- 10.10.2005, 16:29:02
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 11.10.2005: Die Volkspartei braucht neue Gesichter - von Peter Muzik
Wien (OTS) - Da soll sich noch einer auskennen: Bei der
steirischen Wahl wollen die Wählerinnen und Wähler Veränderung, am
darauf folgenden Sonntag wollen sie wieder Kontinuität. Diesmal
lief’s für die Volkspartei zwar besser als eine Woche zuvor. Doch
trotz des spärlichen Stimmenzuwachses im Burgenland kann die in der
Steiermark schwer geschlagene ÖVP keinesfalls Entwarnung geben. Schon
gar nicht zur Tagesordnung übergehen: Denn ihre Aussichten für die
nächsten Nationalratswahlen sind weiterhin alles andere als
berauschend.
Zum einen wird sich die Siegesserie der Roten nach menschlichem
Ermessen fortsetzen. Es sieht ganz so aus, als würde die SPÖ im
Herbst 2006 wieder die Nummer eins sein. Zum anderen wurde am Sonntag
erneut klar, dass das gespaltene Lager der Freiheitlichen völlig
groggy und künftig ziemlich chancenlos ist. Deshalb müsste Wolfgang
Schüssel BZÖ als auch FPÖ sogar dann als potenzielle
Koalitionspartner vergessen, wenn er selbst ein Wunder vollbrächte.
Die ÖVP sollte jedenfalls die Signale der Wahlsonntage verstehen und
in mehrfacher Hinsicht rasch reagieren. Beispielsweise, indem sie ihr
Team dort, wo’s sein muss, austauscht und auf personelle Erneuerung
setzt. Ein solcher Prozess war vor Jahren bei den Sozialdemokraten
unerlässlich, die damals mit Gabi Burgstaller oder Franz Voves
künftigen Siegertypen eine Chance gegeben haben.
Davon scheinen die Schwar-zen aber - trotz der Warnsignale - nichts
wissen zu wollen, zumindest in der Steiermark nicht: Waltraud Klasnic
möchte unbedingt weiterhin Parteichefin bleiben, womit sie der VP
allerdings keinen guten Dienst erweist. Ihr farbloser Nachfolger,
Hermann Schützenhofer, ist in neuer Rolle, als LH-Stellvertreter,
alles andere als eine personelle Attraktion. Schliesslich wird, wie’s
aussieht, bloss Landesrat Gerald Schöpfer sein Amt abgeben bzw. gegen
ein Landtagsmandat eintauschen. Seine bisherigen Kollegen dagegen
dürften weiterhin in der Regierung bleiben.
Dabei wäre die ÖVP bestens beraten, wenn sie möglichst bald auch auf
Bundesebene neue Gesichter in Stellung brächte. Diese sollten als
Alternative etwa zur heftig kritisierten Bildungsministerin Elisabeth
Gehrer verstanden werden und so etwas wie künftige Hoffnungsträger
sein. Mit seiner jetzigen Mannschaft, die sich teilweise recht
abgenützt hat, wird es Kanzler Schüssel beim nächsten Mal wohl nicht
allzu weit bringen. Und vielleicht findet sich auch für ihn eine
Alternative …
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
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