Einladung zur Pressekonferenz: Das Versprechen der Gleichberechtigung - Gleichstellung der Geschlechter, reproduktive Gesundheit und die Milleniumentwicklungsziele

Wien (OTS) - Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung lädt ein zur Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des diesjährigen Weltbevölkerungsberichtes des United Nations Population Fund (UNFPA):

Dr. Elisabeth Hlavac
NR-Abgeordnete und Integrationsprecherin der Sozialdemokratischen Partei

Karl Öllinger
NR-Abgeordneter und Familiensprecher der Grünen

Erik Palstra
Liaison Office, United Nations Population Fund (UNFPA), Genf

Zeitpunkt: 12.10, 10.00 Uhr
Ort: Café Landmann, Biedermeierzimmer

Das Versprechen der Gleichberechtigung
Gleichstellung der Geschlechter, reproduktive Gesundheit und die Milleniumentwicklungsziele

Der diesjährige Weltbevölkerungsbericht des UNFPA beleuchtet die Auswirkungen der Ungleichstellung der Geschlechter auf die Armutsbekämpfung. Das vom UN-Generalsekretär initiierte Milleniumsprojekt, ein hochrangiges Expertengremium, wurde mit der Überprüfung der im Jahr 2000 anlässlich des UN-Milleniumsgipfels formulierten Ziele beauftragt. Die Experten stellten fest, dass die Welt die einmalige Chance hat "Armut zur Geschichte zu machen". Die Gleichbehandlung der Geschlechter verbessert die Gesundheit, rettet Leben und senkt die Armut. Strategische Investitionen in die Frauenbildung und in die reproduktive Gesundheit, die vermehrte Unterstützung des Zugangs von Frauen zu wirtschaftlichen Möglichkeiten und zu politischen Rechte fördern das Wirtschaftswachstum und eine nachhaltige Entwicklung.

Der Weltbevölkerungsbericht stellt fest:

  • Es existiert ein fertiger Plan zur Umsetzung,
  • Die notwendigen Strategien sind eindeutig definiert,
  • Die vorhandenen Ressourcen wurden bereits vor 35 Jahren (mit dem Versprechen 0,7% des BNPs für Entwicklungshilfe auszugeben) zugesagt und meint, dass es nun ENDLICH Zeit zum Handeln wäre.

Das Versprechen der Gleichberechtigung
Gleichstellung der Geschlechter, reproduktive Gesundheit und die Milleniumentwicklungsziele

Anlässlich des UN-Milleniumsgipfels im Jahr 2000 wurden acht Ziele formuliert (die sog. Milleniumsentwicklungsziele/MDGs), durch deren Erreichung die Armut bis zum Jahr 2015 weltweit halbiert werden soll. Das Milleniumsprojekt (ein hochrangiges Expertengremium) wurde vom UN-Generalsekretär mit der Überprüfung des Erreichten beauftragt. Beim Weltgipfel im September 2005 wurden die Ergebnisse präsentiert wurde und die Experten kamen unter anderem zu dem Schluss:
"Reproduktive Gesundheit ist eine Grundvoraussetzung für die Erreichung der MDGs ist, vor allem dann, wenn es um die Gleichbehandlung der Geschlechter (MDG 3) geht."

(Kapitel 2) Strategische Investitionen: Gleichbehandlung zahlt sich aus

Weltweit sind nahezu doppelt soviel Frauen Analphabeten (500 Mill. Frauen) als Männer. Dies resultiert aus dem geringeren Grundschulbesuch der Mädchen. Das Beispiel von Ostasiens aus den Jahren 1965-1990 lehrt, dass mehr Bildung für Mädchen zu einem erhöhten Wirtschaftswachstum führt. Der Zugang zu Familienplanung verlangsamt durch kleinere Familien das Bevölkerungswachstum, mildert den Druck auf die natürlichen Ressourcen und bewirkt eine Kostensenkung im Bereich der Gesundheits- und sozialen Ausgaben. So hat Ägypten pro in Familienplanung investierten US$, 31 US$ bei Ausgaben für Gesundheit, Bildung, Wohnbau etc. einsparen können. Frauen, die für die Verwaltung des Familieneinkommens verantwortlich sind, erhöhen damit die Überlebenschancen ihrer Kinder um das Zwanzigfache und und den Lebensstandard der Familie.

(Kapitel 3) Das Versprechen der Menschenrechte

Gesundheit mit ihren Auswirkungen auf die Produktivität - wird durch die Verfügbarkeit von sauberen Trinkwasser, ausreichender Ernährung und Hygiene aber auch durch die, Erreichbarkeit, Akzeptanz und Qualität von Gesundheitseinrichtungen beeinflusst.
Das Zugestehen reproduktiver Rechte fördert die Abschaffung diskriminierender Praktiken wie Kinderehen, Ehrenmorde, vorgeburtliche Selektion, weibliche Genitalverstümmelungen. Durch die Einbindung religiöser Autoritäten wurde im Iran traditionellen diskriminierenden Einstellungen entgegengearbeitet, dadurch die Verwendung von Verhütungsmethoden gefördert und eine Senkung der Gesamtfruchtbarkeitsrate von 7 auf 2,3 Kindern pro Frau bewirkt.

(Kapitel 4) Reproduktive Gesundheit: Ein Maßstab für die Gleichstellung

Der Mangel an ausgebildeten Geburtshelfer/innen und unzureichende Transportmöglichkeiten in ländlichen Gebieten sind mitverantwortlich für mehr als 500.000 Todesfällen weltweit, die mit Schwangerschaft und Geburt zusammenhängen Der Tod von Frauen, die auch Mütter sind, lässt auch die Überlebenschancen von Kindern und Säuglingen sinken.

HIV/AIDS hat in den Entwicklungsländern zunehmend ein weibliches Gesicht. Frauen sind aus sozialen, kulturellen und physiologischen Gründen anfälliger für die Ansteckung (50% der 40 Mill. HIV-positiven Menschen sind Frauen). Die Nachfrage nach Kondomen hat mit der Verbreitung von HIV zugenommen, wobei es zu ernsthaften Versorgungsengpässen kommt. So standen im Jahr 2003 in Afrika südlich der Sahara für jeden Mann nur sechs Kondome aus Spendengeldern zur Verfügung.

(Kapitel 5) Eine Reise ins Unbekannte: Jugendliche, Armut und Gender

Die heutige Generation junger Menschen ist die größte in der Geschichte der Menschheit. Nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung -mehr als 3 Mrd. Menschen - ist jünger als 25 Jahre, wovon 85% davon in Entwicklungsländern leben.

Aufgrund der Notwendigkeit zum Familieneinkommen beitragen zu müssen, brechen viele Jugendliche ihre Ausbildung ab und verlassen die Schule (137 Mill. jugendliche Analphabeten davon 63% Mädchen) und reduzieren dadurch ihre Chancen auf Wohlstand. 14 Mill. Mädchen in den Entwicklungsländer werden jedes Jahr Mutter, wobei ihr Risiko während der Schwangerschaft oder bei der Geburt zu sterben, doppelt so hoch ist wie für Frauen über 20 Jahren. Ein Drittel bis die Hälfte dieser Schwangerschaften sind ungewollt und etwa 5 Mill. davon enden mit einem unsachgemäß durchgeführten Schwangerschaftsabbruch.

Nahezu ein Viertel aller HIV-infizierten Menschen (40 Mill.) sind jünger als 25 Jahre, etwa 6.000 junge Menschen infizieren sich täglich mit dem Virus. In der Russischen Föderation und anderen Ländern Osteuropas und Zentralasien sind mehr als 80% der HIV-Infizierten jünger als 30 Jahre, männlich und oft Drogenkonsumenten, die der Prostitution nachgeht.

(Kapitel 6) Burschen und Männer einbeziehen

Die Kooperation von Männern ist unbedingt dann erforderlich, wenn die Gleichbehandlung der Geschlechter Realität werden soll und das Gleichstellung der Frauen in allen Bereichen seine für beide Geschlechter nützliche Seite entwickeln soll.

Da Männlichkeit u.a. oft auch mit Stärke und mit sexueller Aktivität assoziiert wird, tendieren Männer vermehrt zu riskanten Verhaltensweisen und zur Gewalt. Um die Ausbreitung von HIV/AIDS zu stoppen, ist es notwendig, eine Veränderung des männlichen Sexualverhaltens zu bewirken, solang kein Impfstoff oder Heilungsmethode vorhanden ist.

(Kapitel 7) Gewalt gegen Frauen: Ein zu hoher Preis

Geschlechtspezifische Gewalt ist von allen Menschenrechtsverletzungen jene die am weitesten verbreitet ist und die gesellschaftlich am ehesten toleriert wird. Obwohl Frauen aller Schichten von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind, stellen Armut und mangelnde Bildung zusätzliche Risikofaktoren dar. Geschlechtsspezifische Gewalt umfasst häusliche Gewalt, sexuelle und psychologische Formen der Misshandlung, Praktiken wie die Genitalverstümmelung, vorgeburtliche Selektion nach Geschlecht (in Asien fehlen bereits 60 Mill. Mädchen), systematische Vergewaltigungen bei bewaffneten Konflikten, sexuellen Missbrauch, Zwangs- und Sexarbeit (600.000 bis 800.000 Personen jährlich) etc.. Häusliche Gewalt gegen Frauen bewirkt z.B. in den USA jährlich wirtschaftliche Verluste in der Höhe von 12,6 Mrd. US$ durch Mehrausgaben im Bereich der medizinischen Versorgung, Justiz, Polizei etc.

Gewalt gegen Frauen gefährdet die reproduktive Gesundheit z.B. durch unerwünschte Schwangerschaften, unsichere Schwangerschaftsabbrüche, Fehl- , Früh- und Totgeburten, vorzeitige Wehen, Infektion mit STIs und HIV/AIDS.

(Kapitel 8) Frauen und junge Menschen in humanitären Krisen

Kriege und Naturkatastrophen bewirken den Kollaps der sozialen Systeme und besonders betroffen sind hiervon Frauen. Frauen werden durch systematische Vergewaltigungen vermehrt zu Opfern von geschlechtsspezifischer Gewalt und sind dadurch einem steigenden HIV-Infektionsrisiko und unerwünschte Schwangerschaften ausgesetzt. Durch den Zerfall familiärer Strukturen zerfällt in Krisensituationen und dem unzureichenden Zugang zu Gesundheitsdiensten kommt es zu einem Ansteigen der Mütter- und Säuglingssterblichkeit.

Das internationale Rechtsystem zum Schutz von Frauen und Kindern in bewaffneten Konflikten hat sich für die 25 Mill. Binnenvertriebenen (2/3 der Gesamtheit der Flüchtlinge) als unzureichend erwiesen. Angehörige indigener Gruppen oder ethnischer Minderheiten, die meistens Ziel von Vertreibung sind, stehen nicht unter dem Schutz der internationalen Gesetze, da sie nicht die Landesgrenze überschritten haben.

(Kapitel 9) Fahrplan zu den Milleniumsentwicklungszielen

Fast drei Mrd. Menschen leben von weniger als 2 USD pro Tag, mehr als eine halbe Million Frauen sterben an behandelbaren Schwangerschaftskomplikationen, alle 14 Minuten infiziert sich ein junger Mensch mit HIV/AIDS und Millionen von Frauen und Mädchen leben in ständiger Furcht vor Gewalt. Auf all diese Probleme gibt es eine ethisch akzeptable Antwort: die Erfüllung der Versprechen, die bei den Konferenzen der 90er Jahren und beim Milleniumsgipfel 2000 gegeben wurden.

Das Milleniumsprojekt hat einen Maßnahmenkatalog identifiziert dessen Umsetzung sehr schnell sehr viel (die sog. "quick wins")bewirken könnte:

  • Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen
  • Stärkung der Eigentums- und Erbrechte
  • Ausdehnung der Angebote und des Zugangs zu reproduktiven Gesundheitsdiensten
  • Schließung der Finanzierungslücken füe Verhütungsmittel und
  • Beteiligung der Frauen an der Formulierung der Folgemaßnahmen und -strategien.

Die Kosten für das Erreichen der MDGs belaufen sich auf 135 Mrd. USD im Jahr 2005 und würden bis 2015 auf 195 Mrd. USD ansteigen. Dies alles kann finanziert werden durch die Einhaltung des 35 Jahre alten Versprechens der Industrieländer, 0,7% ihres BNP der offiziellen Entwicklungshilfe (ODA) zur Verfügung zu stellen. Österreichs Beitrag zur ODA belief sich im Jahr 2004 auf 0,23%.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Elisabeth Pracht
Österreichische Gesellschaft für Familienplanung
Tel.: 01 478 52 42
Mobil: 0699 1 163 23 80
Email: e.pracht@oegf.at
Presseinformation lang: http://www.oegf.at/dokumente/swop05.pdf

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0007