- 20.09.2005, 18:14:13
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar
Wien (OTS) - Quoten und Meinungen
Die größten Verlierer der Wahl sind die Meinungsforscher. Dieser
Stehsatz jedes politischen Kommentators ist in den vergangenen zwei
Tagen besonders häufig wiederholt worden.
Jedoch haben die Institute nicht fahrlässig oder gar vorsätzlich
falsch prognostiziert. Ihr Gewerbe wird nur zusehends schwieriger:
Das Wahlverhalten der Bürger ist immer seltener eindeutig fixiert,
alles ist bis zum letzten Augenblick beliebig. Die Bürger sind
außerdem immer seltener bereit, einem Interviewer Auskunft zu geben.
Wahlverhalten zählt für immer mehr Menschen so wie das
Sozialverhalten zum Intimbereich, der niemanden etwas angeht. Vor
allem wenn man weiß, dass dann die noch unangenehmere Frage gestellt
würde: "Und warum haben Sie sich ausgerechnet für diese Partei
entschieden?" Auch ist die Tarnung als Meinungsforscher schon viel zu
oft als simpler Verkaufs- und Vertreter-Schmäh benutzt worden.
All das wissen die Institute natürlich. Aber es wäre ziemlich
schlecht für ihr Geschäft (und für den Guru-Status mancher
Demokskopen), würde man das auch offen zugeben. So wie auch kein
"Berater" zugibt, wie wenig er wirklich zu helfen vermag. Also werden
auch in Österreich in den nächsten Wochen wieder viele Umfragen
veröffentlicht, aus denen angeblich auf den Prozentpunkt genau
hervorgeht, was die Menschen wählen werden.
*
Deutschland bringt noch in anderer Hinsicht eine Abkehr von einem
Paradigma der letzten Jahre, nämlich dem des politischen Feminismus.
Frauenquoten und Quotenfrauen haben sich als genauso wenig
wählerwirksam erwiesen wie in den Jahrzehnten davor die krampfhafte
Suche nach jungen und noch jüngeren Kandidaten.
Die Menschen lassen sich von ihrer subjektiven politischen
Stimmung leiten, nicht von einem Programm; sie vertrauen
Persönlichkeiten, aber nicht einem demographischen Merkmal wie Jugend
oder Geschlecht. Das haben hierzulande auch die letzten
Bundespräsidentenwahlen gezeigt. Und das dürften auch die
Landtagswahlen bestätigen.
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]
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