• 15.08.2005, 17:53:53
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nach dieser Woche wird im Heiligen Land alles anders sein" (von Charles Landsmann)

Ausgabe vom 16.8.2005

Graz (OTS) - Dem Nahen Osten, Israel und den palästinensischen
Gebieten steht eine dramatische, ja historische Woche bevor. Denn
morgen beginnt Israel mit der Räumung des Gazastreifens. Erstmals
wird Israel im Krieg erobertes Land damit nicht einem ehemaligen
Feindesstaat zurückgeben, sondern den noch staatenlosen
Palästinensern.

Die militanten Siedler behaupten, die von Ariel Sharon veranlasste
und von Regierung und Parlament abgesegnete Räumung der Siedlungen
werde Israel spalten - was katastrophal wäre für den jüdischen Staat.
In Wirklichkeit aber wird sich höchstens die regierende Likud-Partei
spalten - was für den demokratischen Staat Israel eher von Nutzen
sein könnte, sähe danach doch der rechts orientierte Wähler wieder
klare politische Konturen.

Bis zu 70.000 Polizisten und Soldaten werden die Räumung vollziehen
und den Widerstand von ein paar tausend sich ihnen entgegenstellenden
fundamentalistischen Jugendlichen brechen. Die betroffenen Siedler
selbst sind in ihrer großen Mehrheit bereits "freiwillig" abgezogen,
der Rest dürfte es - von wenigen Ausnahmen abgesehen - beim passiven
längstmöglichen Verharren in den Häusern belassen.

Alle Siedler, ob im Gazastreifen oder im Westjordanland, wissen, dass
sie den Kampf gegen die Räumung verloren haben. Ihnen geht es nun
darum, ein nationales Trauma auszulösen und unter Hinweis auf dieses
jeden Gedanken an weitere Räumungen von Siedlungen im Westjordanland
schon im Ansatz abzuwürgen. Der Gazastreifen darf aus ihrer Sicht
nicht zum Präzedenzfall für das Westjordanland werden, was er aber
sein müsste, soll jemals Frieden zwischen den beiden Völkern
herrschen. In Israel ist kein Politiker in Sicht, der Sharons mutigem
Schritt ähnliche folgen lassen will oder kann. Demnach werden
Israelis und Palästinenser nach Umsetzung des aktuellen "Einseitigen
Loslösungsplans" keinen Zentimeter weiter auf dem Weg zum Frieden
zurücklegen, es sei denn, sie werden von außen - etwa von den USA -
dazu gezwungen.

Für die Palästinenser ergibt sich durch den Gaza-Abzug der Israelis
eine ein- und letztmalige Chance: Schaffen sie es, während und nach
dem israelischen Rückzug im Gazastreifen Ruhe und Ordnung
herzustellen und aufrechtzuerhalten, ihn nicht zu einer riesigen
Basis für Terroristen verkommen zu lassen, so beweisen sie der Welt
und vor allem den USA, dass sie eines eigenen Staates würdig sind.
Versagen sie aber, so wird Palästina wohl für immer ein Wunschtraum
bleiben.****

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Kleine Zeitung
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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