Brandsteidl: Modulsystem in AHS-Oberstufe soll Standard werden

Wien (OTS) - "Mit dem Schulversuch 'Modulare Oberstufe' am BRG 19 hat Wien im vergangenen Schuljahr einen wichtigen Schritt zur Neugestaltung der AHS gesetzt. Dass sich dieses Modell dort bewährt hat, zeigt sich auch daran, dass im heurigen Schuljahr drei weitere AHSen (AHS Glasergasse, AHS Amerlingstraße und AHS Draschestraße) mit dem Modulsystem starten. Unser Ziel ist es, dass mittelfristig das Modulsystem zum Standard in der AHS-Oberstufe wird. Die Stärke dieses Modells: Die Modernisierung der 'klassischen AHS' bei gleichzeitiger Beibehaltung all jener Stärken und Assets, die das allgemeinbildende höhere Schulwesen schon bisher ausgezeichnet haben", stellte Wiens Amtsführende Stadtschulratpräsidentin Susanne Brandsteidl im Rahmen einer Pressekonferenz am Montag fest.

"Es ist eine Unsinnigkeit, dass in der AHS 18-jährige heute zumeist noch immer genauso behandelt werden wie 10-jährige - mit diesem Unfug macht das Modulsystem Schluss. 'Nicht alles anders, aber vieles besser' - so lässt sich das Motto dieses Schulversuchsmodells am treffendsten bezeichnen", so Brandsteidl weiter.

Eigenverantwortliches Lernen

"Das Leitmotiv der durch das Kurs- bzw. Modulsystem begründeten 'Neuen Oberstufe' ist die Abkehr von der "bevormundenden Schule" und die Stärkung der Eigenverantwortung der SchülerInnen." Deutlich werde diese neue Eigenverantwortung vor allem dort, wo SchülerInnen im Modulsystem nach eigenem Interesse Schwerpunkte setzen könnten -weitere Veränderungen: der "alte Klassenvorstand" wird durch einen "Coach" ersetzt, der die SchülerInnen bei der Wahl ihrer Module beratend begleitet.

o Sitzenbleiben abgeschafft

Ein weiteres Kernelement: Durch das Modulsystem werden unnötige Schullaufbahnverluste verhindert und gehört in Zukunft auch eines der pädagogisch unwertvollsten Elemente des Schulwesens, das "Sitzenbleiben", der Vergangenheit an. Denn statt ein ganzes Schuljahr zu wiederholen, heißt es künftig: "Modul wiederholen, ansonsten aber: 'go ahead'."

o Verstehen statt Pauken

Auch in den Lehrinhalten selbst gibt es Modifizierungen: Nicht "Pauken", sondern dass sinnerfassende Erlernen, Verstehen und Wiedergeben des Lernstoffs steht im Vordergrund. Brandsteidl dazu:
"Mit einem Wort: In der 'Neuen Oberstufe' geht es um Schlüsselqualifikationen. Ob Rhetorik, Präsentationstechniken oder die Anwendung neuer Kommunikationstechnologien, die modulare Oberstufe legt einen besonderen Wert darauf, dass Schüler nicht Wissen blind reproduzieren, sondern sich so mit dem Lernstoff auseinandersetzen, dass sie es selbst weiterzugeben imstande sind. Überdies handelt es sich bei diesen Schlüsselqualifikationen um "skills", die optimal auf die wissenschaftliche Arbeit an den Universitäten vorbereiten."

o Allgemeinbildung und Unireife

Apropos Universitäten: Dass die "Modulare Oberstufe" weiterhin als Ziel verfolgt, SchülerInnen mittels AHS-Abschluss die allgemeine Hochschulberechtigung zu erteilen, versteht sich. Wie überhaupt es Anliegen des Schulversuchs ist, an dem, was die AHS schon heute positiv ausmacht, festzuhalten. Dies gilt auch für den Anspruch der Allgemeinbildung selbst: Dass dieser gewahrt bleibt und ein bestimmter Wissens- und Lernkanon an alle SchülerInnen vermittelt wird, dafür garantieren die als "Basismodule" bezeichneten Lerneinheiten, die den Kernstoff umfassen und die jeder Schüler in jedem Fall positiv zu absolvieren hat. Brandsteidl: "Unser Ziel ist es, die Vielfalt schulischer Angebote zu erweitern, ohne dass es hierdurch zu qualitätsmindernder Beliebigkeit kommt. Mit der 'Modularen Oberstufe' ist uns dieser Balanceakt gelungen; nicht weniger Wissenserwerb, sondern der Erwerb von mehr wichtigem Wissen charakterisiert dieses Modell."

o Das Modell im Detail

Brandsteidl: "Eines vorweg: Das Modell der 'Modularen Oberstufe' ist nicht am Schreibtisch entworfen worden, sondern ein Konzept, das sich aus den Erfahrungen der schulischen Praxis speist und in enger Kooperation von Lehrern verschiedenster Fachrichtungen entwickelt wurde." Kernstück des Modells: Das Schuljahr wird in Semestermodule aufgegliedert. Dabei werden unterschieden: 1. Basismodule, 2. Typenbildende Wahlmodule, 3. Wahlmodule zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen (Rhetorik, Präsentation etc.), 4. Freie Wahlmodule (individuell wählbar, auch fächerübergreifend möglich).

o Modulare Oberstufe als "Startschuss für mehr"

Abschließend betonte Wiens Amtsführende Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl: "Die 'Modulare Oberstufe' ist das innovativste und richtungsweisendste Konzept, das es im Bereich der AHS in Österreich derzeit gibt. Das sehe nicht nur ich als Bildungspolitikerin so, sondern auch das massive Interesse von SchülerInnen und Eltern bestätigt dies. Unser Ziel daher: Die Vorzüge dieser 'Neuen Oberstufe' sollten künftig allen SchülerInnen geboten werden und das Modulsystem daher - auf freiwilliger Basis - zum Standard für alle AHSen werden."
(Schluss) ssr

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