- 30.09.2005, 13:18:49
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Vielfältige gegenwärtige Kunst- und Klangwelten
Kontracom06 - Contemporary.Festival.Salzburg vom 12. Mai bis 16. Juli 2006
Salzburg (OTS) - "Wir haben immer versprochen, dass im Mozart-Jahr
2006 auch die zeitgenössische Kunst nicht zu kurz kommt. Es freut
mich, dass das Projekt Kontracom nun tatsächlich besonders innovative
Künstlerinnen und Künstler für Salzburg gewonnen hat. So ist
sichergestellt, dass der Dialog zwischen Klassischem und Modernem in
Salzburg auch im Jahr 2006 seinen Platz hat", sagte Salzburgs
Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Othmar Raus heute
Freitag, 30. September, bei der Präsentation des Gesamtkonzeptes des
Festivals "KONTRACOM - CONTEMPORARY.FESTIVAL.SALZBURG", das vom 12.
Mai bis 16. Juli 2006 erstmals in Salzburg stattfinden wird.
Das Festival verfolgt die Idee, internationale Kunst in ihren
neuesten Erscheinungsformen in den Mittelpunkt zu stellen. Der Bogen
reicht von klangkünstlerischen Arbeiten und Installationen bis hin zu
Environments und Videoarbeiten. Kuratiert von Mag. Max Hollein und
Tomas Zierhofer-Kin werden internationale Künstler aus den Bereichen
bildende Kunst und Musik eingeladen, Projekte für Salzburg zu
entwickeln.
"Salzburg ist weltberühmt für klassische Musik. Erklärtes Ziel von
Kontracom06 ist es, Salzburg auch als Standort und Heimat für
aktuelles Kunstschaffen in seinen neuesten Erscheinungsformen zu
festigen. Eine wesentliche Komponente wird dabei die
Grenzüberschreitung zwischen den einzelnen Kunstgattungen sowie
zwischen Kunst und Populärkultur und die aktive Einbeziehung des
Publikums sein. Die visuellen Aspekte der für Salzburg entstehenden
Arbeiten werden gleichrangige Bedeutung haben wie die
akustisch-musikalischen", so Raus.
Mit dem Mozart-Jahr als Start des neuen Festivals wird auf
entsprechende mediale Aufmerksamkeit gesetzt, zumal es ein Wunsch der
Stadt Salzburg ist, Kontracom in einem zweijährigen Rhythmus in
Zukunft fortzusetzen. Daher ist die Durchführung und Realisierung von
Kontracom06 mit international profilierten Künstler/innen von
besonderer Bedeutung. Ausschließlich neueste Arbeiten für Salzburg
mit Uraufführungen, Installationen und die Vernetzung der einzelnen
Disziplinen dürfen erwartet werden.
Kontracom06 wird vom Generalsekretariat Mozart 2006 organisiert
und abgewickelt; für die darauf folgenden Jahre wird dies dann Sache
der Kulturabteilung der Stadt in einer noch zu definierenden
Organisationsform werden.
"Stadt und Land Salzburg fördern Kontracom06 mit insgesamt 900.000
Euro. Darüber hinaus tragen wir für Sonderprojekte der regionalen
Szene 500.000 Euro bei. Diese werden in eine Veranstaltungsserie
zusammengefasst und im September/Oktober 2006 komprimiert
durchgeführt", erläuterte Raus. "Dazu kommen Projekte für Kinder und
Jugendliche sowie eine Reihe wissenschaftlicher Sonderprojekte mit
regionalen Institutionen und Veranstaltern, die ebenfalls mit rund
680.000 Euro subventioniert werden."
Als Dachsponsor für Kontracom06 konnte der Tourismusverband Altstadt
Salzburg mit einem Beitrag von 450.000 Euro gewonnen werden.
Geschäftsführerin Mag. Inga Horny: "Entsprechend unserem Verständnis,
künstlerische Kreativität in der Altstadt zu fördern und kulturelle
Qualität zu fordern, freut es uns, zur Ermöglichung dieses Projektes
zeitgenössischer Kunst beitragen zu können. Durch Kontracom wird die
Altstadt zur Bühne, die Kreativität erlebbar macht und zum Raum für
die Vielfalt künstlerischen Schaffens."
Die Kuratoren und Künstler
Für 2006 wurden Mag. Max Hollein, Direktor der Schirn Kunsthalle
Frankfurt, und Tomas Zierhofer-Kin, künstlerischer Leiter des
Donaufestivals, mit der Erstellung des künstlerischen Konzepts und
der Künstlerauswahl beauftragt.
Für Max Hollein ist es von besonderer Bedeutung, dass sich die
Installationen und Arbeiten bewusst mit der Identität des Ortes der
Intervention auseinandersetzen. Die künstlerische Geste beinhaltet
die radikale Transformation ebenso wie die kaum wahrnehmbare subtile
Veränderung. "Für die Wirkung der Arbeiten steht der Stadtkern
Salzburgs - die Altstadt als prägendes Identifikationszentrum in
ihrer Kulissenhaftigkeit - im Vordergrund. Insofern wurden als Orte
ganz bewusst neuralgische Zonen innerhalb dieses kondensierten und
auf Gleichklang geschalteten urbanen Raums ausgewählt. Die Altstadt
von Salzburg, Ort großer Geschichte, einzigartiger Architektur und
herausragendem Stadtensemble ist Plattform für diese verschiedenen
künstlerischen Interventionen. Die Eingriffe werden den Ort temporär
transformieren, adaptieren, umwidmen, konterkarieren und ihn damit
neu wahrnehmbar machen", so Hollein.
"Die Arbeiten der Künstler wenden sich bewusst an den anonymen,
zufälligen Besucher, der unvorbereitet konfrontiert wird, auch
bisweilen in sie 'hineingerät' ohne diese a priori sofort als
künstlerische Interventionen zu decodieren. Die Installationen sind
nicht auf sich selbst bezogene skulpturale Objekte in der Mitte eines
Platzes, sondern vielmehr Arbeiten, die ganz bewusst auf diese
architektonische und soziale Umgebung reflektieren, kommentieren,
benutzen, vereinnahmen und auflösen. Diese radikale Transformation
des Gegebenen dient der Realisation einer neuen Erfahrungsebene des
permanent Vorhandenen, mit direkter Wirkung auf den Betrachter, der
in der Regel auch sein Verhalten als Benutzer der Stadt verändern
muss. Es sind Arbeiten, die bisweilen eine immanente Wirkung sowohl
auf das Stadtbild selbst als auch eine besondere Kraft auf die
psychische und physische Rezeption des zufälligen
Betrachters/Betreters/Benutzers haben", erläuterte Hollein.
Max Hollein hat folgende Künstler - wie auch in gemeinsamen
Begehungen nachfolgende Orte für ihre Arbeiten - ausgewählt:
- Knut ASDAM / Franziskanergasse - Christoph BÜCHEL / Staatsbrücke - Michael ELMGREEN / Ingar DRAGSET - Ayse ERKMEN / Alter Markt - Jonathan MEESE / Siegmundstor - Olaf NICOLAI / Getreidegasse, Alter Markt, Judengasse - Paola PIVI / Mozartplatz - Michael SAILSTORFER / Mirabellplatz - Hans SCHABUS / Mirabellgarten - Markus SCHINWALD / Rathaus
Auch das Musikprogramm von Kontracom06 wird ein kräftiges Zeichen
gegen museale Kultur setzen, verspricht Tomas Zierhofer-Kin. In den
Produktionen, die für das Festival in Auftrag gegeben werden, soll
Salzburg international als Zentrum für Innovation und Aufbruch
gesehen werden. Spielort ist ebenfalls die Altstadt, das Programm
entwickelt seine Dynamik aus der Dialektik von Veranstaltungen im
öffentlichen Raum und Veranstaltungen im republic.
"Hochkultur steht in Salzburg immer in Widerspruch mit Sub- und
Populärkultur, die damit verbundene Wertigkeit ist, auch angesichts
der Tatsache, dass Mozart einen Großteil seiner musikalischen Sprache
aus dem Bereich der Unterhaltungs- und Tanzmusik bezogen hat, sehr
verwunderlich. In diskursiven Partys setzen sich Künstler/innen und
Künstlergruppen mit diesem Spannungsfeld auseinander. Das republic
wird mit mehreren Bühnen zu einer Art musikalischem Erlebnispark, der
Querbezüge zu anderen Kunstsparten und Grenzgänge zulassen wird", so
Zierhofer-Kin.
Künstler und Künstlerinnen KONTRACOM music (Reihenfolge entspricht
dem zeitlichen Programmablauf)
FELIX KUBIN und WOJTEK KUCHARCZYK: "Territerrortorium - Live
Hörspiel-Performance" und Felix Kubin Solo-Show
Der Soundkünstler Felix Kubin und der polnische Elektronikmusiker
Wojtek Kucharczyk konfrontieren sich in "Territerrortorium" - einer
experimentellen, hörspielartigen "Soundschlacht" - mit Stereotypen
ihrer jeweiligen Kultur. Elektropop, Noise, schnelle Schnitte,
Plunderphonics, gefakte Dokumentationen und gesprochenes Wort
verweben sich zu einem Hörspiel - einer Soundcollage im Stil der
musique-concrète - das zur Eröffnung von Kontracom im Salzburger
Republic live in Szene gesetzt wird. Im Anschluss daran wird der
Elektroanarchist Kubin als DJ die Eröffnungsparty bis in den frühen
Morgen gestalten.
RADIUS
Elektronische- und Nonkonforme Musik (Electro, Techno,
Experimental Electronica, Drum’n’Bass, Alternative Rock, Russ-Wave),
DJs, Audiovisual Arts, Site Specific Installations, Film und Fashion
Style "Made in Russia"
Das republic verwandelt sich am ersten Wochenende des
musikalischen Teils von Kontracom zu einem Ort einer gleichermaßen
wundersamen wie sensationellen Begegnung: Eine Art Diskurs-Party als
Event und Plattform für zeitgenössische, innovative, avancierte
Projekte und Kunst-Schaffende so wie Aktivisten aus den Bereichen von
Musik, Fine Arts, Design, Mode aus Zentral- und Osteuropa, dem
Baltikum sowie Russland. Konzept, Compiling: Anna Ceeh, Franz Pomassl
(Rus Klub)
MIKE LADD, VIJAY IYER, IBRAHIM QURAISHI: STILL LIFE WITH COMMENTATOR
Eine höchst ungewöhnliche Zusammenarbeit dreier ganz
unterschiedlicher Künstlerpersönlichkeiten wird am zweiten Wochenende
auf Einladung von Mike Ladd stattfinden. Mike Ladd, weltbekannt als
Spoken Word Künstler, HipHop-Star und Rap-Intellektueller, wird
zusammen mit dem Komponisten Vijay Iyer und dem Konzept- und
Performance-Künstler Ibrahim Quraishi eine transmediale
Musiktheater-Performance mit "äußerst dunklem Humor" über die Rolle
von Rezipienten und Medien in den so genannten "modernen,
zivilisierten" Gesellschaften inszenieren.
RADIAN
Es ist beinahe so, als hätten sich Radian die Aufgabe gestellt,
alle in den letzten Jahren stattgefundenen Versuche, Rock zu
zertrümmern und auf dem Bildschirm wieder zusammenzusetzen, nochmals
zusammenzufassen. So Detail versessen wurde schon seit Ewigkeiten
nicht mehr an Geräuschen laboriert, Leerstellen ausgemessen und die
Wertigkeit von Klangpartikeln strategisch in Relation zum Nichts
gesetzt - und dadurch ins Unermessliche erhöht bzw. auf das
Wesentliche verdichtet. Irgendwo an den Schnittstellen der Genres
Band und elektronischer Musik angesiedelt, gehören Radian zu den
international wichtigsten Vertretern experimenteller Musik aus
Österreich. Für das Festival werden sie zusammen mit einigen Gästen
aus unterschiedlichen künstlerischen Me-dien das republic in einen
wunderbaren Klangraum verwandeln.
FRANZ POMASSL
Franz Pomassl gilt international als einer der renommiertesten
Vertreter von experimenteller Klangkunst. Seine Arbeit findet an den
Grenzen menschlicher Hörwahrnehmung und deren Überschreitung statt.
Für Kontracom wird er in einer performativen Installation von den
Glockentürmen herab ein Klangnetz über die Salzburger Altstadt legen,
das von den Rezipient/innen erwandert und erhört werden kann.
FUNKKOPFSTÖRUNG - The Inverted Parade / FUNK-Parade (Downtown
Salzburg ON EAR)
Untertitel: Eine Versuchsanordnung im öffentlichen Raum
Konzept: Oliver Hangl; Konzert: Funkstörung feat. N.N., MC Bruder
(Das Department - angefragt)
Der Wiener Künstler Oliver Hangl inszeniert für Kontracom einen
Umzug der besonderen Art: eine invertierte Parade, die nur für die
Teilnehmer hörbar ist: 300 funkkopfhörerbestückte Menschen ziehen
quasi lautlos tanzend durch die Salzburger Innenstadt und liefern den
staunenden Passanten ein vom Ton getrenntes, stummes Visual. Ein
nicht eindeutig kodierbarer Festzug, eine Prozession, die auf Grund
der nach innen gewandten Parole ein subversives Potenzial in sich
trägt.
Während die Rosenheimer "electronic wizards" Funkstörung (!K7) auf
dem ersten Truck live spielen, wird die Musik ausschließlich über
Funkkopfhörer übertragen. Keine Verstärker, keine Lautsprecher! Da
keine akustischen Instrumente verwendet werden, bleibt allein die
Stimme des Sängers nach außen hin hörbar. Auf dem zweiten Truck
befindet sich der Berliner MC Bruder (Das Department), der auf
Deutsch über den Sound von Funkstörung rappt und so eine zweite
Bedeutungsebene einzieht. Er wirft, indem er auf reale Situationen
reagiert, einen Live-Kommentar auf die Strasse zurück. Auf Grund der
Zweikanaltechnik kann jeder Besucher im Kopfhörer zwischen den beiden
Sets wählen (!): Inszeniertes Konzert vs. inszenierte Realität.
Die teilnehmenden Künstler/innen und biographischen Daten in
alphabetischer Reihenfolge
Knut ASDAM
1968 in Trondheim/Norwegen geboren, hat nach einem 12-jährigen
Aufenthalt in New York seinen derzeitigen Lebensmittelpunkt in Paris
und Oslo.
Der Videokünstler kann eine Vielzahl an Einzel- und
Gruppenausstellungen weltweit vorweisen, außerdem die Teilnahme an
internationalen renommierten Filmfestivals wie "Locarno Film
Festival" und "International Festival of Short Film of Bilbao". 2004
wurde er mit dem "Artimage Internationalen Film- und Video-Preis" in
Österreich ausgezeichnet.
Christoph BÜCHEL
1966 in Basel geboren, absolvierte 1989 die Schule für Gestaltung in
Basel und war 1989/90 in der Cooper Union School of Art in New York
tätig. Von 1992 bis 1997 besuchte er die Kunstakademie in Düsseldorf
und beendete seine Ausbildungszeit mit einem Stipendium 2000/01 in
New York.
Er zählt mittlerweile zu den bedeutendsten zeitgenössischen
Künstlern. Seine außergewöhnlichen Installationen finden sich quer
durch Europa, sowie in den USA (Internat. Architektur
Biennale/Venedig 2000, White Columns in New York 2000, House of
Contemporary Arts Trafo in Budapest 2000, Tirana Biennale in New York
2001, Kunsthaus Zürich und Kunstverein Hannover 2002, Kunstraum
München / Haus der Kunst 2002, Siemens Art Program 2003 ...).
Anna CEEH
1974 in St. Petersburg (Russland) geboren, studierte von 2001-2005 an
der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo sie derzeit auch lebt.
Sie arbeitet vorwiegend im Visual-Bereich, ist Fotografin und
betreibt ein Musik Label.
Ihre Fotografien und Videofilme wurden bisher u. a. in Bratislava,
in der Wiener Secession, im MAK und im Künstlerhaus, im Kunstraum in
Innsbruck, sowie in Moskau, Berlin, St. Petersburg, Kiew und Odessa
gezeigt. Ihr jüngstes Projekt ist die Realisierung der Reihe RADIUS
und RUS CLUB, eine Plattform für Projekte in den Bereichen der Musik,
bildenden Künste, Mode, Design und Literatur aus Zentral- und
Osteuropa sowie Russland.
Michael ELMGREEN / Ingrar DRAGSET
Das skandinavische Künstlerduo Elmgreen (geb.1961 in
Kopenhagen/DK) und Dragset (geb. 1969 in Trondheim/N) arbeitet seit
1995 mit den vielfachen Bedeutungen räumlicher Sphären - dem
architektonischen, dem Ausstellungs- und dem öffentlichen Raum. Die
Werke reflektieren tägliche Verhaltensformen, in dem diese verworfen
werden und den Betrachter unmittelbar berühren, ihn auf die
Möglichkeit hinweisen, für sich selbst neue Orte ohne eindeutig
definiertes Innen und Außen zu schaffen.
Ihre Werke sind in internationalen Ausstellungen, Museen und
Privatsammlungen rund um den Erdball präsentiert.
Ayse ERKMEN
1949 in der Türkei geboren, lebt abwechselnd in Istanbul und Berlin.
Derzeit hat sie eine Professur an der Städelschule in Frankfurt inne.
Skulpturen, Objekte, Installationen, Interventionen auch im
öffentlichen Raum prägen ihre künstlerische Arbeit. Sie kann auf eine
Vielzahl auf Ausstellungen in renommierten internationalen Galerien
und Museen verweisen (darunter "Durchnaest" im Jahr 2004 in der
Kunsthalle Schirn in Frankfurt/Main, "Not a good sign" in der Wiener
Secession und "Blood and Honey" in der Sammlung Essl).
Oliver HANGL
1968 in Grieskirchen/OÖ geboren, lebt und arbeitet derzeit in Wien.
Er studierte Theaterwissenschaft und Italienisch an der Universität
Wien und startete seine Karriere ursprünglich als Schauspieler und
Bühnenbildner (u.a. Serapionstheater, "Assistent Robin" in der
TV-Produktion "Phettbergs Nette Leit Show"). Er arbeitet an der
Schnittstelle zwischen Theater, Film und bildender Kunst. In den
verschiedensten audiovisuellen Medien inszeniert er künstliche
Einblicke in Szenerien, die für den Zuschauer zur Projektionsfläche
für die Klischees und Fiktionen ihrer eigenen Identität werden
können. Hangl bewegt sich in einem breiten Betätigungsfeld, in dem er
oft seine Position zwischen Künstler, Darsteller, Produzent und/oder
Regisseur wechselt. So kuratierte er u.a. eine internationale
Videoprogrammreihe, gründete ein Museum und kollaboriert regelmäßig
mit anderen Künstlern.
Wojtek KUCHARCZYK
1969 in Katowice/Polen, studierte an der Akademie der Bildenden
Künste in Krakau, und graduierte 1994. Er lebt heute in der
Kleinstadt Skoczów und beschäftigt sich mit fast jeder Kunstrichtung.
Er ist hauptsächlich als Musiker bekannt, kann zahlreiche CDs und
Schallplatten vorweisen, aber auch viele Einzel- und
Gruppenausstellungen in Köln, Turin, Liege und Bethlehem. 2002 war er
an der Gestaltung des polnischen Pavillions auf der Expo in Hannover
beteiligt.
Eines der jüngsten Highlights ist die Kooperation mit Felix Kubin
bei dem Projekt "Territerrortorium", produziert und gesendet bei
Deutschlandradio und Kunstradio/ORF.
Felix KUBIN
1969 in Hamburg geboren, veröffentlichte seit 1992 eine Unzahl von
Tonträgern, die von sozialistischen Singliedern über futuristischen
Krach bis hin zu Sci-Fi Pop reichen. 1998 gründete er des Label
Gagarin Records, seit 1999 ist er Betreiber des Syndikats für
Gegenlärm. Seit 2000 produziert er experimentelle Hörspiele u. a. für
den WDR und ORF. Seit der Jahrtausendwende gilt seine Aufmerksamkeit
der Psykotronik, die er in experimentellen Hörspielen umsetzt. Er
kann viele Auftritte und Tonträgerveröffentlichungen in Europa, Japan
und Nordamerika vorweisen.
Mike LADD
Der amerikanische Experimentalmusiker Mike Ladd lieferte mit seinen
Alben "welcome to the afterfuture" oder "easy listening for
armageddon" entscheidende Beiträge zur Zukunft des HipHop. Der New
Yorker entstammt einer schwarzen Poetry Szene mit Hang zum
politischen Intellektualismus. Er ist Autor, Musiker und auch
Produ-zent von Tracks, die sich zielsicher auf Neuland zubewegen,
denn seine Ambition ist ein radikaler Anspruch an musikalische
Innovation auf einer für die black community ähnlichen
Bedeutungsebene wie Screamin Jay Haw-kins oder Grace Jones. Sein
Faible für Science Fiction-Schriftsteller wie Samuel Delaney lässt
Ladd ebenso in seine Musik einfließen wie seine Bewunderung für Sun
Ra oder Funkadelic. Dabei blendet er mühelos Stile von HipHop,
Electronik, Punk, Spoken Word, Surf, Lounge und Blues und verwischt
damit auch deren Grenzen.
Jonathan MEESE
1971 in Tokyo geboren, lebt und arbeitet in Berlin und Hamburg. Der
34-jährige Shootingstar, der bei Galeristen und Sammlern in Hamburg,
Berlin, London und New York hoch gefragt ist, gilt als "Wunderknabe
der Stunde". Er malt selbsttrunkene Trash-Panoramen, liebt
apokalyptische Filme, hat jüngst als Bühnenbildner an Frank Castorfs
Volksbühne/Berlin debütiert und zeichnete zuletzt an der Berliner
Staatsoper verantwortlich für die Performance und das Bühnenbild mit
dem Produktionstitel "Jonathan Meese ist Mutter Parzival".
Olaf NICOLAI
1962 in Halle/Saale geboren, lebt und arbeitet derzeit in Berlin.
1988 absolvierte er das Studium der Germanistik und promovierte 1992
zum Thema "Geste zwischen Expression und Kalkül. Zur Poetik der
Wiener Gruppe". Für das Projekt "Junge Stadt sieht junge Kunst":
"Olaf Nicolai - Die Flamme der Revolution (liegend in Wolfsburg)"
erhielt er im Jahr 2002 den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg,
Städtische Galerie Wolfsburg. Seine Ausstellungen im Jahr 2005
reichen von New York bis zur Biennale in Venedig.
Paola PIVI
1971 in Mailand geboren, lebt und arbeitet derzeit in London. Sie ist
für ihre surrealistischen Fotomotive bekannt und inszeniert alles in
der Realität, ohne die Bilder am Computer zu manipulieren. Bekannt
sind z.B. der Esel auf dem Kahn im Wasser oder ein "umgestürzter"
Lastwagen. Zu ihren letzten Einzelausstellungen zählen die
Soloprojekte "FANT ASS TIC" (Galleria Massimo De Carlo, Milano 2005)
und "To Me", (curated by T. Dillon, Platfor-mart, Gloucester Road
Underground Station, London 2004) sowie "Paola Pivi" (Galerie
Emmanuel Perrotin, Paris 2004). Hervorzuheben ist weiters das Projekt
"Animal Skin" (Alta Moda Roma, mit Maurizio Pecoraro, Auditorio Parco
della Musica, Roma 2003).
Franz POMASSL
1991 absolvierte er die Universität für Musik und Darstellende Kunst,
Institut für Elektroakustik und Experimentelle Musik. 1995 schloss er
das Studium an der Akademie der Bildenden Künste/Wien, Fachrichtung
Neue Medien ab und setzte 1996 sein Studium an der Zokey Daigaku
University in Tokio fort. Derzeit lebt Pomassl in Jaidhof und Wien,
operiert an den Grenzen und an der Expansion des menschlich auditiven
Wahrnehmungssystems, überschreitet vorgegebene auditive Parameter des
technischen Equipments, lotet mögliche Barrieren akustischer
Rezeption durch kompromissloses Negieren derselben aus. Franz Pomassl
hat zahlreiche Tonträger veröffentlicht sowie Kompilations-Beiträge
auf Labels wie Laton, Sabotage, Craft, Plate Lunche, Rough Trade oder
Discono produziert. Weitere künstlerische Aktivitäten: DJ-Sets und
Live-Acts in etlichen europäischen Ländern sowie in Japan,
internationale Beteiligungen bei Festivals und Ausstellungen (u.a.
Construction Sounds mit Kodwo Eshun, Manifesta 2, Phonotaktik, Ars
Electronica, "Steirischer Herbst").
Michael SAILSTORFER
1979 geboren, besuchte von 1999 bis 2003 die Akademie der Bildenden
Künste in München, von 2003 bis 2004 erhielt er ein Stipendium für
die MA Fine Art, Goldsmiths College, University of London. 2005
arbeitete er aufgrund eines Stipendiums in Los Angeles. Heuer erhielt
er den "Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen", Kunsthalle Bremen,
Deutschland. Kritiker sagen dem erst 25-jährigen
Installations-Künstler aus München eine steile Karriere voraus.
Hans SCHABUS
1970 geboren, lebt und arbeitet derzeit in Wien. Als österreichischer
Vertreter der Biennale di Venezia 2005 ges-taltete Hans Schabus den
Hofmann-Pavillon mit dem Projekttitel "Das Letzte Land" (Eröffnung am
10. Juni 2005), welches durch alle Fachmedien Europas wanderte. Im
August 2005 wurde ihm der Kardinal König Preis in Salz-burg
verliehen.
Markus SCHINWALD
1973 in Salzburg geboren, lebt und arbeitet derzeit in Wien. Zu
seinem Repertoire gehören Fotografie, Film, Zeichnung und
Rauminstallation ebenso wie theaterhafte Inszenierungen, Kleider- und
Schuhentwürfe. Höhepunkte seiner künstlerischen Arbeiten sind
beispielsweise die Teilnahme an der Biennale Venedig 2003, die
Einladung ins Austrian Culture Forum New York 2004 mit der Produktion
"One in a million: Economies of the Self in Everyday Urban Life" und
derzeit Arbeiten im ARCO in Madrid 2005 und der Boettcher Preis,
Kunsthalle Bremen 2005. Vorgestern (28. September) erhielt Schinwald
als erster Preisträger den "T-Mobile Art Award".
RADIAN
Das Trio Radian entstammt dem Wiener Untergrund und findet mit
seinen Produktionen im Umfeld von Post-Rock Bands eine zweite Heimat.
Bis ins Jahr 1998 reichen die ersten musikalischen Gehversuche von
Martin Brandlmayer, Stefan Németh und John Norman zurück. Vom Konzept
her einer richtigen Band nicht ganz unähn-lich, klingt die Musik von
Radian viel eher wie computergenerierte Electronica. Radian
überraschten mit ihrem Debüt, das beim Wiener Label Rhiz Records
erschien. Ihre Mischung aus live eingespielten Instrumenten und
elektronischer Nachbearbeitung bescherte ihnen erste internationale
Aufmerksamkeit.
2002 kam "Rec extern" beim Chicagoer Label Thrill Jockey heraus,
wodurch erstmals eine breit gestreute internationale Hörergemeinde
erreicht wurde. Gute Kritiken rund um den Globus stellten sich in der
Folge ein und ermutigten Brandlmayer, Németh und Norman, ihren
musikalischen Output mit Projekten wie Trapist, Lokai oder Kapital 1
Band weiter zu forcieren. 2004 erschien "Juxtaposition". j201-21
Zu dieser Landeskorrespondenz steht digitales druckfähiges
Bildmaterial in der Bilddatenbank des Landes unter
www.salzburg.gv.at/bilddatenbank zur Verfügung. Zum schnellen
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