- 21.10.2005, 11:33:28
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Auf der Suche nach Information im digitalen Heuhaufen
"Intelligente Netze" und die Online-Suche von morgen - "Semantische Technologien" erleichtern Wissensmanagement

Wien (OTS) - Die gewünschten Ergebnisse im Daten-Dschungel der
Suchmaschinen zu finden, ist meist mühsam und nicht immer
erfolgreich. Deshalb soll ein intelligentes, "semantisches" Web in
Zukunft die Bedeutung von Wörtern verstehen lernen und so wichtige
von unwichtigen Informationen unterscheiden können. Diese Entwicklung
könnte auch beim Wissensmanagement in Unternehmen zum Einsatz kommen,
waren sich Experten bei einem Event der APA-E-Business-Community
gestern, Donnerstag, Abend einig.
"Die semantische Suche ist noch eine junge Technologie, die Zeit
braucht, um zu reifen. Man muss ein bisschen Geduld haben, bis der
Nutzen klarer zu Tage tritt", erklärte Andreas Rauber vom Electronic
Commerce Competence Center (EC3). "Wenn jemand wegen Gartenliteratur
in ein Buchgeschäft geht, einen Stapel von 200 Büchern vorgesetzt
bekommt und es heißt: ’Suchen Sie sich ein paar aus, die besten sind
oben und die schlechtesten unten’, so wäre das wohl kaum
befriedigend", bringt Rauber die Probleme mit aktuellen Trefferlisten
bei Suchmaschinen auf den Punkt.
Um die in den anfallenden Datenbergen verborgene Information in
nutzbares Wissen zu verwandeln, könnten semantische Konzepte zum
Einsatz kommen. Von zunehmender Bedeutung sei jedoch die Frage,
welche Informationen überhaupt vorhanden sind, wie diese
zusammenhängen und welche Konsequenzen sich aus der richtigen
Verknüpfung dieser Bausteine ergeben. Aus diesem Grund gewinne neben
der reinen Suche vor allem die Abstraktion und Visualisierung von
Information an Bedeutung.
"Wir ertrinken in Information, aber uns dürstet nach Wissen",
zitierte Martina Rathbauer, Marketing Managerin von APA-DeFacto, den
Zukunfts- und Trendforscher John Naisbitt. Untersuchungen würden
zeigen, dass die User bei vielen Treffern nur den ersten beiden
Seiten ihre Aufmerksamkeit widmen. Beim heutigen Überangebot von
Informationen bestehe die Kunst darin, die relevante Information
herauszufiltern. "Dabei spielt neben der Schnelligkeit der
Informationssuche natürlich auch die Verlässlichkeit der Quelle eine
große Rolle", so Rathbauer.
Egal ob bei der Suche im Internet oder in kommerziellen
Datenbanken würden die User oft an die Grenze des Überschaubaren
geführt. "Semantic Web-Technologien, die es Computern letztendlich
ermöglichen, mehr wie ein Mensch zu ’denken’ und Informationen
selbstständig zu verknüpfen, um zum Beispiel natürlichsprachliche
Suchanfragen zu beantworten, sind für uns der nächste Schritt", ist
die Managerin überzeugt. Allerdings sei eine gewisse Unterstützung
bei der Umstellung notwendig. "Veränderung schafft Unsicherheit. Neue
Technologien werden sich aber nur durchsetzen, wenn der Nutzen
erkennbar ist", so Rathbauer.
Wie bei allen neuen Technologien sei es notwendig, dem User immer
wieder die Möglichkeit zu geben, diese vorgezeigt beziehungsweise
erklärt zu bekommen, befindet auch Andrea Kirschbichler vom
Wissenschaftszentrum Wien, das die Plattform Wissensmanagement
betreibt. "Der Suchzugang über semantische Technologien bedarf eines
Umdenkens und einer gewissen Übung. Wir werden Zeit benötigen, um die
Suche noch benutzerfreundlicher zu beschreiben - wobei Hilfetexte
tendenziell leider nicht gelesen werden", erklärte Kirschbichler.
Voraussetzung für das Funktionieren von Knowledge Management im
Unternehmen ist vor allem, dass das Top-Management dahinter steht,
"ansonsten hat es gar keinen Sinn damit anzufangen", erklärte Anita
Schulz-Wulkow von Cap Gemini, die mit dem Aufbau eines
Wissensmanagementsystems innerhalb der Unternehmensberatung schon
1999 begonnen hat. Zudem müssten die Verantwortlichkeiten klar
geregelt sein, wobei in der Anfangsphase ein Vollzeitmitarbeiter
dafür abgestellt werden sollte.
Eine klare Zuordnung der Inhalte verhindere, dass aus der
Datenbank eine Müllhalde werde. "Technik ist aber nicht alles, man
muss auch die Mitarbeiter überzeugen", so Schulz-Wulkow. Zur
Motivation der Beschäftigten fließe bei Cap Gemini die Beteiligung am
Wissensmanagement in die Leistungsbeurteilung ein. Neben anderen
Effekten habe sich die Suche nach Informationen innerhalb des
Unternehmens durch die Einführung des Systems deutlich beschleunigt.
"In der breiten Masse ist das Thema noch nicht angekommen. Laut
einer von Goldmann-Sachs initiierten Studie sind etwa 90 Prozent
aller Informationen im Unternehmen unstrukturiert", ergänzte
Alexander Szlezak, Geschäftsführer von Gentics. Ein Anwendungsgebiet
für den Einsatz von semantischen Technologien sieht er in
Web-Portalen, da sie vielfach die Schnittstelle zwischen Benutzer und
Information darstellen. Die Verfügbarkeit von semantischen
Technologien in gängigen kommerziellen Portal- und Content
Management-Systemen sei noch gering, der Nutzen in Unternehmen
allerdings potenziell sehr hoch.
"In fünf Jahren werden viele Jobs in den Unternehmen entstanden
sein, die sich mit Wissensmanagement beschäftigen. Bis dahin gibt es
voraussichtlich auch brauchbare Anwendungen für ein World Wide
Semantic Web", so Andreas Blumauer von der Semantic Web School. Das
"Semantic Web" könne aber nicht auf die Suchproblematik reduziert
werden. Vielmehr handle es sich dabei um eine Methodik
beziehungsweise Technik, die dazu dient, Informations- und
Wissensobjekte sinnvoll und kontextabhängig zu vernetzen.
Dazu würden nicht nur Dokumente, sondern auch Begriffe, Prozesse
oder sogar Menschen zählen. "Ich möchte aber ausschließen, dass
Maschinen jemals kreativ werden oder ’intuitiv’ Information ausgeben
können. Für die Praxis und Industrie, gerade am Wissensstandort
Österreich, gilt es, diese Strömungen und Technologien sehr genau zu
untersuchen, um sie für eigene Zwecke nutzenbringend einsetzen zu
können", so Blumauer.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind: - Bundesrechenzentrum BRZ GmbH http://www.brz.gv.at - Capgemini Consulting Österreich AG http://www.at.capgemini.com - derStandard.at http://www.derStandard.at - Direct Marketing Verband Österreich http://www.dmvoe.at - ECAustria http://ecaustria.at - Gentics Net.Solutions http://www.gentics.com - Hewlett Packard http://www.hp.com/at - IT Solution GmbH http://www.itsolution.at - Kapsch CarrierCom AG http://www.kapsch.net - Microsoft Österreich http://www.microsoft.com/austria - NextiraOne http://www.nextiraone.at - SurfControl http://www.surfcontrol.at - WIGeoGIS http://www.wigeogis.com - Wirtschaftskammer Österreich http://wko.at - APA-MultiMedia http://multimedia.apa.at
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