• 30.09.2005, 20:30:00
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Weiß-grünes Herzschlagfinale und die Mächte des Schicksals" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 01.10.2005

Graz (OTS) - Mit dem Begriff "Schicksalswahl" sind die Parteien
inflationär umgegangen. Fast immer stand das Schicksal des Landes auf
dem Spiel, auch wenn klar war, dass es nach den Wahlen so weiter
gehen wird wie zuvor. Morgen gibt es wieder eine Wahl, die zumindest
aus der Sicht der Partei, die in der Steiermark bisher immer den
Landeshauptmann gestellt hat, eine Schicksalswahl ist.

Für Waltraud Klasnic könnte am 2. Oktober die Stunde des Abschieds
schlagen. Sie erlebte, ja erlitt seit einem Jahr eine beispiellose
Talfahrt. In den Umfragen stürzten sowohl die Prozentzahlen der
Partei als auch ihre Popularitätswerte ab. Die Meinungsforscher sahen
die ÖVP zuletzt hinter der SPÖ, wenngleich der Abstand innerhalb der
Schwankungsbreite liegt und durch einen kraftvollen Endspurt
aufzuholen ist.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen hat es schon gegeben, als die Wahlkämpfe noch
nicht auf Personen zugeschnitten waren. 1953 lag die SPÖ um 2600
Stimmen vorne, doch erhielt die ÖVP ein Mandat mehr, weil damals noch
die Bevölkerungszahl und nicht die Wählerzahl für die Zuteilung der
Mandate maßgeblich war, weshalb die Mandate in den kinderreichen
Agrarbezirken billiger waren.

Mit 2400 Stimmen Vorsprung rettete sich die ÖVP 1995 ins Ziel. Josef
Krainer musste das Ergebnis als Misstrauensvotum auffassen und trat
ab. Klasnic übernahm eine Zitterpartie und bekam 2000 reichen Lohn
der großen Angst. Die ÖVP vergrößerte den Abstand zur SPÖ auf fast
100.000 Stimmen.

2005 ist der dicke Polster weg und Klasnic kann von Glück reden, wenn
ein dünnes Blatt übrig bleiben sollte. Mit des Schicksals Mächten
braucht die ÖVP nicht zu hadern. Am Unglück ist kein Feind von außen
schuld - nicht einmal die Regierung in Wien, die früher oft als
Sündenbock herhalten musste. Die Fehler sind hausgemacht. Das in
einen hässlichen Scheidungskrieg ausgeartete Familiendrama zwischen
Gerhard Hirschmann und der steirischen ÖVP hat Klasnic in ihrer
Kernkompetenz der mitfühlenden und instinktsicheren Landesmutter
beschädigt.

Franz Voves ist so aus der Rolle des Außenseiters in die des
Herausforderers geraten. Von sich aus hat der SPÖ-Chef nicht viel
beigetragen, um die Stimmung für einen Wechsel zu erzeugen, doch wird
der ehemalige Eishockey-Stürmer wissen, dass zum Siegen auch Tore und
nicht nur Fehler des Gegners gehören.

In diesem Duell sind alle Konkurrenten keine Sekundanten, sondern
Statisten. Entscheidend ist in der Landespolitik, wer die Nummer eins
ist. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

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