- 30.08.2005, 08:47:31
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ÖAMTC-Studie: Eltern macht der Schulweg Sorgen, Kindern zumeist Spaß
Das Bedürfnis der Kleinen, im Straßenraum beschützt zu werden, ist aber groß
Wien (OTS) - "Der Schulweg macht Kindern nicht nur Spaß, weil sie
andere Kinder treffen, sondern auch, weil sie ihre Selbstständigkeit
beweisen können. Es gibt den Kleinen ein Gefühl von Kompetenz, den
Schulweg alleine zu bestreiten", weiß ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora
Donosa. Der Club hat erstmals in Österreich das Mobilitätsverhalten
von Kindern untersucht und im Mai 2005 die Ergebnisse einer
qualitativen Grundlagenstudie (Info Research International)
präsentiert.
Kinder im Alter von acht bis neun Jahren wurden jeweils paarweise
befragt. Parallel zu den Kinderinterviews (in Wien, Linz,
Matrei/Osttirol) diskutierten Mütter und Väter über die Sicherheit
von Kindern im Straßenverkehr. Bei der Auswertung der Ergebnisse
wurden die Wahrnehmungsunterschiede zwischen Kindern und Eltern
deutlich.
Im Schnitt werden Kinder beim Eintritt in die Volksschule sieben
bis zehnmal von einem Elternteil - meist der Mutter - in die Schule
begleitet, vereinzelt auch ein halbes Jahr lang. Eltern berichten,
dass sie ihren Kindern erklärt haben, worauf zu achten ist. Die
ÖAMTC-Studie zeigt, dass die Kleinen bereits recht gut wissen, worauf
sie auf der Straße oder in öffentlichen Verkehrsmitteln achten
müssen.
Ängste auf dem Schulweg sind bei Volksschülern häufig sozialer
Natur: Sie fürchten sich vor Übergriffen größerer Kinder ("stoßen und
schubsen"), Betrunkenen, Entführern oder Menschen, "die gemein
aussehen". "Hier wird ein Wahrnehmungsunterschied ganz deutlich",
sagt Donosa. "Für die Mütter und Väter stehen soziale Ängste auf dem
Schulweg ihrer Kinder nicht im Vordergrund. Sie bemängeln eher
fehlende Sicherheitseinrichtungen." Die ÖAMTC-Expertin geht davon
aus, dass Kinder unangenehme Erlebnisse daheim oft nicht erzählen.
"Straße ist auch Sozialraum", so Donosa weiter. Eltern sollten solche
Situationen konkret ansprechen und Hilfestellung anbieten. "Wir haben
herausgefunden, dass das Bedürfnis, im Straßenverkehr geschützt zu
werden, bei Kindern groß ist", fasst Donosa zusammen. Auch bei den
Erwachsenen ist Zivilcourage gefragt: "Wer beobachtet, dass sich ein
Kind aus welchen Gründen auch immer bedroht fühlt, sollte
eingreifen."
Kinder als kritische Fußgänger
"Die am stärksten verinnerlichte Verhaltensweise als Fußgänger ist
bei Kindern das Schauen nach links und rechts bevor eine Straße
überquert wird", berichtet die ÖAMTC-Expertin. Kinder machen sogar
selbst auf Sicherheitsprobleme aufmerksam, wie z.B. ungesicherte
Zugänge zu Haltestellen. Sie beobachten und verurteilen häufig
Fehlverhalten von Erwachsenen oder Jugendlichen, lassen sich aber
davon wenig beeindrucken. Donosa: "In diesem Alter sind moralische
Werte und generelle Vorstellungen von 'richtig' und 'falsch' sehr
ausgeprägt. Kinder verurteilen daher Verhalten, das regelwidrig ist.
Das kann sich in der Pubertät aber schlagartig ändern."
Wenn sie zu Fuß unterwegs sind, berichten Kinder von gefährlichen
Situationen im Zusammenhang mit anderen Fahrzeugen, die "bei Rot
fahren". "Im Gespräch hat sich herausgestellt, dass Kinder
Abbiegesituationen oft nicht richtig verstehen", sagt Donosa. Was
sich Kinder auf der Straße wünschen: Sie wollen "vor Autos" und "vor
Größeren" beschützt werden und verlangen Schülerlotsen oder
Polizisten, die speziell auf sie aufpassen. "Sie sprechen stark auf
Uniformierte an, weil sie zu diesen Personen Vertrauen fassen", weiß
Donosa.
Eltern kritisieren vor allem fehlende sicherheitstechnische
Einrichtungen. Hier geht es um punktuelle Lösungen. In Schulnähe
sehen sie die Schule zuständig, in der Umgebung fehlt ihnen oft der
Ansprechpartner.
Die Wünsche und Ängste der Kinder im Straßenverkehr verstehen
In der ÖAMTC-Kindermobilitätsstudie hatten die jungen
Verkehrsteilnehmer das Sagen. Der Club hat einen spielerischen Zugang
gewählt, um die Freuden und Ängste der Kinder als Mitfahrer im Auto,
als Fußgänger und im öffentlichen Verkehr zu erfahren. Die Kinder
durften sich etwa in die Rolle eines Marskindes versetzen, das den
Straßenverkehr auf der Erde entdeckt. Sie konnten als
"Verkehrsminister" ihre Wünsche für eine kindergerechtere Straße
formulieren oder "Traum-Schulbusse" und "Traum-Autos" zeichnen. "Nur
wenn wir die Wünsche und Ängste der Kinder verstehen, kann die Straße
für sie sicherer werden. Um weiterzukommen, müssen wir uns stärker an
ihren Bedürfnissen orientieren", erklärt Donosa die Motivation zur
Studie.
Umfassende Informationen zum Thema Kinder im Straßenverkehr gibt es
auch auf der ÖAMTC-Homepage unter http://www.oeamtc.at/kinder/.
Aviso an die Redaktionen:
* Sendetaugliches Film-Material (DigiBeta, DV, DVD) von den
Kinderinterviews ist auf Anfrage bei der ÖAMTC-Pressestelle
erhältlich.
* Bildmaterial aus der Kinderstudie ist im ÖAMTC-Fotoservice unter
http://www.oeamtc.at/presse/ abrufbar.
(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger
Rückfragehinweis:
ÖAMTC-Pressestelle
Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218
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