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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Stunde der Populisten (von Erwin Zankel)"
Ausgabe vom 28.08.2005
Graz (OTS) - Wie ein Komet ist die neue Linkspartei aufgetaucht.
Gebannt blicken alle auf das Irrlicht, das bereits jeden zehnten
Deutschen in seinen Bann zieht. Bei den Bundestagswahlen Mitte
September könnten Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, die Anführer des
Bündnisses und zugleich Verführer der Massen, das Zünglein an der
Waage spielen und den schon für sicher gehaltenen Wechsel nach rechts
noch verhindern.
Zwei Wochen später folgt ein weiteres Experiment in viel kleinerem
Maßstab. Bei den Landtagswahlen in der Steiermark treten acht
Parteien an. Mit dem ehemaligen ÖVP-Landesrat Gerhard Hirschmann gibt
es auch hier einen von Rachegelüsten angetriebenen Politiker, der
zurück auf die Bühne drängt. Gleichzeitig wagt mit dem Grazer
Stadtrat Ernest Kaltenegger ein konträrer Typ den Sprung auf eine
höhere Ebene. Während Hirschmann die schrillen Töne liebt und durch
Übertreibungen zuspitzt, macht sich Kaltenegger klein. Allein mit der
Botschaft, nicht zur politischen Klasse zu gehören, heimste er in der
steirischen Landeshauptstadt ein Fünftel aller Stimmen für die
verfemte KPÖ ein. Der Protest muss nicht immer laut sein.
Meist ist er es. Jörg Haider, der wohl erfolgreichste Populist
Europas, hat es vorgezeigt. Mit seiner aggressiven Kritik am System
der großen Koalition stieß er in ein politisches Vakuum. Erst als er
selbst durch den Regierungseintritt der FPÖ Mitglied des
Machtkartells wurde, begannen die Entzauberung und der Verfall.
Andere Protestbewegungen waren viel kürzer oder hatten gar nur ein
einziges Thema. Hans-Peter Martin ätzte unablässig gegen die
Privilegien in Brüssel. Roland Schill in Hamburg und Pim Fortuyn in
Holland surften auf der Welle der Angst vor der Überfremdung.
Natürlich sind diese Außenseiter Populisten, Demagogen und
Simplifizierer. Sie leben von der Schwarz-Weiß-Malerei. Aber das tun
alle, die in die Politik gegangen sind - nur manche beherrschen nicht
einmal ihr Handwerk und geben technokratische Phrasen von sich, weil
ihnen die Gabe der bildhaften Sprache und der mitreißenden Rede
fehlt.
Statt sich über die unlautere Konkurrenz zu entrüsten, sollten die
etablierten Parteien in sich gehen und nachdenken, warum die Saat der
Populisten auf so fruchtbaren Boden fällt. Die bösen Buben werden
nicht nur wegen ihrer flotten Sprüche nach oben gespült, sondern sie
werden gewählt, wenn etwas nicht mehr stimmt, wenn die Menschen das
Gefühl haben, vom Fortschritt ausgeschlossen zu sein oder wenn die
Regierenden durch Fehler und Überheblichkeit ihre Legitimation
verloren haben. Kein Rauch ohne Feuer. ****
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