• 08.09.2005, 18:00:44
  • /
  • OTS0246 OTW0246

"Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar"

Wie unsozial ist Schweden?

Wien (OTS) - Die deutschen Wahlen haben das Steuerthema endgültig
aus der Flasche gelassen. Auch hierzulande wird daher die Debatte
nicht auf die Darstellung der Vorteile der jüngsten Steuerreform
beschränkt bleiben können, wie es der Kanzler gerne hätte.

Von den USA bis Neuseeland haben sich Länder durch drastische
Steuersenkungen massive Wettbewerbsvorteile geschaffen. Seither kann
weltweit Politik nicht mehr wie Jahrzehnte davor ständig neue
Ausgaben erfinden, sondern muss im Gegenteil jede einzelne Staatsaus-
und -aufgabe prüfen.

Doch halt: Es gibt ja ein Gegenbeispiel, das Erfolge
althergebrachter sozialdemokratischer Politik zeigt, nämlich
Skandinavien mit hohen Spitzensteuersätzen und dennoch schönem
Wachstum.

Wie geht das? Nun, da spielt sicher nationale Homogenität und hohe
Arbeitsmoral eine Rolle. Noch wichtiger (und von den Propagandisten
des schwedischen Wegs besonders gerne verschwiegen) ist das dortige
Steuersystem. Es muss hiesigen Sozialdemokraten bei näherer
Betrachtung freilich als Teufelswerk erscheinen: Die Mehrwertsteuer
macht 25 Prozent aus (in Deutschland wird bereits beim Gedanken an 20
Prozent gerufen: "unsoziale Gemeinheit") und Kapitalgewinne (an sich
schon ein Pfui-Wort) werden nur sehr niedrig besteuert.

Die Schweden wissen aber: Kapital ist viel mobiler als Menschen,
ihm müssen viel attraktivere Bedingungen geboten werden als den
Menschen. Das ist effizient, wenngleich etwas zynisch . . .

*

Ich bin der letzte, der die Ursachen eines Helikopterunglücks
eruieren kann. Aber wenn eine schwere, unter einem Hubschrauber
hängende Last mit einem einzigen Knopfdruck eines nervösen Daumen am
Steuerknüppel zum Absturz gebracht werden kann, dann ist auch für
einen Laien erkennbar, was das ist: absoluter Schwachsinn.

*

Das Fernsehbild der Woche: ORF-Korrespondent Hanno Settele misst
mit dem Stiel eines Reisigbesens täglich den Wasserstand in New
Orleans. Die ultimative Absage an High-tech-Geräte.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel