Schicker: ein neuer Ort der Begegnung in Wien

Die neu gestaltete Thurnstiege ist fertig und das wird mit einem Straßenfest gefeiert

Wien (OTS) - Am Freitag eröffneten Wiens Planungsstadtrat Rudolf Schicker, Bezirksvorsteherin Martina Malyar , MA29-Abteilungsleiter DI Eduard Winter und die Agenda21-Gruppe "Schritt für Schritt" die neu gestaltete Thurnstiege. Die feierliche Eröffnung fand im Rahmen eines Straßenfestes statt, bei dem die BesucherInnen ein abwechslungsreiches Programm erwartete: Unterhaltungsmusik aus aller Welt, Literaturbühne, Kinderprogramm, Speis und Trank der örtlichen Geschäftsleute und natürlich viel Information rund um die Planungen im 9. Bezirk.

Die Thurnstiege wurde Anfang des 20 Jahrhunderts erbaut. Mittlerweile ist die Stiegenanlage in die Jahre gekommen. Ihr Bauzustand und ihre Gestaltung entsprachen nicht mehr den Bedürfnissen unserer Tage. Bei der Neuplanung wurde die Meßlatte bewusst sehr hoch gelegt, galt es doch, die Funktion als Verbindung zweier Straßen mit den Ansprüchen der modernen Stadtplanung zu kombinieren. Unter dieser Prämisse hat die Stadt das Projekt der Agenda 21 am Alsergrund gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt.

"Die Menschen kennen die Bedürfnisse in ihrem Stadtteil am besten. Sie sind die Expertinnen und Experten, wenn es um Verbesserungen in ihrem Wohngebiet geht. Dabei unterstützen wir sie," unterstreicht Wiens Planungsstadtrat Rudolf Schicker. So wurden die Ideen der AnrainerInnen gesammelt und in die Planungen integriert. "Ergebnis ist ein Stückchen Stadt, das mehr ist, als eine Stiege. Es ist ein Ort der Begegnung für die Wienerinnen und Wiener. Die Gestaltung der Thurnstiege und des nahen Umfelds laden zum Verweilen und Plaudern mit den Nachbarn ein. So werden Barrieren abgebaut - die Baulichen ebenso wie die Sozialen", so Schicker.

Die neue Thurnstiege zeichnet sich neben einer durchgehenden Rampe auch mit Ruhezonen und Sitzgelegenheiten, Blumentrögen und einem Trinkbrunnen aus. Mit einem Baum wurde das obere Ende der neuen Thurnstiege abgeschlossen. Die Stadt hat damit die Rahmenbedingungen für einen neuen Begegnungs- und Aufenthaltsraum geschaffen. Nun liegt es an den BürgerInnen, diesen Raum auch mit Leben zu füllen. "Schon immer ist die Thurnstiege für die Bewohnerinnen und Bewohner im Umfeld eine willkommene Verbindung zwischen Währingerstraße und Liechtensteinstraße gewesen. Mit der neuen barrierefreien Gestaltung ist sie endlich für ältere Menschen, Personen mit Behinderungen oder Eltern mit Kinderwägen einfach zu bewältigen", zeigt sich Bezirksvorsteherin Malyar erfreut.

Auch die VertreterInnen der Agenda-Gruppe "Schritt für Schritt" freuen sich über das gelungene Projekt: "Die neu gestaltete Thurnstiege ist ein Ergebnis gelungener BürgerInnenmitbestimmung. Mit dem Umbau wurde das bisher größte Agenda-Projekt realisiert. Die nun barrierefrei gestaltete Stiege bringt allen BewohnerInnen eine große Entlastung", betont Sabine Gruber, Projektleiterin der Agenda 21 am Alsergrund.

Schritt für Schritt - vom BürgerInnenprotest zur Mitbestimmung

Im Jänner 1999 schlossen sich neun BürgerInnen mit einer Idee zu einem Arbeitskreis zusammen: Der erste Schritt auf dem Weg zum Erfolg war eine Videoproduktion im Jahr 1999, welche die Probleme und Bedürfnisse der NutzerInnen sichtbar machte. Im Frühjahr 2000 folgte eine Fragebogenerhebung (rund 2000 Haushalte) mit abschließender BürgerInnenversammlung im Grätzel. Die Erhebung und Ideensammlung der AnrainerInnen zeigten, dass eine Verflachung der Stiege, Sitzgelegenheiten, mehr Grün und Aufstiegshilfen gewünscht wurden. Im Herbst 2000 fanden zwei Konkretisierungsworkshops mit AnrainerInnen und einer Architektin statt.

Nach einer längeren Pause folgte im Frühsommer 2002 ein weiterer Informationsnachmittag mit anschließender BürgerInnenversammlung. Der detaillierte Umgestaltungsentwurf, die Ergebnisse der statischen Prüfung und der Machbarkeitsstudie der MA 29 wurden den AnrainerInnen vorgestellt. Im Juli 2003 konnte mit der Bauverhandlung die Planungsphase abgeschlossen werden. Im Herbst 2004 informierten die MA 29, das AGENDA-Büro und die Bezirksvorstehung die Bevölkerung mit einer Aussendung an die AnrainerInnen und einer Informationsveranstaltung über den Bauablauf. Im November 2004 wurde schließlich mit dem Bau begonnen.

Bevor das Thema von der AGENDA 21 aufgegriffen wurde, gab es zahlreiche Proteste gegen die Umbaupläne. Durch die Gründung der BürgerInnen-Gruppe, die Moderation der AGENDA 21 und die vorbildliche Zusammenarbeit mit Bezirkpolitik und MA 29 gelang es, ein gemeinsames Ergebnis zu entwickeln. So konnten die Proteste in Mitbestimmung gewendet werden. Ein Festprogramm für alle ist der krönende Abschluss eines Mitgestaltungsprozesses, der rund sechs Jahre gedauert hat.

effizientes Arbeiten ermöglichte verkürzte Bauzeit

Anlässlich der Fertigstellung der Thurnstiege stellt DI Eduard Winter, Leiter der zuständigen Magistratsabteilung 29, zufrieden fest: "Durch modernes Baustellenmanagement haben wir die Baustelle früher als geplant fertig stellen können. Nun kann die Bevölkerung wieder die wichtige Verbindung im Bezirk benutzen." Wesentlicher Bestandteil für ein effizientes Arbeiten war es, die Ressourcen optimal einzusetzen. So erfolgte etwa ein wesentlicher Teil der Steinmetzarbeiten im Werk, wo schneller und umweltfreundlich gearbeitet werden konnte.

Einziger Nachteil bei dieser Methode: die scheinbare Inaktivität bei der Baustelle ruft bei so manchem Kritiker den Ruf hervor, "dass da nichts weiter geht". Dem widerspricht Abteilungsleiter Winter:
"Erstens sind wir unter der veranschlagten Bauzeit geblieben. Und zweitens hat sich diese Vorgehensweise bewehrt, wenn wir so die Lärm-und Staubbelastung bei der Baustelle für die Bevölkerung reduzieren können." Die Bauarbeiten dauerten etwas mehr als 11 Monate. Die Gesamtkosten betrugen rund 1,1 Mio. Euro.

Mehr Informationen zum Planungsprozess und dem Neubau der Thurnstiege finden Sie unter http://www.bruecken.wien.at/ und http://www.agenda21.or.at/. (Schluss) kel

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