- 31.08.2005, 11:47:45
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Industrie bricht Lanze für Internationalisierung
IV-Präsident Sorger: "EU-bashing" einstellen - Europa ist Antwort auf Globalisierung - Hohe Erwartungen der Unternehmen an Fortschritte bei Arbeitszeit-Flexibilisierung
Wien (OTS) - (PdI) Die Industriellenvereinigung (IV), Hauptpartner
der Alpbacher Wirtschaftsgespräche zum Thema "Globalisierung: Markt
versus Politik?", nutzte ein Pressegespräch um auf die Erfolgsstory
der österreichischen Industrie durch die Internationalisierung anhand
von Beispielen zu verweisen. Als hochgradig kontraproduktiv empfinde
man daher auch, so IV-Präsident Dr. Veit Sorger und
IV-Generalsekretär Mag. Markus Beyrer unisono, undifferenzierte
Globalisierungs- und Europa-Kritik: "Vor populistischem EU-bashing
ist nachdrücklich zu warnen. Europa ist nicht das Problem, sondern
muss Teil der Lösung sein. Europa ist, wie es der französische Ökonom
Alain Minc formuliert hat, unser Schutzschild gegen die negativen
Folgen der Globalisierung", betonte Sorger.
IV-Generalsekretär Markus Beyrer erklärte: "Der nationalstaatliche
Reflex, der jetzt in vielen Ländern und bei vielen Politikern zu
beobachten ist, ist der falsche Weg. Wir dürfen uns bei der
Gestaltung der Globalisierung nicht auf die Instrumente des
Nationalstaates reduzieren - so relevant und wichtig diese auch sind.
Wir brauchen dafür ein transnational verfasstes Arrangement von
Instrumenten und Institutionen." Anlässlich der heute erfolgten
Vollprivatisierung der voestalpine sagte Beyrer, diese sei eine
"Erfolgsgeschichte". Die Privatisierung zeige, wie wichtig und
richtig es sei, dass Bund, Länder und Gemeinden in
Industrieunternehmen keinen Platz haben.
Daten und Fakten zur Internationalisierung der
österreichischen Industrie
Die Industriellenvereinigung verwies im Pressegespräch anhand von
vier aussagekräftigen Entwicklungen auf den positiven Effekt der
Öffnung der Märkte für die österreichische Industrie:
· Seit Mitte der 80er Jahre hat sich nicht nur die Struktur der
österreichischen Exporte mit höherer Wertschöpfung kontinuierlich
verbessert, auch die Position im Welthandel konnte laufend gestärkt
werden. Auf mittlere Sicht nahm der Marktanteil der österreichischen
Industriegüterexporte an den Weltexporten um rund 50 % zu.
· Die steigende Exportintensität der Industrie schlägt sich auch in
der Relation zwischen Inlands- und Auslandsumsatz für den
produzierenden Bereich nieder. Der Anteil des Auslandsumsatzes am
Gesamtumsatz des produzierenden Bereiches stieg von 43,8 % (1996) auf
55,1 % (2003).
· Seit 1995 befinden sich die österreichischen Industrieunternehmen
auf dem Pfad des Größenwachstums, was angesichts des Fehlens von im
internationalen Vergleich großen österreichischen Unternehmen
besonders bedeutsam ist. Dies betrifft nicht nur die 40 größten
österreichischen Industrieunternehmen, sondern auch den Großteil der
mittelständischen Unternehmen. Machte der Umsatz der 20 größten
Industrieunternehmen im Jahr 1995 noch 16,9 % des österreichischen
BIP aus, so betrug dieser im Vorjahr bereits 26,5%.
· Jene Unternehmen, die im Ausland Arbeitsplätze halten oder
schaffen, sind auch in ihren inländischen Unternehmen
überdurchschnittlich erfolgreich. Ihr Beschäftigtenstand reduzierte
sich zwischen 1990 und 2002 - trotz Outsourcing und Veränderungen in
der Wertschöpfungsketten - nur um 3 %. Eine Reihe von
Industrieunternehmen zeigen zudem, dass die Beschäftigung im Inland
durch die Internationalisierung nachhaltig gesteigert werden konnte.
Unternehmenswachstum im Ausland sichert somit Wachstum und
Beschäftigung im Inland.
Industriepolitische Schwerpunkte im Herbst 2005: Fortschritte
bei Flexibilisierung stehen im Mittelpunkt
Die Industriellenvereinigung bekräftigte die hohe
Erwartungshaltung der österreichischen Industrieunternehmen an die
demnächst beginnenden Kollektiv-vertragsverhandlungen, was weitere
Arbeitszeit-Flexibilisierungsmaßnahmen betrifft. Erst im Vormonat
hatten bei einer Market-Umfrage unter 100 oberösterreichischen
Industriebetrieben 61% der Befragten die mangelnde
Arbeitszeitflexibilisierung als Problem genannt. IV-Präsident Sorger
wertete in diesem Zusammenhang als besonders erfreulich, dass es -
mehreren aktuellen Umfragen zufolge - bei der überwiegenden Mehrheit
der Arbeitnehmer die Bereitschaft zu mehr Flexibilität gibt. "Die
Kollektivvertragspartner sollten die nun kommenden Verhandlungen für
ein Ergebnis nützen, das in Sachen Arbeitszeitflexibilisierung für
beide Seiten Vorteile bringt. Ein Scheitern diesbezüglicher
Verhandlungen würden weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer verstehen!"
Die IV unterstrich nochmals, dass es bei der Flexibilisierung der
Arbeitszeit weder um Lohnkürzungen noch um die Umschichtung von
Mitteln von den Arbeitnehmern hin zu den Arbeitgebern geht. Im
Gegenteil: "Unseren Unternehmen muss die Möglichkeit gegeben werden,
ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und damit Arbeitsplätze zu
sichern und hohe Löhne in Österreich zu zahlen. Die
Arbeitszeitflexibilisierung ist die arbeitnehmerfreundlichste und
solidarischste Form, Österreich noch wettbewerbsfähiger zu machen!"
Weiter nationalstaatliche und europäische Spielräume in der
Globalisierung nützen
Neben der Arbeitszeitflexibilisierung nannten IV-Präsident Sorger
und IV-Generalsekretär Beyrer weitere Politikfelder, wo die zwar
kleiner gewordenen aber weiter gegebenen nationalen Spielräume zu
nutzen sind:
· Ein wettbewerbsfähiges Steuersystem. Die Senkung der
Körperschaftssteuer und die moderne Gruppenbesteuerung waren dafür in
Österreich entscheidende Meilensteine. Weitere Anstrengungen -
Stichwort Senkung des Spitzensteuersatzes - müssen in der kommenden
Legislaturperiode folgen. "Wir brauchen auch eine Senkung der
lohnsummenabhängigen Steuern und - kurzfristig - Basel II -
Begleitmaßnahmen, um den Mittelstand zu unterstützen, sowie generell
die weitere Senkung der Abgabenquote", erinnert die Industrie.
· Die Steigerung der Innovationskraft der Unternehmen ist in einer
globalisierten Wirtschaft der alles entscheidende Wettbewerbvorteil.
Dazu braucht es die notwendigen Investitionen in Forschung &
Entwicklung, dazu braucht es Aus- und Weiterbildung. Bildung und
Innovationen schaffen mehr Wachstum und vor allem hochwertige
Beschäftigung. Auf dem Weg zu einem Anteil der F&E-Ausgaben von 3%
des BIP bis 2010 wird Österreich heuer die 2,5%-Marke erreichen.
Ausdrücklich lobt die Industrie die in der Vorwoche in Alpbach
vorgestellte Innovations-"Strategie 2010" der Bundesregierung.
· Zudem müssen die verbliebenen geschützten Bereich voll dem
Wettbewerb geöffnet werden. Erstellen diese doch vielfach die
Vorleistungen für den der internationalen Konkurrenz ausgesetzten
Sektor der Wirtschaft und bestimmen so zum Teil dessen internationale
Wettbewerbsfähigkeit mit.
IV-Generalsekretär Beyrer betonte die Notwendigkeit weiterer
Marktöffnung und kritisierte in diesem Zusammenhang die teilweise
populistische politische Diskussion: "Wir bekennen uns zum
Wirtschafts- und Sozialmodell der Sozialen Marktwirtschaft, das in
den europäischen Staaten - in unterschiedlicher Ausprägung - den
Rahmen für den Markt darstellt. Da ist es absurd, wenn manche in der
Politik einen in Österreich oder in Europa angeblich herrschenden
Neoliberalismus geißeln. Wie kann man ein Land wie Österreich, das
rund 30% für Sozialleistungen ausgibt und an die 50 % seiner
Wirtschaftsleistung umverteilt, für neoliberal halten?"
Rückfragehinweis:
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