• 21.09.2005, 09:00:00
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Creditreform - INSOLVENZTRENDS 1.-3. Quartal 2005

Die Talfahrt geht weiter - Kein Licht am Ende des Tunnels

Wien (OTS) - Wie die Fahrt eines Zuges, der ungebremst talwärts
fährt, gleicht die Situation der zahlungsunfähigen und verschuldeten
österreichischen Unternehmen und Privatpersonen. Entwarnung wird es
bei den tief roten Zahlen so schnell nicht geben. Der im ersten
Halbjahr aufgezeigte Trend der steigenden Unternehmens- wie auch
Privatinsolvenzen setzt sich auch im 3. Quartal 2005 fort, wie die
Hochrechung von Creditreform Österreich, Mitglied der größten
Gläubigerschutzorganisation in Europa, zeigt:

10.045 Gesamtinsolvenzen, davon 5.275 gewerbliche Insolvenzen und
4.770 überschuldete Privatpersonen, bedeuten im Vergleichszeitraum
(Jänner bis September 2004, Quelle: AKV) ein Plus von 15,1%. Die
Konkursanträge stiegen bei den Unternehmen um 777 (plus 17,3%), bei
den Privatpersonen um 538 (plus 12,7%).

Es kracht im Gebälk der österreichischen Wirtschaft

Neben den international erfolgreichen österreichischen Konzernen
wackelt die zweite wichtige Säule des heimischen Wirtschaftsgebäudes:
die Klein- und Mittelbetriebe, welche 252.400 oder 99,6% der
österreichischen Unternehmen stellen (Quelle: KMU Forschung Austria).
2.318 eröffnete Konkurse (plus 8,9%) und 2.957 mangels Masse
abgewiesene Konkursanträge (plus 24,8%) zeigen den Ernst der Lage.
Bei den Bundesländern führt Vorarlberg mit einer Zuwachsrate von
40,9% vor Tirol (plus 40,2%) und Niederösterreich (plus 37,5%) die
Statistik an, während lediglich Oberösterreich ein Minus von 7,2%
aufweisen kann. In der Bundeshauptstadt gibt es um 7,7% mehr
Firmeninsolvenzen.

In der Information und Consulting-Branche kommt es mit 1.360
Konkursanträgen am häufigsten zum Crash, es folgen der Handel (1001)
und die Tourismus- und Freizeit-Branche (837). Die Branchen
"Industrie" sowie "Banken und Versicherungen" erweisen sich als
relativ insolvenzsicher.

Satte 56% aller gestellten Konkursanträge werden abgewiesen, weil
hier nicht einmal mehr das Geld für die Verfahrenseröffnung vorhanden
ist. Hier stellt sich die Frage nach dem Warum. Die Behauptung, dass
es sich hierbei um kriminelle Machenschaften handelt, lässt sich
statistisch nicht belegen und würde die Problematik unzulässig
vereinfachen. Fehlt es an Frühwarnmechanismen, an einem ordentlichen
Risikomanagement? Ist die gesellschaftliche Ächtung eines
gescheiterten Unternehmers schuld, dass dieser sich nicht zugesteht,
dass seine Firma ein Sanierungsfall ist? Oder fehlt es auch an
positiven Anreizen zur frühzeitigen Insolvenzprophylaxe auf Seite des
Gesetzgebers?

Chance zur Sanierung bringt allen was

Der Ausgleich spielt mit 58 Fällen von Jänner bis September 2005
(entspricht einem Rückgang von 35,6%) auch im Verhältnis zu den
Gesamtunternehmensinsolvenzen - nur einer unter 100 Insolvenzfällen
wird in den Ausgleich abgeführt - keine Rolle mehr. Die Zahl der
Verfahren nach dem Unternehmensreorganisationsgesetz lässt sich an
einer Hand abzählen. Das ebenfalls gern gebrachte Argument für ein
angeblich erfolgreiches Insolvenzrecht in Form des Zwangsausgleiches
übersieht, dass sich die kolportierten 23% an bestätigten und
erfüllten Zwangsausgleichen nur auf die Zahl der eröffneten Verfahren
bezieht und nicht berücksichtigt, dass mehr als die Hälfte der
Insolvenzen mangels Masse gar nicht in ein Konkursverfahren mündet.
Vielmehr stellen die 463 Zwangsausgleiche bis zum 3. Quartal 2005 nur
8,8% aller beantragten Konkurse dar. Von einem Erfolgsmodel ist daher
keine Rede. Der Ball für ein praxisnahes, auf Erhaltung und
Fortführung des Unternehmens gerichtetes Sanierungsrecht ist nunmehr
beim Gesetzgeber. In Form eines Bonus-Malus-Systems könnte eine
frühere Anmeldung des Sanierungsfalles für den Unternehmer
schmackhaft gemacht werden. Auf der Bonusseite müsste stehen, dass je
früher der Unternehmer ein Sanierungsverfahren anmeldet, desto länger
dürfte er Schutz vor den Gläubigern nach dem Vorbild des Chapter
11-Verfahrens in den USA genießen. Auf der Malusseite müsste im
Gegenzug die Geschäftsführerhaftung angehoben werden, um den
Missbrauch zu verhindern und Gläubigerinteressen vor einer
Übervorteilung des Schuldners zu schützen.

Bei allem gilt: Die bestmögliche Befriedigung der Gläubiger und
die Sanierung von Unternehmen sind völlig gleichrangige Ziele des
Insolvenzverfahrens. Dies würde neben einer Entlastung der Gerichte
und der Verwaltung auch positive Auswirkungen für die heimische
(Volks-)Wirtschaft in Form von erhaltenen Arbeitsplätzen und
Steuereinnahmen bedeuten.

Privates Schuldenmachen feiert fröhliche Urstände

Die Zahl der insolventen Privatpersonen stieg um 12,7% auf gesamt
4.770, davon wurden 3.831 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet
(plus 8%) und 939 mangels Vermögen abgewiesen (plus 37,1%). Die
Steiermark (plus 31,8%) führt hier die Liste der überschuldetsten
Länder an, vor Kärnten (plus 25,1%) und Wien (21,5%). Der Rückgang in
Tirol um 5,2% ist wohl nur dadurch zu erklären, dass das Land der
Schuldnerberatungsstelle Mittel gestrichen hat und seitdem tausende
Anträge auf der Warteliste verweilen. In Oberösterreich stabilisiert
sich die Lage auf hohem Niveau (758 Privatinsolvenzen).

Auch bei den Privaten sieht man den Trend, dass die Schuldner
derart überschuldet sind, dass sie sich nicht einmal mehr mittels
Schuldenregulierungsverfahren aus der Krise retten können. Es
erscheint immer dringender, wirksame Vorsorgemaßnahmen zu treffen wie
eine bessere Aufklärung und eine Informationspflicht über die
finanziellen Folgen bei Anschaffungen mit laufenden Fixkosten (Handy,
Leasingauto, Wohnung) sowie das Vermitteln des bewussten Umganges mit
Geld und Krediten im Alltag. War das Schuldenmachen früher verpönt,
so gehört es heute vielfach schon zum guten Ton. Die Firmen fallen
bei solch einer Einstellung leider um ihr Geld um.

Conclusio 3. Quartal 2005

Angesichts dieser Insolvenztrends fordert Creditreform eine
zeitgemäße Änderung des Insolvenzrechtes unter einer stärkeren
Berücksichtigung der Unternehmenssanierung. Der beste Gläubigerschutz
besteht im Verhindern eines Konkurses, denn ein saniertes Unternehmen
braucht keinen Totengräber mehr.

Bei den Privatinsolvenzen muss durch verstärkte Aufklärung und die
rechtzeitige Erziehung zu verantwortungsvollem Umgang mit Geld (schon
und vor allem bei den Jugendlichen) entgegengesteuert werden. Nur ein
zahlungskräftiger und -fähiger Konsument nützt dem Unternehmer beim
Absatz seiner Produkte.

Für den Inhalt verantwortlich:
Rainer Kubicki, Geschäftsführer Creditreform Österreich

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Rückfragehinweis:

und Insolvenzatlas/Statistik:
   Mag. Gerhard M. Weinhofer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit
   Creditreform Österreich 
   Tel.: +43-1-218 62 20-240
   mailto:[email protected]
   www.creditreform.at

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