Starker Run auf Bildungsangebote in Wien

Wien: EUR 20 Millionen jährlich für den zweiten Bildungsweg eröffnen Zugang zu Bildung

Wien (OTS) - "Neben der Erstausbildung in der Schule stellen
andere Formen der Aus- und Weiterbildung sowie die Möglichkeiten, die der zweite Bildungsweg eröffnet, einen wesentlichen Aspekt des Bildungswesens dar, an dem nicht gespart werden darf." so Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Grete Laska am Dienstag im Bürgermeister-Mediengespräch. Die Wiener Volkshochschulen leisten hier einen wichtigen Beitrag. Insgesamt rund 25.000 Kurse werden in 18 Wiener Volkshochschulen, also quasi um die Ecke, jedes Jahr angeboten, sagte der Vorsitzende des Vereins Wiener Volksbildung Dr. Michael Ludwig. Mit einem umfassenden, breiten und möglichst niederschwelligen Angebot werden laufend mehr Menschen erreicht. Die Anzahl der Kurse hat in den vergangenen 10 Jahren um 25 % zugenommen. Rund 143.000 TeilnehmerInnen pro Jahr nutzen die Angebote, das sind um 10.000 mehr als noch 1994. Neben den Freizeit-, Sport- und Wellnesskursen sowie kreativen Angeboten sind die Volkshochschulen auch erste Anlaufstelle für alle, die Qualifikationen nachholen wollen. Die berufliche Fortbildung steht bei der derzeitigen Arbeitsmarktsituation im Vordergrund: Neben Alphabetisierung bzw. Basisbildungen, die den Zugang zu grundlegenden Kulturtechniken eröffnen, bieten die Wiener Volkshochschulen die Möglichkeit, vom Hauptschulabschluss bis zur Matura Schulabschlüsse nachzuholen, oder sie eröffnen über Berufsreife- und Studienberechtigungsprüfung sogar den Weg zum Studium. Gemeinsam mit dem Verband Wiener Volksbildung setzt die Stadt Wien Aktivitäten zur Weiterbildung nachdrücklich um.****

Die steigende Anzahl der Teilnahmen in den letzten Jahren belegt dies eindrucksvoll. Der zweite Bildungsweg an den Wiener Volkshochschulen verzeichnet innerhalb der letzten 5 Jahre jährliche Zuwachsraten von 10 bis 15 Prozent: Im Jahr 2004 gab es beim Hauptschulabschluss über 4.200 Teilnahmen, bei der Matura über 2.200 und rund 11.500 bei Berufsreifeprüfung und Studienberechtigungsprüfung. Die Erfolgsquote liegt in der Höhe von 70-80 Prozent. Damit helfen die Volkshochschulen in Wien Menschen über Bildungsschwellen, erleichtern den Einstieg in die Berufswelt oder in die Berufsausbildung, und helfen auch über die - für viele leider immer noch viel zu hohe - Schwelle zur Hochschulausbildung.

Knackpunkt: Sprachkompetenz

Rund 30.000 Teilnahmen jährlich verzeichnen die Fremdsprachenkurse der Wiener Volkshochschulen. Neben den Klassikern Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch boomen derzeit osteuropäische Sprachen. Aber auch Exoten wie Mongolisch, Bengali oder Urdu werden angeboten. Auch Deutschkurse bilden einen wichtigen Schwerpunkt in diesem Angebot. So besuchten die Deutsch als Zweit-oder Fremdsprache-Kurse rund 11.000 Teilnahmen jährlich.

Die Stadt Wien, die ihre Sprachoffensive unter dem Motto "Freiwilligkeit statt Zwang" ausgeweitet hat, bietet bereits seit Jahren besonders günstige geförderte Kurse über zahlreiche VertragspartnerInnen an. Diese Kurse sind zielgruppenspezifisch aufbereitet - u.a. mit einem speziellen Setting für Frauen - und finden auf freiwilliger Basis statt. An die 40.000 MigrantInnen haben in den letzten 5 Jahren über die Angebote der Volkshochschulen ihre Deutschkenntnisse verbessert. Ein besonders erfolgreiches Beispiel zielgruppenorientierter Kurse ist die Volkshochschule Ottakring. Hier werden bereits seit 1992 systematisch Alphabetisierungsmaßnahmen für MigrantInnen ergriffen. Das für diesen Bereich eigens eingerichtete "Alfa-Zentrum für MigrantInnen" ist eine etablierte Institution. Zahlreiche Einrichtungen mit einem sehr niederschwelligen Zugang -ethnische Vereine, Kulturvereine, religiöse Vereine, Frauenvereine, Elternvereine an Schulen bzw. Schulen selbst - fördern Alphabetisierung und Spracherwerb von MigrantInnen vor Ort. Das Alfa-Zentrum ist für die Einstufung der KursteilnehmerInnen, die Lehrenden und deren Weiterbildung sowie für Lehrmaterialien zuständig.

Für Jugendliche mit Migrationshintergrund wurden eigene Kurse eingerichtet. Großen Wert legt man dabei auf die Vermittlung der deutschen Sprache. Gegenwärtig wird von der Stadt Wien ein Projekt für neu zugezogene Jugendliche finanziert, in dem es neben dem Deutschunterricht darum geht, Wien als neue Lebensumgebung erlebbar zu machen. Obwohl die Kurse der Volkshochschulen, die neben Unterricht und Exkursionen auch Kooperationen mit dem Verein wienXtra und dem Verein Wiener Jugendzentren vorsehen, noch nicht begonnen haben, liegen bereits 120 Anmeldungen vor.

Diese Deutschkurse inkludiert melden sich insgesamt rund 30 % aller KursteilnehmerInnen zu einem Sprachkurs in einer der 18 Wiener Volkshochschulen an.

Angesichts der erschreckend hohen Zahl an funktionellen AnalphabetInnen (österreichweit je nach Schätzung zwischen 300.000 und 600.000 Betroffene) verdient die Arbeit der Wiener Volkshochschulen, die auf dem Gebiet der Nachqualifizierung führende Anbieter sind, besondere Beachtung. Lediglich rund 400 Personen nutzen die Angebote in Wien. Angesichts der hohen Dunkelziffer heißt das aber, es genügt nicht, den Erwerb von Grundbildung einfach anzubieten. Viele Betroffene sind nicht genügend sensibilisiert oder haben Angst davor, sich ihre Schreib- oder Leseschwächen einzugestehen. Eine groß angelegte, von der Bundesregierung unterstützte österreichweite Kampagne würde einerseits die Betroffenen ermutigen, Kurse zu besuchen, andererseits auch einer Stigmatisierung entgegenwirken.

Berufliche Weiterbildung

Die Volkshochschulen bieten auch ein breites Spektrum zur beruflichen Weiterbildung in anderen Bereichen: Rund 15.000 Teilnahmen jährlich verzeichnen die Kurse der Persönlichkeitsbildung, der EDV oder kaufmännischer Fächer, die TeilnehmerInnen qualifizieren sich damit meist auf eigene Initiative für den Berufsalltag weiter.

Zu viele SchulabbrecherInnen, zu wenige AkademikerInnen
Eine Besorgnis erregende Entwicklung ist im Bereich der Matura zu beobachten. Jährlich rund 2.200 Teilnahmen verzeichnet der zweite Bildungsweg Matura. Dabei ist zu beobachten, dass die TeilnehmerInnen immer jünger werden. Waren es früher eher Personen, die ihre Schulbildung später verbessern wollten, sind es heute immer öfter Drop-outs, also SchülerInnen, die am ersten Bildungsweg gescheitert sind und dann sofort an die Volkshochschulen wechseln. Auch insgesamt ist die Akademikerquote in Österreich im internationalen Vergleich gering - laut OECD-Studie gehen in Österreich nur 35 Prozent einer Maturaklasse an eine Hochschule, während es im Europäischen Durchschnitt 53 Prozent sind. Die Aufgabe der Volkshochschulen liegt also nicht nur in der Vermittlung von Basiswissen, sondern durchaus auch am anderen Ende des Bildungsspektrums: Mit ihrem Angebot helfen die Volkshochschulen mit, mehr Menschen in eine universitäre Ausbildung zu bringen und damit Wien als Wirtschaftsstandort für den internationalen Wettbewerb zu stärken.

In diesem Zusammenhang wäre die Aufweichung des freien Hochschulzugangs eine problematische Entwicklung. Denn vor allem viele AnwärterInnen auf die Berufsreifeprüfung und die Studienberechtigungsprüfung haben heute schon Angst, keinen Platz mehr an Universitäten zu finden.

University Meets Public

Die Schwellenangst vor universitärer Bildung soll auch das Projekt University Meets Public, ein Kooperationsprojekt zwischen Universität Wien und Verband Wiener Volksbildung, nehmen. Im Zuge des Projektes wird seit 1999 die traditionsreiche Verbindung zwischen Universität und Volksbildung wiederbelebt und verstärkt. Universitätslehrende halten Vorträge an Volkshochschulen und geben damit bildungsinteressierten WienerInnen die Möglichkeit, sich über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren. Das Leistungsspektrum der Universitäten wird mit diesem Projekt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und die Volkshochschulen positionieren sich (wie auch schon früher) als zentrale Orte der Wissensvermittlung.

Darüber hinaus bietet das Projekt University Meets Public der Stadt Wien auch als Universitätsstadt, in der innovative Forschungsansätze entwickelt wurden, die Möglichkeit, eine Basis der Akzeptanz für Wissenschaft und ihre Ergebnisse zu bilden. University Meets Public stellt eine Erfolgsgeschichte dar:
So hat sich die TeilnehmerInnenzahl von 1.014 BesucherInnen im Sommersemester 1999 auf 2.347 HörerInnen im Wintersemester 2004/05 mehr als verdoppelt. Die Anzahl der Vortragenden ist von 28 auf 125 gestiegen. Waren es 1999 noch 84 Vorträge und Veranstaltungen, die angeboten wurden, so waren es 2004/05 bereits 285.

Ökonomisch - ökologisch - sozial

Der gesamtgesellschaftliche Auftrag des Verbandes Wiener Volksbildung geht aber noch weit über den Bildungsbereich der Wiener Volkshochschulen hinaus. So ist der Verband Träger von drei sozial-ökonomischen Betrieben (Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z, Demontage- und Recycling-Zentrum D.R.Z und Med Tech Plus). In diesen vom AMS Wien geförderten Einrichtungen sind mehr als 100 Langzeitbeschäftigungslose beschäftigt. Diese finden in diesen Betrieben im Regelfall ein Jahr lang eine bezahlte Tätigkeit und werden sozial-pädagogisch betreut. Es wird ihnen geholfen, wieder einen Arbeitsplatz auf dem Regelarbeitsmarkt zu finden - zu über 80 % gelingt diese Vermittlung auch.

Der Verband Wiener Volksbildung ist auch Träger des AMS-geförderten Jugendausbildungsprojektes LIDO. LIDO unterstützt arbeitssuchende Jugendliche, die es nicht selbst schaffen, eine Lehrstelle oder einen Berufseinstieg zu finden. Über 90 % der Jugendlichen, die das Projekt durchlaufen, können auf eine reguläre Lehrstelle oder auf einen Arbeitsplatz vermittelt werden.

Die sozial-ökonomischen Projekte sind alle im Umweltbereich tätig, der Verband Wiener Volksbildung ist auch Träger von "die umweltberatung" Wien. Diese von der Stadt Wien geförderte Einrichtung leistet Beratung und Bildungsarbeit zu allen Umweltthemen und erreicht jährlich rund 50.000 WienerInnen. All diese Initiativen stehen als Wegweiser für ein alternatives Wirtschaftsmodell mit Vorzeigecharakter und oftmals mit daraus resultierendem volkswirtschaftlichen Nutzen.

Bei Erwachsenenbildung nicht sparen!

Die Förderung der Wiener Volksbildung allein durch die MA 13 -Bildung und außerschulische Jugendbetreuung in der Höhe von rund EUR 20 Millionen ist damit rund doppelt so hoch wie die Ausgaben des Bildungsministeriums für die österreichischen Erwachsenenbildungsorganisationen. Nur mit dieser starken Unterstützung der Stadt Wien sowie mit den Förderungen des WAFF und dem Bildungsgutschein der AK - ein Großteil des Subventionsbedarfs der Volkshochschulen wird für den Bildungsbetrieb benötigt - können die Wiener Volkshochschulen den Anspruch, Bildung auch finanziell für alle zugänglich zu machen, erfüllen. Vizebürgermeisterin Grete Laska abschließend: "Mit seinen Initiativen trägt der Verband Wiener Volksbildung zur erfolgreichen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Wien entscheidend bei."

o Information:
Bildungstelefon: Tel.: 893 00 83
http://www.vhs.at/

(Schluss) eg

Rückfragen & Kontakt:

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http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Herbert Schweiger
Verband Wiener Volksbildung
Tel.: 891 74/19
herbert.schweiger@vwv.at

Mag. Eva Gaßner
Tel.: 4000/81 850
ega@gjs.magwien.gv.at

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