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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der steirische Brauch" (von Erwin Zankel)
Ausgabe vom 04.09.2005
Graz (OTS) - Aus der Welt des Fußballs wird berichtet, dass es
manchen Kickern egal sei, ob ihre Ballkünste brutto oder netto
honoriert würden, wenn bloß "die Mille bar aufs Handerl"
hingeblättert werde.
An diese Sitten und Gebräuche erinnert die passend zur heißen Phase
des Wahlkampfs in der Steiermark bekannt gewordene Geschichte von den
Abschlagszahlungen an Gerhard Hirschmann. Von der Estag, dem
Energieversorgungsunternehmen des Landes, hat der Ex-Landesrat nach
kurzer und turbulenter Tätigkeit im Vorstand eine Abfertigung von
747.299 Euro netto kassiert, von anonymen "Freunden aus der ÖVP" hat
er zusätzlich noch 291.510 Euro bekommen. Macht zusammen über eine
Million.
Ob es sich um Schwarzgeld handelte, wird Hirschmann mit der
Steuerbehörde zu klären haben. Die Öffentlichkeit interessiert die
andere Seite: War es Schweigegeld, Schmerzensgeld oder vielleicht
Schutzgeld?
Die Erklärungen, die vom Empfänger und dem geheimnisvollen Spender
abgegeben wurden, waren wenig glaubwürdig. Hirschmann beteuert, nicht
geahnt zu haben, dass die über Anwälte und Treuhänder gelaufenen
Gelder nicht von einer Estag-Tochter stammten. Auch Landeshauptfrau
Waltraud Klasnic behauptet, von der zweiten Zahlung nichts gewusst zu
haben, obwohl die Fäden in ihrem engsten Umfeld gezogen wurden.
Spuren, die das Gegenteil belegen, wird man nicht finden. Die ÖVP
wird auch nicht so unvorsichtig gewesen sein, die Parteikasse
anzuzapfen. Nachzulesen ist aber, dass die ÖVP im Frühsommer des
Vorjahres ein großes und verständliches Interesse daran hatte, den
Konflikt zwischen Hirschmann und der Estag beizulegen. Während die
beiden ebenfalls geschassten Alt-Vorstände großzügig abgefunden
wurden, weigerte sich die Estag, Hirschmann überhaupt etwas zu
zahlen. Erst auf politischen Druck lenkte der Aufsichtsratspräsident
ein, machte aber die geforderte Summe nicht voll flüssig. Deshalb
mussten ungenannte Gönner einspringen, um den drohenden Prozess
zwischen Hirschmann und der Estag abzuwenden. Ob Hirschmann mit
seiner Klage auf Wiedereinstellung durchgedrungen wäre, ist eine
müßige Frage. Jedenfalls hätte es ein langwieriges Verfahren gegeben,
in das Klasnic und der innerste Kreis der ÖVP verwickelt gewesen
wären.
Abgerechnet wird zwar erst am 2. Oktober, doch fällt die
Zwischenbilanz für die Landeshauptmann-Partei düster aus: Obwohl "LH"
Hirschmann keine neuen Ideen vorbrachte, also ein ausgebrannter Fall
wäre, kommt die ÖVP vom Feuer nicht los. Vier Wochen vor den
Landtagswahlen wurde Klasnic wieder von der Vergangenheit eingeholt.
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