- 23.09.2005, 11:47:03
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Unis: Broukal fordert sofortige Änderung von Gehrers "Husch-Pfusch-Gesetz"
"Pontius Pilatus-Haltung" Gehrers - Ministerin wäscht ihre Hände in Unschuld
Wien (SK) - Die SPÖ fordert zur Wiederherstellung des freien
Uni-Zugangs, dass das "Husch-Pfusch-Gesetz" vom 8. Juli 2005 sofort
geändert wird. Einzelne Unis seien mit der Durchführung von
Aufnahmeverfahren heillos überfordert, die Verfahren hätten mit
Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun, sondern mit Willkür und
Missachtung der Studienanfänger, so SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef
Broukal Freitag in einer Pressekonferenz. Broukal warf Ministerin
Gehrer eine "Pontius Pilatus-Haltung" vor, sie "wasche ihre Hände in
Unschuld". Neben sechs Sofortmaßnahmen präsentierte der
SPÖ-Wissenschaftssprecher auch den neuen Vorschlag, mit einem
Medizin-Kolleg an Höheren Schulen den österreichischen Maturanten
einen Vorsprung fürs Medizin-Studium zu verschaffen. ****
Weniger Werbung, mehr Studienplätze
Wie Broukal betonte, zeige sich, dass viele der
Studienbeschränkungen gar nicht notwendig sind. Aus den aktuellen
Anmeldedaten gehe hervor, dass sich der Andrang auf die
Studienrichtungen BWL, Psychologie, Pharmazie, Publizistik und
Biologie in Grenzen hält - bisher seien hier 512 Studierende
abgewiesen worden. "Die Zugangsbeschränkungen in diesen Fächern sind
nicht zu rechtfertigen und müssen sofort aufgehoben werden", so der
SPÖ-Wissenschaftssprecher. Gehrer müsse den Unis das Geld geben,
damit diese ihr Angebot in diesen Fächern ausweiten können. "Alle
Interessierten können und sollen einen Studienplatz bekommen." Bei
den genannten "Buchwissenschaften" koste ein Studienplatz pro Jahr
rund 3.200 Euro. "Es ist eine unnötige Härte, den Unis nicht sofort
jene 1,6 Millionen Euro zusätzlich zu geben, die notwendig wären, um
die 512 Abgewiesenen doch noch aufzunehmen", betonte Broukal, der von
Gehrer fordert: "Weniger Werbung, mehr Studienplätze". Immerhin gebe
die Ministerin für die Plakataktion "Neue Schule" 800.000 Euro aus
und die geplante PR-Aktion Forschung und Entwicklung koste 12
Millionen Euro.
Für die Studienrichtungen Medizin und Veterinärmedizin, in denen
Zulassungsbeschränkungen vorläufig unumgänglich seien, fordert
Broukal bundeseinheitliche Zugangskriterien, die objektivierbaren
Leistungskriterien entsprechen. Der SPÖ-Wissenschaftssprecher
berichtete in diesem Zusammenhang von der Med-Uni Innsbruck, wo
Willkür herrsche und das Rektorat mit der Verwaltung überfordert sei.
Nun sei ein neuer Fall eines Zivildieners aus Vöcklabruck bekannt
geworden, der sich am ersten Anmeldungstag nicht persönlich - er
musste im Krankenhaus arbeiten -, aber im Internet und später
eingeschrieben angemeldet hat, aber dennoch abgewiesen wurde. Hier
bezweifle auch der Rechtsanwalt, dass schon am ersten Anmeldungstag
alle Plätze vergeben waren.
Das Ministerium wisse auf jeden Fall seit Anfang Juli von den
Absurditäten - etwa, dass an der Med-Uni Innsbruck u.a. Güte des
Bewerbungsschreibens, Verwandte in Tirol und Maturanoten zählen. "Die
Ministerin hat all diese Dinge passieren lassen und nicht gehandelt.
Das Einzige, das sie nun macht, ist einen Arbeitskreis zu gründen,
der Lösungen für das nächste Jahr bringen soll", so Broukal, der
fordert, dass das Aufnahmeverfahren in Innsbruck noch einmal
durchleuchtet werden soll und die zu Unrecht Abgewiesenen zusätzliche
Plätze bekommen sollen.
Neuer SPÖ-Vorschlag: Medizin-Kolleg an Höheren Schulen
Trotz dieser offenkundigen Missstände hätten Ministerin Gehrer und
ÖVP-Wissenschaftssprecherin Brinek keine Vorschläge vorzuweisen;
diese kamen bisher nur von der SPÖ und vom BZÖ-Obmann. Broukal
präsentierte in diesem Zusammenhang folgenden neuen Vorschlag: So
soll in den letzten beiden Klassen der Höheren Schulen ein
freiwilliges Medizin-Kolleg zusätzliche Kenntnisse in Biologie,
Chemie und Physik vermitteln. Der erfolgreiche Besuch dieser
Freifächer solle als Voraussetzung für die Aufnahme zum Studium von
Medizin und Veterinärmedizin anerkannt werden. Auf diese Weise
müssten mehr österreichische als deutsche Maturanten einen
Studienplatz bekommen, erklärte Broukal und fügte hinzu, dass dies
auch "absolut EU-konform" sei.
Sechs Sofortmaßnahmen
Gehrer jedoch tue so, als ginge sie die Misere nichts an; sie sei
dringend zum Handeln aufgeordert. Solange es keine zusätzlichen
Mittel für die Unis gibt, seien folgende Maßnahmen rasch umzusetzen:
1. Das Bildungsministerium muss in den Fächern, in denen
Zugangsbeschränkungen vorläufig unumgänglich sind, eine bundesweite
Koordinationsfunktion ausüben und einheitliche Kriterien festsetzen.
Diese müssen objektivierbar und nachvollziehbar sein. 2. Die
Maturanote darf keine Rolle spielen, sie ist kein objektiver
Kenntnis- und Leistungsnachweis. 3. Wer gut abschneidet, aber dennoch
aus Platzmangel abgelehnt wird, muss auf eine öffentlich einsehbare
Warteliste gesetzt werden. Wer auf dieser Liste steht, ist im
nächsten Jahr als erster zum Studium aufzunehmen. 4. Teile des
Medizinstudiums, die auch an anderen Unis angeboten werden, sollen in
der Wartezeit absolviert werden können. 5. Auswahlverfahren müssen
Berufstätigen zumutbar sein. 6. Bei unvollständigen
Inskriptionsunterlagen muss zwingend eine Nachfrist gesetzt werden.
Abschließend brachte Broukal die Befürchtung zum Ausdruck, dass
das jetzt Erlebte nur die "Spitze des Eisbergs" sei; in den von
Gehrer geplanten neuen Pädagogischen Hochschulen würden etwa die
Rektoren berechtigt, Zugangsbeschränkungen einzuführen. "Kein
Deutscher wird nach Österreich kommen, um hier das Lehramt für
Geschichte zu studieren. Das kann nur Österreicher treffen."
(Schluss) cs
Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
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