• 27.10.2005, 20:51:30
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Evangelischer Empfang zum Reformationsfest

Fischer: Protestantische Kritik als Motor des Fortschritts - 40 Jahre Frauenordination

Wien (epdÖ) - Die Reformation steht am Beginn einer
wissenschaftlichen Neuorientierung, weil sie die Kritik zum Motor des
Fortschritts gemacht hat. Das erklärte Bundespräsident Dr. Heinz
Fischer in seiner Festrede beim Empfang zum Reformationsfest, zu dem
die evangelischen Kirchen am Donnerstag in die Wiener Akademie der
Wissenschaften geladen hatten. Zudem habe die Reformation, die "an
der Wiege des Rationalismus" stehe, die "Tendenz zu flachen
Hierarchien" hervorgebracht, sagte der Bundespräsident, der über den
Beitrag des Protestantismus für das moderne Europa referierte.

Sturm: Zur europäischen Erweiterung geistliche Tiefe suchen

Dass die EU-Präsidentschaft Österreichs die Kirchen herausfordere,
zur europäischen Erweiterung "eine geistliche Tiefe zu suchen und
beizutragen", unterstrich der lutherische Bischof Mag. Herwig Sturm
vor den rund 300 Gästen aus Politik, Kirche und Ökumene. Die Frage
einer gerechten Wirtschaft, der Würde von Jungen und Alten angesichts
einer wachsenden Arbeitslosigkeit und die grundsätzlichen Fragen nach
Sinn angesichts der Technisierung von Geburt und Tod sind für den
Bischof zentrale Themen, denen sich die Kirchen zu stellen haben.

Gleichstellung von Frauen hat Kirche menschlicher gemacht

Der mittlerweile schon traditionelle Empfang zum Reformationsfest
stand in diesem Jahr im Zeichen des Jubiläums "40 Jahre
Frauenordination". Als "kostbaren und nicht mehr wegzudenkenden
Gewinn" für beide evangelische Kirchen bezeichnete der reformierte
Landessuperintendent Mag. Wolfram Neumann den Beitrag von Frauen im
geistlichen Amt und dankte "all jenen, die damals nicht resigniert
haben". "Wir sind alle stolz, dass die Generalsynode vor 40 Jahren
die Frauenordination beschlossen hat", sagte die erste verheiratete
Pfarrerin, Mag. Ulrike Frank-Schlamberger. Allerdings hätten
Zugangshürden, wie die jahrzehntelange Bestimmung, dass Pfarrerinnen
unverheiratet sein müssen, den wegweisenden Beschluss wirkungslos
gemacht, bis es vor 25 Jahren zur völligen Gleichstellung kam.
Frank-Schlamberger erinnerte an die Pionierinnen unter den
Theologinnen wie etwa Charlotte Dantine oder Ilse Beyer, die erste
Pfarrerin. Obwohl Frauen als Pfarrerinnen heute "selbstverständlich"
seien, kämen bei öffentlichen Anlässen nach wie vor wenige Frauen zu
Wort, beim Anteil der Frauen in kirchlichen Leitungsämtern sei lange
noch nicht die Hälfte erreicht. Dass die Gleichstellung die
Wahrnehmung geschärft habe, unterstrich Pfarrerin Mag. Gisela Ebmer.
So würden heute auch Männer stärker zu ihren Familien stehen, auf
ihre Grenzen achten und ihre Privatsphäre schützen. Kirche sei
insgesamt dadurch menschlicher geworden, ist die reformierte
Pfarrerin überzeugt.

Verliehen wurde auf dem Reformationsfestempfang auch der
Diakoniepreis 2005, den die Jury dem Evangelischen Kinderhaus der
Diakonie Salzburg zusprach. Mit einem Anerkennungspreis wurde der
Internationale Kinderverein "Projekt Tausendfüßler" ausgezeichnet.

Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at

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