- 25.08.2005, 13:09:18
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KORREKTUR DER OTS-MELDUNG 078 Khol würdigt Widerstandskämpfer Carl Szokoll
Wien (PK) - Nationalratspräsident Andreas Khol würdigte heute
anlässlich der militärischen Feier zur Enthüllung der Gedenktafel
für Major a.D. Carl Szokoll und der Benennung des Innenhofs des
Verteidigungsministeriums in "Carl-Szokoll-Hof" den
Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus als ein Vorbild
und Ansporn. Szokoll habe seinem Gewissen und seiner Pflicht
gegenüber seinem Volk und dem Naturrecht unter Einsatz seines
eigenen Lebens gefolgt, sagte Khol. Das Widerstandsrecht gegen
Diktatur und offenkundigen fundamentalen Rechtsbruch durch die
Diktatur eines Unrechtsstaates sei heute Teil unserer Grundsätze.
Widerstand und Desertion seien gerechtfertigt gewesen, das hätten
Nationalrat und Bundesrat unzweideutig bekräftigt. Die Benennung
des großen Hofes des Verteidigungsministeriums nach einem
Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus sei daher
sinnfälliges Zeichen für die Grundsätze, die unser Heer
gestalten.
Im Folgenden der Wortlaut der Rede des Nationalratspräsidenten:
"Wir geben heute dem Nordhof dieses traditionsreichen Gebäudes
seinen neuen Namen: Carl-Szokoll-Hof. Wir ehren damit den
Widerstand gegen den Nationalsozialismus und alle die im
Widerstand Opfer gebracht haben. Ein symbolischer Akt
weitreichender Bedeutung. Das im Volksmund immer 'Rossauer
Kaserne' genannte Bauwerk hat eine lange Geschichte – stets
Kennzeichen für die Rolle des Heers und das Verhältnis des Staats
zu seinen Bürgern. Erbaut nach der bürgerlichen Revolution 1848
als Teil des Festungsdreiecks Arsenal – Franz Josephs Kaserne –
Rossauer Kaserne war ihr Zweck der Schutz des Kaiserhauses und
seiner Regierung vor innerer Unruhe und Aufständen, also vor dem
eigenen Volk.
In der Ersten Republik wurde die Kaserne Sitz des
Deutschmeisterregiments, des kleinen Berufsheers, das Österreich
von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs zugestanden wurde.
Ein Berufsheer, das nie zum Volksheer werden durfte. Am Ende des
nationalsozialistischen Unrechtsstaats war es Sitz der
Heeresstreife Wien unter dem Kommando von Major Karl Biedermann.
Er wurde wegen seiner führenden Rolle in der Operation Radetzky
des österreichischen Widerstandes von den nationalsozialistischen
Schergen grausam erhängt. Er wollte mit Major Carl Szokoll und
vielen anderen Widerständlern Wien das Schicksal anderer
Großstädte ersparen, in einem verbrecherischen Endkampf als
verbrannte Erde zu enden. Auch die Gestapo – die gefürchtete
Geheimpolizei der Nationalsozialisten wütete von hier aus in den
Endmonaten des Krieges.
Heute ist dieses Bauwerk wieder hergestellt, gereinigt im
weitesten Sinne und modernisiert, Sitz des Bundesministeriums für
Landesverteidigung und damit der Spitze unseres Bundesheeres. Ein
Bundesheer, das zum Volksheer werden durfte, das auf der
allgemeinen Wehrpflicht und dem Milizgedanken ruht, und das einen
festen Sitz in der österreichischen Bevölkerung, in Bund, Ländern
und Gemeinden hat. Ich danke allen Soldaten und Soldatinnen,
allen Unteroffizieren, Offizieren und politisch Verantwortlichen,
die dies gemeinsam gestaltet haben.
Die Benennung dieses großen Hofes nach einem Widerstandskämpfer
gegen den Nationalsozialismus ist sinnfälliges Zeichen für die
Grundsätze, die unser Heer gestalten. Sie ist auch ein Teil der
Neugestaltung des Bundesheeres in der großen Reform, die vor
ihrer Umsetzung steht. Wenn wir heute Major Carl Szokoll ehren,
so ehren wir in ihm den Soldaten, der zwar stets seine Pflicht
erfüllte, aber dennoch seinem Gewissen und seiner Pflicht
gegenüber seinem Volk und dem Naturrecht unter Einsatz seines
eigenen Lebens folgte. So wie Oberstleutnant Robert Bernardis,
der am Aufstand des 20. Juli 1944 gegen den Nationalsozialismus
teilnahm, den Tyrannenmord wagte und hingerichtet wurde. Wir
haben Robert Bernardis in Enns ein Denkmal gesetzt. Bernardis und
Szokoll haben ihr Widerstandsrecht gegen Diktatur, Verbrechen
gegen die Menschlichkeit und systematische Verletzung aller
Menschenrechte und des Kriegsrechts in Anspruch genommen. Erneut
weise ich auf das Wort des großen Papstes Leo XIII. hin, der
viele Jahrzehnte vor dem Nationalsozialismus im 19. Jahrhundert
gelehrt hatte: 'Wenn aber die Staatsgesetze sich offen gegen das
göttliche Recht auflehnen, dann ist Widerstand Pflicht.' Carl
Szokoll hat den Weg in den Widerstand nicht ohne schwere Zweifel
und tief schürfendes Nachdenken, nicht tollkühn getroffen: „Ich
kann von mir selbst sagen, wie schwer der Kampf war, den
Soldateneid zu brechen. Wie viele tausende und abertausende
Soldaten sind hinausgezogen mit schweren und schwersten Herzen,
und sind gefallen für eine Idee, die sie in ihrem Innersten voll
ablehnten. Hierin liegt aber die Tragik unserer Soldaten, ja
unseres ganzen Volkes: Es ist in seinen Idealen, die ihm vor
Jahrhunderten anerzogen worden sind, missbraucht worden."
Dieses Widerstandsrecht gegen Diktatur und offenkundigen
fundamentalen Rechtsbruchs durch die Diktatur eines
Unrechtsstaates ist heute Teil unserer Grundsätze. Mit dem
Staatsakt heute stellen wir erneut klar: Der Krieg der
Nationalsozialisten war nicht unser Krieg. Er war ein
völkerrechtswidriger Krieg. Widerstand und Desertion waren
gerechtfertigt; dies haben gerade erneut National- und Bundesrat
unzweideutig bekräftigt.
Unser Bundesheer ist Heer einer Demokratie und der Demokratie
verpflichtet. Unsere Soldaten leisten ihren Eid auf Demokratie
und Rechtsstaat. Unser Heer dient dem Frieden, dem Schutz der
Menschenrechte, dem Schutz unseres Landes und unseres Volkes –
ein Volk, das sein Bundesheer schätzt, achtet und darauf stolz
und für seinen Einsatz dankbar ist. Gerade heute, wenn wieder
einmal 2000 Soldatinnen und Soldaten in den Hochwassergebieten
ihren Dienst für das Volk leisten, danken wir ihnen von hier aus
für ihren Einsatz.
Major Carl Szokoll hat dazu beigetragen, dass Wien nicht zur
Gänze zerstört wurde, dass der Kampf um Wien nicht so viele Opfer
forderte wie in anderen Städten. Dennoch lag ein Viertel der
Stadt in Schutt und Asche, kamen 19.000 Soldaten der Wehrmacht
und 18.000 Soldaten der Roten Armee zu Tode, viele wurden
verwundet, viele für ihr Leben verstümmelt. Ich erinnere an diese
Opfer nicht nur im Geiste von Major Carl Szokoll, sondern auch im
Geiste der Europäischen Union: Nie wieder Krieg ! Dieser Aufruf
soll uns daran gemahnen, dass Frieden und Demokratie stets neu
errungen und gesichert werden müssen. Die Europäische Union,
deren Mitglied wir seit 10 Jahren sind, ist das große
Friedensprojekt unserer Zeit – ein Friedensprojekt, das der
Widerstand gegen den Nationalsozialismus erträumte. Dem Recht,
dem Frieden und der Tat verpflichtet, ehrt das österreichische
Bundesheer heute und mit ihm die Republik Major Carl Szokoll. Er
ist Vorbild und Ansporn.
Es lebe unser Bundesheer!
Es lebe unsere Heimat, die Republik Österreich."
(Schluss)
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