• 22.08.2005, 17:59:28
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Was bleibt vom Weltjugendtag neben der Erfahrung,
dass auch Deutsche bisweilen organisatorisch überfordert sind? Das
Wichtigste ist wohl ein neues Selbstbewusstsein der katholischen
Kerngruppen. Waren die letzten Jahre der Kirche vor allem von
rituellen Selbstgeißelungen, Konzentration auf Unterleibsthemen,
innerem Streit und der Neuerfindung von Kirche durch jeden einzelnen
Funktionär geprägt, so wurde diese Agenda im Dialog zwischen Papst
und einer neuen Generation weggewischt. Die Kirche stellt sich wieder
mehr der Sinnfrage als dem Beichtspiegel. Und das Leben der Gläubigen
wird sich auch weiterhin nur sehr teilweise an die Moralnormen der
Kirche halten. So wie schon seit 2000 Jahren.

*

Vielleicht lernt auch Erhard Busek für seine Ratschlägen etwas vom
Weltjugendtag (oder von den Rolling Stones): Die Jungen laufen nicht
dorthin, wo ihnen möglichst viel junge (etwa: Politiker-)Gesichter
präsentiert werden, sondern wo es spannende Persönlichkeiten gibt.

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Die Arbeiterkammer ist gegen die hohen Treibstoffpreise. Und ich
fordere bessere Wetter. Allerdings knüpfte die Kammer an diese
Forderung auch eine kabarettreife Folgerung, wo mir nichts mehr
einfällt, was gleich intelligent wäre: Sie verlangt eine Förderung
von Tankstellen . . .

*

Wiens SPÖ glaubt offenbar den Umfragen nicht, die einen Wahlsieg
prophezeien: Gleich auf acht und zehn Jahre hat das Rathaus noch
schnell Lobbying-Verträge abgeschlossen. Man fürchtet sichtlich, dass
ein Koalitionspartner - und sei er noch so grün - bei einem derartig
anrüchigen Geschäft nicht mitmacht. Denn es geht um Dimensionen, die
in Schilling etliche Milliarden ausmachen.
Dabei gibt Wien samt seinem Wirtschaftsimperium schon jetzt das
weitaus meiste Steuergeld aller öffentlicher Institutionen aus, um
für sich Stimmung zu machen oder Medien zu beeinflussen. Wer an
dieser Aussage zweifelt, schaue nur seinen Briefkasten oder die
zahllosen gesponserten Serien und Beilagen an, die sich in vielen
Wiener Zeitungen regelmäßig finden. Oder er suche dort nach
irgendeiner Kritik am Wiener Bürgermeister. Und jetzt sichert sich
die Wiener SPÖ noch auf ein Jahrzehnt zusätzliche Steuermilliarden
zum Stimmungmachen . . .

Aber Michael Häupl sollte vorsichtig sein: Denn sein Freund Viktor
Klima ist politisch daran gescheitert, dass ihn ORF, Krone und News
ständig bejubelt haben. Irgendwann wird es den Bürgern zuviel.
Vielleicht schon, bevor ein Rechnungshof den Megadeal in der Luft
zerreißt.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:redaktion@wienerzeitung.at

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