- 21.07.2005, 12:09:51
- /
- OTS0106 OTW0106
Kukacka: Geisterfahrerkrallen sind nicht der Weisheit letzter Schluss - über 500 Fehlauslösungen seit 2000 in OÖ
Wien (OTS) - "Zweifellos müssen alle Möglichkeiten ausgenützt
werden, die Gefahren durch Geisterfahrer auf Autobahnen zu
vermindern. Die flächendeckende Errichtung von Geiserfahrerkrallen,
wie sie von LH-Stv. Erich Haider gefordert wird, sind aber aufgrund
der hohen Fehlauslösungsquote - alleine in Oberösterreich wurden
seit dem Jahr 2000 über 500 Fehlauslösungen verzeichnet - nicht der
Weisheit letzter Schluss", stellte heute, Donnerstag,
Verkehrsstaatssekretär Mag. Helmut Kukacka fest. Es bestünden
erhebliche fachliche Bedenken der Experten gegen den Einsatz dieser
Krallen.
Die hohe Fehleranfälligkeit würde auch hohe Betreuungskosten
verursachen - die Straßenmeisterei müsse rund um die Uhr besetzt
sein, bei jeder Auslösung müsse ein Mitarbeiter hinausfahren, da
jemand verletzt oder die Fahrbahn blockiert worden sein könnte. Im
Winter wiederum sei das System nicht voll betriebstauglich, die
Krallen frieren ein und müssen laufend gereinigt werden. Jede
Anschlussstelle brauche zusätzlich eine Stromzufuhr, eine
Datenleitung in die nächste Straßenmeisterei. Insgesamt verursacht
ein Kontrollfahrsystem rund 3000 EUR Betriebkosten pro Jahr. Ein
weiteres Problem sei, dass die neue Reifen-Generationen durch Krallen
nicht mehr sicher gestoppt werden könne.
Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass viele Geisterfahrten sehr
oft auf der Autobahn selbst z.B. bei Raststationen, Parkplätzen
ihren Anfang nehmen - diese Fehlfahrten können mit Krallen an allen
Anschlussstellen wieder nicht verhindert werden. Juristisch sei auch
die Verschuldensfrage im Falle eines Unfalles, sollte ein
Richtigfahrer in das nicht fahrbare Fahrzeug auffahren,
problematisch.
Mögliche Nachfolger der Kralle seinen bereits im Testbetrieb. Eines
davon sei das Geisterfahrer-Informationssystem GRIS, dass sich
derzeit im Testbetrieb auf der A4 in Schwechat befinde. Sensoren
erkennen Geisterfahrer auf der Autobahnauffahrt und geben ohne
Zeitverzögerung Meldungen an die Medien aus. Zudem würden sie
optische Signale starten wie seitliche Lauflichtanlagen, um den
Geisterfahrer noch auf seinen Fehler hinzuweisen. In Tirol gebe es
bereits flächendeckend das sogenannte Verkehrsbeeinflussungssystem.
Sensoren entlang der Fahrbahn würden unter anderem Geisterfahrer
erkennen und sofort auf allen Überkopf-Signalanlagen Warnungen
ausgeben. Das System der Zukunft werde aber derzeit in den USA
getestet. Dieses System stellt bei Geisterfahrern einfach dem Motor
ab. "Es ist richtig, dass wir alles unternehmen müssen, um
Geisterfahrerunfälle zu vermeiden. Die Geisterfahrerkralle kann, an
der richtigen Stelle eingesetzt, einen Beitrag leisten, aber es als
alleiniges Allheilmittel zu betrachten, wäre weit gefehlt", schloss
Kukacka.
Rückfragehinweis:
Staatssekretariat im BM für Verkehr,
Innovation und Technologie
Mag. Christian Dolezal
Pressesprecher
Tel. +43 (01) 711 62/8803
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SVT






