- 31.10.2005, 20:51:57
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wenn der Fußball nur noch eine reine Nebensache ist" (von August Kuhn)
Ausgabe vom 01.11.2005
Graz (OTS) - Vor etwas mehr als einer Woche haben knapp 500
Polizisten und Sicherheitskräfte gerade gereicht, um das Wiener Derby
Austria gegen Rapid - wenn auch mit einer halbstündigen Verspätung -
zu retten. Sonntagabend, Graz-Liebenau. Der GAK gewinnt das Grazer
Stadtderby gegen den SK Sturm 2:0. Absolut nichts deutet darauf hin,
dass es wenig später, vielleicht einen halben Kilometer vom Stadion
entfernt, zur Eskalation kommen würde. Geschätzte knapp 100
gewaltbereite so genannte Fans sorgten für eine Massenschlägerei, die
von 100 Polizisten mit Mühe eingedämmt werden konnte.
Ein Sittenbild des österreichischen Fußballs? Eher nicht, selbst
Experten meinen, dass Österreich immer noch eine Insel der Seligen
ist - im Vergleich zur Hooligan-Szene etwa in Kroatien, Deutschland,
Italien. Beschönigt sollte die Situation auf keinen Fall werden.
Schon deshalb nicht, weil Österreich (gemeinsam mit der Schweiz) 2008
die Fußball-EM-Endrunde veranstaltet. Was das bedeutet, muss allen
klar sein: Abertausende Fußball-Anhänger, darunter erfahrungsgemäß
auch viele gewalttätige Typen, werden sich auf den Weg Richtung
Österreich machen.
Es kommt also darauf an, wie in unserem Land auf die Tatsache
reagiert wird, dass Fußball für diese Art von Menschen nur reine
Nebensache ist. Die von der Bundesliga bisher ausgesprochenen
Strafen, wenn es in den Stadien zu Krawallen oder wie bei Rapid und
bei der Austria sogar zu Spielabbrüchen gekommen ist, waren
halbherzig, handelte es sich doch um Summen, die von den Präsidenten
mit links bezahlt wurden.
Es musste Dietrich Mateschitz kommen, um zu zeigen, wie es geht. Nach
wochenlangen Diskussionen und zuletzt auch Zusammenstößen mit
Salzburger "Traditionalisten" griff man rigoros durch. Die
Rädelsführer wurden samt "Anhang" mit Stadionverboten in Salzburg
belegt. "Seither", erzählte ein hoher Polizeioffizier in Graz, "wäre
nicht einmal ein Polizist notwendig - es passiert absolut nichts
mehr". Warum das so ist, weiß man inzwischen: Die Salzburger
Hooligans grasen in fremden Revieren. Sonntag gemeinsam mit "Fans"
aus Slowenien in der Grazer Münzgrabenstraße (Seiten 50/51).
Warum andere Klubs bisher mit Stadionverboten gezögert haben, ist
simpel und traurig: Man will auf die paar hundert Euro, die man auch
von dieser Klientel als Eintritt kassieren kann, nicht verzichten.
Salzburg hat das österreichische Hooligan-Problem nicht gelöst. Aber
den einzigen richtigen Schritt gesetzt. ****
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