Unis: Broukal fordert sofortige Änderung von Gehrers "Husch-Pfusch-Gesetz"

"Pontius Pilatus-Haltung" Gehrers - Ministerin wäscht ihre Hände in Unschuld

Wien (SK) - Die SPÖ fordert zur Wiederherstellung des freien Uni-Zugangs, dass das "Husch-Pfusch-Gesetz" vom 8. Juli 2005 sofort geändert wird. Einzelne Unis seien mit der Durchführung von Aufnahmeverfahren heillos überfordert, die Verfahren hätten mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun, sondern mit Willkür und Missachtung der Studienanfänger, so SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal Freitag in einer Pressekonferenz. Broukal warf Ministerin Gehrer eine "Pontius Pilatus-Haltung" vor, sie "wasche ihre Hände in Unschuld". Neben sechs Sofortmaßnahmen präsentierte der SPÖ-Wissenschaftssprecher auch den neuen Vorschlag, mit einem Medizin-Kolleg an Höheren Schulen den österreichischen Maturanten einen Vorsprung fürs Medizin-Studium zu verschaffen. ****

Weniger Werbung, mehr Studienplätze

Wie Broukal betonte, zeige sich, dass viele der Studienbeschränkungen gar nicht notwendig sind. Aus den aktuellen Anmeldedaten gehe hervor, dass sich der Andrang auf die Studienrichtungen BWL, Psychologie, Pharmazie, Publizistik und Biologie in Grenzen hält - bisher seien hier 512 Studierende abgewiesen worden. "Die Zugangsbeschränkungen in diesen Fächern sind nicht zu rechtfertigen und müssen sofort aufgehoben werden", so der SPÖ-Wissenschaftssprecher. Gehrer müsse den Unis das Geld geben, damit diese ihr Angebot in diesen Fächern ausweiten können. "Alle Interessierten können und sollen einen Studienplatz bekommen." Bei den genannten "Buchwissenschaften" koste ein Studienplatz pro Jahr rund 3.200 Euro. "Es ist eine unnötige Härte, den Unis nicht sofort jene 1,6 Millionen Euro zusätzlich zu geben, die notwendig wären, um die 512 Abgewiesenen doch noch aufzunehmen", betonte Broukal, der von Gehrer fordert: "Weniger Werbung, mehr Studienplätze". Immerhin gebe die Ministerin für die Plakataktion "Neue Schule" 800.000 Euro aus und die geplante PR-Aktion Forschung und Entwicklung koste 12 Millionen Euro.

Für die Studienrichtungen Medizin und Veterinärmedizin, in denen Zulassungsbeschränkungen vorläufig unumgänglich seien, fordert Broukal bundeseinheitliche Zugangskriterien, die objektivierbaren Leistungskriterien entsprechen. Der SPÖ-Wissenschaftssprecher berichtete in diesem Zusammenhang von der Med-Uni Innsbruck, wo Willkür herrsche und das Rektorat mit der Verwaltung überfordert sei. Nun sei ein neuer Fall eines Zivildieners aus Vöcklabruck bekannt geworden, der sich am ersten Anmeldungstag nicht persönlich - er musste im Krankenhaus arbeiten -, aber im Internet und später eingeschrieben angemeldet hat, aber dennoch abgewiesen wurde. Hier bezweifle auch der Rechtsanwalt, dass schon am ersten Anmeldungstag alle Plätze vergeben waren.

Das Ministerium wisse auf jeden Fall seit Anfang Juli von den Absurditäten - etwa, dass an der Med-Uni Innsbruck u.a. Güte des Bewerbungsschreibens, Verwandte in Tirol und Maturanoten zählen. "Die Ministerin hat all diese Dinge passieren lassen und nicht gehandelt. Das Einzige, das sie nun macht, ist einen Arbeitskreis zu gründen, der Lösungen für das nächste Jahr bringen soll", so Broukal, der fordert, dass das Aufnahmeverfahren in Innsbruck noch einmal durchleuchtet werden soll und die zu Unrecht Abgewiesenen zusätzliche Plätze bekommen sollen.

Neuer SPÖ-Vorschlag: Medizin-Kolleg an Höheren Schulen

Trotz dieser offenkundigen Missstände hätten Ministerin Gehrer und ÖVP-Wissenschaftssprecherin Brinek keine Vorschläge vorzuweisen; diese kamen bisher nur von der SPÖ und vom BZÖ-Obmann. Broukal präsentierte in diesem Zusammenhang folgenden neuen Vorschlag: So soll in den letzten beiden Klassen der Höheren Schulen ein freiwilliges Medizin-Kolleg zusätzliche Kenntnisse in Biologie, Chemie und Physik vermitteln. Der erfolgreiche Besuch dieser Freifächer solle als Voraussetzung für die Aufnahme zum Studium von Medizin und Veterinärmedizin anerkannt werden. Auf diese Weise müssten mehr österreichische als deutsche Maturanten einen Studienplatz bekommen, erklärte Broukal und fügte hinzu, dass dies auch "absolut EU-konform" sei.

Sechs Sofortmaßnahmen

Gehrer jedoch tue so, als ginge sie die Misere nichts an; sie sei dringend zum Handeln aufgeordert. Solange es keine zusätzlichen Mittel für die Unis gibt, seien folgende Maßnahmen rasch umzusetzen:
1. Das Bildungsministerium muss in den Fächern, in denen Zugangsbeschränkungen vorläufig unumgänglich sind, eine bundesweite Koordinationsfunktion ausüben und einheitliche Kriterien festsetzen. Diese müssen objektivierbar und nachvollziehbar sein. 2. Die Maturanote darf keine Rolle spielen, sie ist kein objektiver Kenntnis- und Leistungsnachweis. 3. Wer gut abschneidet, aber dennoch aus Platzmangel abgelehnt wird, muss auf eine öffentlich einsehbare Warteliste gesetzt werden. Wer auf dieser Liste steht, ist im nächsten Jahr als erster zum Studium aufzunehmen. 4. Teile des Medizinstudiums, die auch an anderen Unis angeboten werden, sollen in der Wartezeit absolviert werden können. 5. Auswahlverfahren müssen Berufstätigen zumutbar sein. 6. Bei unvollständigen Inskriptionsunterlagen muss zwingend eine Nachfrist gesetzt werden.

Abschließend brachte Broukal die Befürchtung zum Ausdruck, dass das jetzt Erlebte nur die "Spitze des Eisbergs" sei; in den von Gehrer geplanten neuen Pädagogischen Hochschulen würden etwa die Rektoren berechtigt, Zugangsbeschränkungen einzuführen. "Kein Deutscher wird nach Österreich kommen, um hier das Lehramt für Geschichte zu studieren. Das kann nur Österreicher treffen." (Schluss) cs

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