Callgirls versus Frauenhändler

Offener Brief des Frauennetzwerks Medien zur Berichterstattung über minderjährige Callgirls und ihre Kunden

Wien (OTS) - Mit großem Interesse verfolgen wir - Journalistinnen und Medienfrauen des Frauennetzwerk Medien - die Berichterstattung über einen in Wien tätigen Frauenhändler-Ring, der als "Escort-Service" bewusst minderjährige Frauen an betuchte Kunden verkauft.

Wir halten vor allem die Tatsache, dass die Freier, die wissentlich Sex mit Minderjährigen hatten, bisher nicht gerichtlich belangt wurden, für einen veritablen Justizskandal. Wir sind froh, dass diese Aktivitäten durch Florian Klenk im "Falter" aufgedeckt wurden und hoffen, dass die jetzt eingeleiteten Verfahren die Verantwortung der Kunden berücksichtigt und öffentlich macht.

Eine sprachliche Ungenauigkeit in der folgenden Berichterstattung in vielen Medien hat uns jedoch irritiert, die das Täter-Opfer-Verhältnis unterschwellig umkehrt. Die Geschichte läuft häufig unter dem Titel "Callgirl-Ring". Diese Bezeichnung ist analog zu Begriffen wie Falschgeld-Ring, Drogen-Ring, Schlepper-Ring etc gebildet, die jeweils den strafbaren Tatbestand oder die Täter definieren. Ist also im Zusammenhang mit dem Skandal von einem "Callgirl-Ring" die Rede, werden sprachlich die Frauen als Täterinnen definiert.

Wir ersuchen daher alle Kolleginnen und Kollegen, in Ihrer Begriffswahl die tatsächlichen Verhältnisse wiederzugeben. Im Zentrum des Skandals steht ein Frauenhändler-Ring: die Händler machen das Geschäft und haben sich strafbarer Handlungen schuldig gemacht, möglicherweise auch die Kunden. Nicht aber die jungen Frauen, die meist unter falschen Angaben nach Österreich gelockt und in eine Zwangslage gebracht wurden.

PS: Das Frauennetzwerk Medien ist ein überparteilicher Verein. Unsere Aktivitäten zielen auch darauf ab, die Anliegen von Frauen in der Öffentlichkeit stärker zu thematisieren. Dabei spielt das Bemühen um Sprachbewusstsein und sprachliche Sensibilität eine große Rolle. In diesem Zusammenhang vergeben wir jährlich zwei Preise: Die "Spitze Feder" als Auszeichnung für herausragende journalistische Arbeit zu Frauenthemen und das "Handtaschl" als ironischen Preis für besondere Frauenfeindlichkeit.

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