• 29.09.2005, 20:24:46
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Tempo 160, ein schneller Weg zu ein paar Prozentpünktchen" (Von Gerhard Torner)

Ausgabe vom 30.09.2005

Graz (OTS) - Hubert Gorbach soll mit seinem Tempo 160 Gas geben.
Denn wenn er nach der nächsten Wahl ins Ländle zurückkehren muss, ist
die Chance auf so ein Temporäuscherl äußerst klein. "Bis ich auf 160
bin, steh ich schon vor der Abfahrt. Und drüben, in der Schweiz,
kommt so was teuer", spricht ein Vorarlberger Kollege, wohl aus
Erfahrung.

Auch Verkehrsminister Gorbach ist ein scharfer Beobachter. Richtig
ist nämlich, dass die Autos in den letzten 30 Jahren besser wurden
und - dank fleißiger Steuerzahler - auch die Straßen. Weiß er aber
auch, dass sich gleichzeitig das Verkehrsaufkommen vervielfacht hat?
Sicher, der Mann ist ja nicht . . . Jedenfalls nicht so dumm wie
seine Gegner, die ihm da jetzt auf den Leim gehen. Denn worum geht es
denn? Um rund 200 Kilometer, zehn Prozent (!) des österreichischen
Autobahnnetzes. Zieht man die Baustellen ab, bleiben 100 Kilometer
übrig. Hinzu kommt die Wetterbremse, denn Gorbach will die Strecken
ja mit einer flexiblen Geschwindigkeitsanzeige ausrüsten - die er
wohl aus seiner Portokasse zahlt. Also bleiben übers Jahr gerechnet
vielleicht 50 Kilometer. Und dafür lohnt sich der Wirbel?

Ja, denn beim Bleifuß geht es vermutlich um ein wichtiges Gliedmaß.
Das ist auch in Italien so. Dort dürfte man seit zwei Jahren 150 km/h
fahren, wenn man dürfte. Zu Deutsch: Es gibt das Gesetz, aber keine
Strecke (!?!).

Auf der Strecke geblieben ist übrigens auch der noch immer bundesweit
nicht sehr bekannte steirische VP-Klubobmann Christopher Drexler. Er
hat im Sommer 2003 Tempo 160 angeregt. Und jetzt fährt der BZÖ-Mann
Gorbach die Stimmen ein. Pech. Oder handelt es sich hier um
Nachbarschaftshilfe? Immerhin sind zehn der 200 Kilometer auf
steirischem Boden. Einen Verdacht sollten wir eigentlich überhaupt
nicht äußern. Dass es sich dabei um eine Verbeugung vor dem Hause
Magna Steyr handelt, da die Autoschmiede vor den Werkstoren in Graz
bekanntlich dringend einen Auslauf (sprich: Anlauf, äh, Teststrecke)
braucht.

Schluss mit Mutmaßungen. Nett ist schon vom Herrn Minister, den ein
Spritmehrverbrauch im Dienstauto sicher nicht kümmert und ein
mögliches höheres Unfallrisiko getreu dem Motto "Wer nix riskiert . .
. " nicht juckt, dass er sich jeden einzelnen Abschnitt persönlich
anschauen möchte, bevor da Tempo 160 gilt.

Es ist nur einfach alles so simpel durchschaubar, dass einem auch
ohne Geschwindigkeitsrausch wenige Tage vor den Wahlen in der
Steiermark, im Burgenland und in Wien schwindlig werden kann.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

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