- 02.10.2005, 20:34:33
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Scheidungskrieg war ein Selbstmord auf offener Bühne" (Von Erwin Zankel)
Ausgabe vom 03.10.2005
Graz (OTS) - Nach der Schlammschlacht kam der Erdrutsch: Die Grüne
Mark, die seit 1945 immer schwarz gewesen ist, wurde rot. Kein Stein
blieb auf dem anderen. Waltraud Klasnic, vor fünf Jahren noch die
triumphale Siegerin, wurde in den Abgrund gerissen. Franz Voves, der
vor wenigen Monaten mit dem Gewinn eines zusätzlichen
Regierungssitzes zufrieden gewesen wäre, ist der neue Landeshauptmann
- wohl auch für ihn selbst überraschend.
An seinem klaren Sieg gibt es nichts zu deuteln. Die SPÖ, die in
ihren Hochburgen zur alten Stärke auflief, trug den Quereinsteiger,
der bei seinem Debüt als Wahlkämpfer linkisch wirkte, aber im Zuge
der Kampagne sichtlich kontaktfreudiger wurde, auf ihren Schultern
ins Ziel. Mehrmals war die Partei schon der Mehrheit sehr nahe
gekommen, doch hatte es nie zur Macht gereicht. Diesmal startete man
als Außenseiter, was Kräfte freisetzte, je größer die Aussicht wurde,
die ÖVP zu überholen.
Die ÖVP, die nach 60 Jahren den Sessel des Landeshauptmannes, den sie
in Erbpacht zu besitzen glaubte, räumen muss, ist an ihrem Unglück
selbst schuld. Klasnic bekam die Estag-Krise nie in den Griff. Ihre
Führungsschwäche wurde offenkundig, als sie dem zur Zerreißprobe
ausgearteten Hahnenkampf zwischen Gerhard Hirschmann und Herbert
Paierl viel zu lange zuschaute. Die einst stolze und starke Partei
war keine Stütze mehr - programmatisch ausgelaugt und personell
ausgeblutet verwechselte der Chef der Organisation Politik mit
Aktionismus.
Das Platzen des Projektes Spielberg war ein weiterer Rückschlag, die
Affäre Herberstein ein zusätzlicher Tiefschlag, weil sie auch die
Reputation der Landeshauptfrau beschädigte. Der schmutzige
Scheidungskrieg mit Hirschmann wenige Wochen vor dem Wahltag war
schließlich der Selbstmord auf offener Bühne.
Jetzt liegt die Welt in Scherben. Sollte Rache die Triebkraft gewesen
sein, hat Hirschmann wenigstens ein Ziel erreicht: Klasnic ist weg,
die Partei, deren Obmann er einmal war, geschlagen. Sonst hat der an
seiner Maßlosigkeit gescheiterte Ex-Landesrat alles verfehlt. Er möge
fortan schweigen.
Der Profiteur war der Kommunist. Ernest Kaltenegger genügte die
Botschaft, der abgehobenen Kaste nicht anzugehören, um die Ernte
einzufahren. Zwar nicht so reichlich wie vielfach vermutet, doch
reichlicher als die Grünen, die sich weit mehr erwarteten, sich aber
bloß damit trösten können, dass Blau und Orange von der politischen
Landkarte der Steiermark verschwunden sind.****
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