- 27.08.2005, 13:36:33
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Mailath-Pokorny: "Wissen macht frei"
Bildung ist zentrale gesamtgesellschaftliche Frage
Wien (SPW) - "Wissen macht frei. Dieses uraufklärerische Postulat,
wodurch der Aufbruch des Menschen aus seiner selbstverschuldeten
Unmündigkeit nur durch Wissen möglich ist, hat auch heute nichts an
seiner Gültigkeit verloren", erklärte Kulturstadtrat Andreas
Mailath-Pokorny heute, Samstag im Rahmen der Wiener Sommerakademie in
Anspielung auf den Philosophen Immanuel Kant. "Im Laufe der
Geschichte haftete der Bildung lange etwas bürgerlich-elitäres an. Zu
einem gesamtgesellschaftlichen Anliegen wurde der Transfer von Wissen
erst Mitte des 19. Jahrhunderts", betonte Mailath-Pokorny, der sich
über die aktuellen Probleme besorgt zeigte: "In den letzten Jahren
sind hier einige Rückschritte festzustellen, Wissen wird wieder zu
einem Eliten-Thema". ****
Konkret nannte der Stadtrat die Misere an den österreichischen
Hochschulen als Beispiel. "Zugangsbeschränkungen und
Entdemokratisierung sind wesentliche Einschränkungen freier Bildung
und daher der falsche Weg", unterstrich Mailath-Pokorny, der seine
Sicht auf Bildung skizzierte: "Die Aneignung und der Transfer von
Wissen sind zentrale gesellschaftliche Fragen. Der Name `Universität´
kommt von ´universitas´ und bedeutet `das Ganze´. Dabei geht es
darum, die Umgebung holistisch, also als Ganzes aufzufassen - dazu
gehört es Neues zu suchen, neue Verbindungen herzustellen und alte
Dogmen zu hinterfragen", unterstrich Mailath-Pokorny. Wien gehe hier
einen guten Weg, denn in Fragen der Forschung werden auch andere
Aspekte der Stadt, etwa die Kultur einbezogen. Mailath-Pokorny wandte
sich erneut gegen die "allzu frühzeitige Spezialisierung" im
österreichischen Schulsystem, denn: "Im Sinne einer holistischen
Auffassung von Bildung wollen wir eine möglichst lange und möglichst
umfassende Bildung für möglichst viele Menschen". Durch die frühe
Spezialisierung werde dies aber bisher verhindert. "Nach dem Schock
über die Resultate der PISA-Studie gab es für kurze Zeit ein `Window
of Opportunity´, in dem quer durch alle Parteien Einigkeit darüber
bestand, unser Schulsystem zu verbessern. ExpertInnen legten konkrete
Reformvorschläge vor, von der Gesamtschule bis hin zur Reform der
Leistungsbeurteilung durch Noten. Doch nun ist von dieser
übergreifenden Einsicht nichts mehr übrig, denn die Konservativen in
Österreich wollen nun mal keine Gesamtschule und sie wollen die
Leistungsbeurteilung lassen wie sie ist", so Mailath-Pokorny.
In Richtung Finanzminister Grasser, der 2001 einige
österreichische Studienrichtungen - wie Orientalistik- als
"Orchideenfächer" bezeichnet hat, erklärte Mailath-Pokorny: "Zwei
Wochen nach den Grasser Aussagen geschah in New York der Anschlag auf
das World Trade Center und plötzlich haben sich alle um die
Orientalistik gerissen. Das zeigt, es gibt keine Orchideenfächer", so
der Stadtrat, der hinzufügte, dass man auch Studienfächer brauche,
bei denen es nicht nur um die Gleichung zwischen Gewinn und Verlust
gehe.
"Die Stadt hat in den letzten Jahren viel getan, um den
Forschungsstandort Wien zu stützen. Die Beziehung zwischen
Universitäten und der Stadt war im Laufe der Zeit nicht immer die
beste - das hat sich grundlegend geändert", betonte Mailath-Pokorny
und verwies auf zahlreiche Kooperationen zwischen Hochschulträgern
und der Stadt, wie die Wiener Wissenschaftstage.
Das vielfältige Angebot der Stadt hob auch der Vorsitzende des
Verbandes Wiener Volksbildung, LAbg. Michael Ludwig hervor: "Mit dem
Wiener Wissenschaftsförderungs- und Technologiefonds hat die Stadt
ein Instrumentarium geschaffen, das die enge Kooperation Wiens mit
seinen universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen
gestattet". Wissenschaft und Forschung habe für eine Stadt wie Wien
eine große Bedeutung, sie dürfen jedoch keine Geheimdisziplin
bleiben. "Es liegt in unserer politischen Verantwortung, Wissenschaft
gesellschaftlich zu legitimieren und die Bevölkerung zu informieren
und an den aktuellen Entwicklungen teilhaben zu lassen", betonte
Ludwig und verwies auf die Veranstaltungsreihe "University meets
Public", die von Wiens Universitäten gemeinsam mit den Wiener
Volkshochschulen veranstaltet werden". (Schluss) lk
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Pressedienst der SPÖ-Wien
Tel.: ++43/ 01/ 53 427-704
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