• 11.10.2005, 12:26:23
  • /
  • OTS0144 OTW0144

Starker Run auf Bildungsangebote in Wien

Wien: EUR 20 Millionen jährlich für den zweiten Bildungsweg eröffnen Zugang zu Bildung

Wien (OTS) - "Neben der Erstausbildung in der Schule stellen
andere Formen der Aus- und Weiterbildung sowie die Möglichkeiten, die
der zweite Bildungsweg eröffnet, einen wesentlichen Aspekt des
Bildungswesens dar, an dem nicht gespart werden darf." so
Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Grete Laska am Dienstag im
Bürgermeister-Mediengespräch. Die Wiener Volkshochschulen leisten
hier einen wichtigen Beitrag. Insgesamt rund 25.000 Kurse werden in
18 Wiener Volkshochschulen, also quasi um die Ecke, jedes Jahr
angeboten, sagte der Vorsitzende des Vereins Wiener Volksbildung Dr.
Michael Ludwig. Mit einem umfassenden, breiten und möglichst
niederschwelligen Angebot werden laufend mehr Menschen erreicht. Die
Anzahl der Kurse hat in den vergangenen 10 Jahren um 25 % zugenommen.
Rund 143.000 TeilnehmerInnen pro Jahr nutzen die Angebote, das sind
um 10.000 mehr als noch 1994. Neben den Freizeit-, Sport- und
Wellnesskursen sowie kreativen Angeboten sind die Volkshochschulen
auch erste Anlaufstelle für alle, die Qualifikationen nachholen
wollen. Die berufliche Fortbildung steht bei der derzeitigen
Arbeitsmarktsituation im Vordergrund: Neben Alphabetisierung bzw.
Basisbildungen, die den Zugang zu grundlegenden Kulturtechniken
eröffnen, bieten die Wiener Volkshochschulen die Möglichkeit, vom
Hauptschulabschluss bis zur Matura Schulabschlüsse nachzuholen, oder
sie eröffnen über Berufsreife- und Studienberechtigungsprüfung sogar
den Weg zum Studium. Gemeinsam mit dem Verband Wiener Volksbildung
setzt die Stadt Wien Aktivitäten zur Weiterbildung nachdrücklich
um.****

Die steigende Anzahl der Teilnahmen in den letzten Jahren belegt
dies eindrucksvoll. Der zweite Bildungsweg an den Wiener
Volkshochschulen verzeichnet innerhalb der letzten 5 Jahre jährliche
Zuwachsraten von 10 bis 15 Prozent: Im Jahr 2004 gab es beim
Hauptschulabschluss über 4.200 Teilnahmen, bei der Matura über 2.200
und rund 11.500 bei Berufsreifeprüfung und
Studienberechtigungsprüfung. Die Erfolgsquote liegt in der Höhe von
70-80 Prozent. Damit helfen die Volkshochschulen in Wien Menschen
über Bildungsschwellen, erleichtern den Einstieg in die Berufswelt
oder in die Berufsausbildung, und helfen auch über die - für viele
leider immer noch viel zu hohe - Schwelle zur Hochschulausbildung.

Knackpunkt: Sprachkompetenz

Rund 30.000 Teilnahmen jährlich verzeichnen die
Fremdsprachenkurse der Wiener Volkshochschulen. Neben den Klassikern
Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch boomen derzeit
osteuropäische Sprachen. Aber auch Exoten wie Mongolisch, Bengali
oder Urdu werden angeboten. Auch Deutschkurse bilden einen wichtigen
Schwerpunkt in diesem Angebot. So besuchten die Deutsch als Zweit-
oder Fremdsprache-Kurse rund 11.000 Teilnahmen jährlich.

Die Stadt Wien, die ihre Sprachoffensive unter dem Motto
"Freiwilligkeit statt Zwang" ausgeweitet hat, bietet bereits seit
Jahren besonders günstige geförderte Kurse über zahlreiche
VertragspartnerInnen an. Diese Kurse sind zielgruppenspezifisch
aufbereitet - u.a. mit einem speziellen Setting für Frauen - und
finden auf freiwilliger Basis statt. An die 40.000 MigrantInnen haben
in den letzten 5 Jahren über die Angebote der Volkshochschulen ihre
Deutschkenntnisse verbessert. Ein besonders erfolgreiches Beispiel
zielgruppenorientierter Kurse ist die Volkshochschule Ottakring. Hier
werden bereits seit 1992 systematisch Alphabetisierungsmaßnahmen für
MigrantInnen ergriffen. Das für diesen Bereich eigens eingerichtete
"Alfa-Zentrum für MigrantInnen" ist eine etablierte Institution.
Zahlreiche Einrichtungen mit einem sehr niederschwelligen Zugang -
ethnische Vereine, Kulturvereine, religiöse Vereine, Frauenvereine,
Elternvereine an Schulen bzw. Schulen selbst - fördern
Alphabetisierung und Spracherwerb von MigrantInnen vor Ort. Das
Alfa-Zentrum ist für die Einstufung der KursteilnehmerInnen, die
Lehrenden und deren Weiterbildung sowie für Lehrmaterialien
zuständig.

Für Jugendliche mit Migrationshintergrund wurden eigene Kurse
eingerichtet. Großen Wert legt man dabei auf die Vermittlung der
deutschen Sprache. Gegenwärtig wird von der Stadt Wien ein Projekt
für neu zugezogene Jugendliche finanziert, in dem es neben dem
Deutschunterricht darum geht, Wien als neue Lebensumgebung erlebbar
zu machen. Obwohl die Kurse der Volkshochschulen, die neben
Unterricht und Exkursionen auch Kooperationen mit dem Verein wienXtra
und dem Verein Wiener Jugendzentren vorsehen, noch nicht begonnen
haben, liegen bereits 120 Anmeldungen vor.

Diese Deutschkurse inkludiert melden sich insgesamt rund 30 %
aller KursteilnehmerInnen zu einem Sprachkurs in einer der 18 Wiener
Volkshochschulen an.

Angesichts der erschreckend hohen Zahl an funktionellen
AnalphabetInnen (österreichweit je nach Schätzung zwischen 300.000
und 600.000 Betroffene) verdient die Arbeit der Wiener
Volkshochschulen, die auf dem Gebiet der Nachqualifizierung führende
Anbieter sind, besondere Beachtung. Lediglich rund 400 Personen
nutzen die Angebote in Wien. Angesichts der hohen Dunkelziffer heißt
das aber, es genügt nicht, den Erwerb von Grundbildung einfach
anzubieten. Viele Betroffene sind nicht genügend sensibilisiert oder
haben Angst davor, sich ihre Schreib- oder Leseschwächen
einzugestehen. Eine groß angelegte, von der Bundesregierung
unterstützte österreichweite Kampagne würde einerseits die
Betroffenen ermutigen, Kurse zu besuchen, andererseits auch einer
Stigmatisierung entgegenwirken.

Berufliche Weiterbildung

Die Volkshochschulen bieten auch ein breites Spektrum zur
beruflichen Weiterbildung in anderen Bereichen: Rund 15.000
Teilnahmen jährlich verzeichnen die Kurse der Persönlichkeitsbildung,
der EDV oder kaufmännischer Fächer, die TeilnehmerInnen qualifizieren
sich damit meist auf eigene Initiative für den Berufsalltag weiter.

Zu viele SchulabbrecherInnen, zu wenige AkademikerInnen
Eine Besorgnis erregende Entwicklung ist im Bereich der Matura zu
beobachten. Jährlich rund 2.200 Teilnahmen verzeichnet der zweite
Bildungsweg Matura. Dabei ist zu beobachten, dass die TeilnehmerInnen
immer jünger werden. Waren es früher eher Personen, die ihre
Schulbildung später verbessern wollten, sind es heute immer öfter
Drop-outs, also SchülerInnen, die am ersten Bildungsweg gescheitert
sind und dann sofort an die Volkshochschulen wechseln. Auch insgesamt
ist die Akademikerquote in Österreich im internationalen Vergleich
gering - laut OECD-Studie gehen in Österreich nur 35 Prozent einer
Maturaklasse an eine Hochschule, während es im Europäischen
Durchschnitt 53 Prozent sind. Die Aufgabe der Volkshochschulen liegt
also nicht nur in der Vermittlung von Basiswissen, sondern durchaus
auch am anderen Ende des Bildungsspektrums: Mit ihrem Angebot helfen
die Volkshochschulen mit, mehr Menschen in eine universitäre
Ausbildung zu bringen und damit Wien als Wirtschaftsstandort für den
internationalen Wettbewerb zu stärken.

In diesem Zusammenhang wäre die Aufweichung des freien
Hochschulzugangs eine problematische Entwicklung. Denn vor allem
viele AnwärterInnen auf die Berufsreifeprüfung und die
Studienberechtigungsprüfung haben heute schon Angst, keinen Platz
mehr an Universitäten zu finden.

University Meets Public

Die Schwellenangst vor universitärer Bildung soll auch das
Projekt University Meets Public, ein Kooperationsprojekt zwischen
Universität Wien und Verband Wiener Volksbildung, nehmen. Im Zuge des
Projektes wird seit 1999 die traditionsreiche Verbindung zwischen
Universität und Volksbildung wiederbelebt und verstärkt.
Universitätslehrende halten Vorträge an Volkshochschulen und geben
damit bildungsinteressierten WienerInnen die Möglichkeit, sich über
neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren. Das
Leistungsspektrum der Universitäten wird mit diesem Projekt einer
breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und die Volkshochschulen
positionieren sich (wie auch schon früher) als zentrale Orte der
Wissensvermittlung.

Darüber hinaus bietet das Projekt University Meets Public der
Stadt Wien auch als Universitätsstadt, in der innovative
Forschungsansätze entwickelt wurden, die Möglichkeit, eine Basis der
Akzeptanz für Wissenschaft und ihre Ergebnisse zu bilden. University
Meets Public stellt eine Erfolgsgeschichte dar:
So hat sich die TeilnehmerInnenzahl von 1.014 BesucherInnen im
Sommersemester 1999 auf 2.347 HörerInnen im Wintersemester 2004/05
mehr als verdoppelt. Die Anzahl der Vortragenden ist von 28 auf 125
gestiegen. Waren es 1999 noch 84 Vorträge und Veranstaltungen, die
angeboten wurden, so waren es 2004/05 bereits 285.

Ökonomisch - ökologisch - sozial

Der gesamtgesellschaftliche Auftrag des Verbandes Wiener
Volksbildung geht aber noch weit über den Bildungsbereich der Wiener
Volkshochschulen hinaus. So ist der Verband Träger von drei
sozial-ökonomischen Betrieben (Reparatur- und Service-Zentrum
R.U.S.Z, Demontage- und Recycling-Zentrum D.R.Z und Med Tech Plus).
In diesen vom AMS Wien geförderten Einrichtungen sind mehr als 100
Langzeitbeschäftigungslose beschäftigt. Diese finden in diesen
Betrieben im Regelfall ein Jahr lang eine bezahlte Tätigkeit und
werden sozial-pädagogisch betreut. Es wird ihnen geholfen, wieder
einen Arbeitsplatz auf dem Regelarbeitsmarkt zu finden - zu über 80 %
gelingt diese Vermittlung auch.

Der Verband Wiener Volksbildung ist auch Träger des
AMS-geförderten Jugendausbildungsprojektes LIDO. LIDO unterstützt
arbeitssuchende Jugendliche, die es nicht selbst schaffen, eine
Lehrstelle oder einen Berufseinstieg zu finden. Über 90 % der
Jugendlichen, die das Projekt durchlaufen, können auf eine reguläre
Lehrstelle oder auf einen Arbeitsplatz vermittelt werden.

Die sozial-ökonomischen Projekte sind alle im Umweltbereich
tätig, der Verband Wiener Volksbildung ist auch Träger von "die
umweltberatung" Wien. Diese von der Stadt Wien geförderte Einrichtung
leistet Beratung und Bildungsarbeit zu allen Umweltthemen und
erreicht jährlich rund 50.000 WienerInnen. All diese Initiativen
stehen als Wegweiser für ein alternatives Wirtschaftsmodell mit
Vorzeigecharakter und oftmals mit daraus resultierendem
volkswirtschaftlichen Nutzen.

Bei Erwachsenenbildung nicht sparen!

Die Förderung der Wiener Volksbildung allein durch die MA 13 -
Bildung und außerschulische Jugendbetreuung in der Höhe von rund EUR
20 Millionen ist damit rund doppelt so hoch wie die Ausgaben des
Bildungsministeriums für die österreichischen
Erwachsenenbildungsorganisationen. Nur mit dieser starken
Unterstützung der Stadt Wien sowie mit den Förderungen des WAFF und
dem Bildungsgutschein der AK - ein Großteil des Subventionsbedarfs
der Volkshochschulen wird für den Bildungsbetrieb benötigt - können
die Wiener Volkshochschulen den Anspruch, Bildung auch finanziell für
alle zugänglich zu machen, erfüllen. Vizebürgermeisterin Grete Laska
abschließend: "Mit seinen Initiativen trägt der Verband Wiener
Volksbildung zur erfolgreichen gesellschaftlichen und
volkswirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Wien entscheidend bei."

o Information:
Bildungstelefon: Tel.: 893 00 83
http://www.vhs.at/

(Schluss) eg

Rückfragehinweis:

PID-Rathauskorrespondenz:
   http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
   Herbert Schweiger
   Verband Wiener Volksbildung
   Tel.: 891 74/19
   mailto:[email protected]
   
   Mag. Eva Gaßner
   Tel.: 4000/81 850
   mailto:[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel