Wir wollen leben!

Wien (OTS) - Die Medienberichte der letzten Tage über die (Un)Finanzierbarkeit der Krebstherapie veranlassen uns zu folgender Mitteilung.

Als Betroffene haben wir die Entwicklung verbesserter Tumortherapien in den letzten Jahren mit großem Interesse verfolgt. Wie von hochrangigen Krebsspezialisten festgehalten, droht die Umsetzung dieser neuen Therapiemöglichkeiten nun an der Finanzierbarkeit zu scheitern. Seitens der Kostenträger wird versichert, dass alle Patienten die bestmögliche Therapie erhalten. Unserer Erfahrung nach ist dies nicht zutreffend. Vielmehr gibt es in unseren Selbsthilfegruppen Berichte von Patienten, denen die optimale Therapie aus Kostengründen vorenthalten wurde!

Es beginnt nun eine neue Ära in der Tumortherapie. Nicht nur für die Behandlung von Brustkrebs, sondern auch für andere Tumorerkrankungen stehen neue Therapiemöglichkeiten (sog. Antikörper) zur Verfügung. Diese Substanzen beginnen sich nun zu etablieren und werden innerhalb kürzester Zeit eine enorme Kostensteigerung nach sich ziehen. Ob in Österreich tatsächlich eine Versorgung mit der optimalen Tumortherapie möglich ist, wird also erst die (nahe) Zukunft weisen können. Die ersten Erfahrungen in der "Ära der neuen Krebstherapie" stimmen jedoch pessimistisch. Denn schon jetzt ist davon auszugehen, dass aus Kostengründen in Österreich nicht alle Patienten nach den neuesten Standards behandelt werden können. Die über die Medien kolportierte Zusage der Politiker/Kostenträger, dass alle Patienten die bestmögliche Therapie erhalten, ist also nur schwer nachzuvollziehen.

Es sei an dieser Stelle auch festgehalten, dass eine teurere Therapie nicht immer mit Mehrkosten für das Gesundheitswesen als Ganzes einhergeht. Eine neue Tumortherapie, die den Zeitraum bis zum Fortschreiten/Wiederauftreten der Erkrankung verlängert, kann durchaus Kosten einsparen (die Patienten sind länger arbeitsfähig, müssen seltener ins Krankenhaus etc.).

Nicht zuletzt möchten wir als Betroffene das Bedauern über die Kostendiskussion an und für sich zum Ausdruck bringen. Überlebensverlängerung und Verbesserung/Bewahrung der Lebensqualität von Krebspatienten sind in Österreich zu einer Frage des Geldes geworden. Die Zwei-Klassen-Medizin ist damit eigentlich schon Realität. Es ist an der Zeit, dass sich die politisch Verantwortlichen deklarieren und verbindliche Zusagen machen.
Wir - als Vertreter der unterzeichnenden Selbsthilfegruppen - bleiben jedenfalls am Ball und halten fest: "Wir wollen leben. Wir wollen länger leben und wir wollen besser leben."

Helga Thurnher
im Namen der Selbsthilfegruppe Darmkrebs Österreich (www.derdickdarm.org)

Gerhard Palfi
im Namen der Lymphomgesprächsgruppe
Elke Weichenberger
im Namen der Myelom Hilfe Österreich (www.myelom.at)

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Helga Thurnher,
E-Mail: helga.thurnher@aon.at

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