und eine klare Positionierung zum
Austrofaschismus sowie zur Person Dollfuß und zu seiner politischen
Verantwortung zu finden. Als respektvolle Geste gegenüber den Opfern
des 12.02.1934 sollte diese Positionierung zeitgerecht vor dem
nächstjährigen Gedenktag erfolgen", stellt Frais fest.
Rückfragehinweis:
SPÖ-Landtagsklub
Mag. Andreas Ortner
Tel.: (o732) 7720-11313
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